Dezentrale Transaktionssysteme

Blockchain in der Mediendistribution und bei Banken

| Autor / Redakteur: Ulrike Ostler / Tina Billo

Blockchains schaffen die technische Voraussetzungen für Smart Contracts und Kryptowährungen, von denen nun auch Künstler oder mittelständische Bankkunden profitieren sollen.
Blockchains schaffen die technische Voraussetzungen für Smart Contracts und Kryptowährungen, von denen nun auch Künstler oder mittelständische Bankkunden profitieren sollen. (Bild: ©zapp2photo - stock.adobe.com)

Decent will es mit seiner jetzt gestarteten Medienplattform mit Entertainment-Riesen aufnehmen. Dabei setzt das Unternehmen auf Blockchain und eine eigene Kryptowährung. Das Bankenkonsortium "Digital Trade Chain" (DTC), bestehend aus der Deutschen Bank, HSBC, KBC, Natixis, Rabobank, Société Générale und Unicredit, baut bei seiner internationalen Handelsplattform hingegen auf "Hyperledger" und die IBM Cloud.

Die Ende Juni an den Start gegangene Decent-Plattform soll "mehr Transparenz und Fairness in die digitale Medienindustrie" bringen. Künstler sollen mehr Freiheit und Kontrolle über ihr geistiges Eigentum und die Veröffentlichung ihrer Werke erlangen. Der Anbieter zieht dabei einen Vergleich zu Apple und Amazon.

Der Unterhaltungs- und Medienmarkt ist riesig, aber es bleibt sehr schwierig für Künstler. Decent schätzt, dass Schriftsteller etwa 30 bis 75 Prozent ihrer Einnahmen einbüßen, wenn sie ihre Bücher über Amazon veröffentlichen. Ebenso sollen Musiker durch Lizenzvereinbarungen rund 30 Prozent ihrer Einnahmen einbüßen, sobald sie Titel über iTunes verkaufen.

Über die Decent-Distributionsplattform sollen sie nun ihre Texte, Musik, Videos, E-Books, Software, Spiele und Bilder unabhängig von Dritten verbreiten sowie die Schutzrechte und Preise selbst bestimmen können.

Alternativmodelle für Künstler

Als einer der Blockchain-Vorteile wird immer wieder genannt, dass Zahlungen im Handelsverkehr unmittelbar geleistet werden und so keine Verzögerungen entstehen. Das ist auch bei dem Modell des Anbieters aus der Schweiz der Fall. Die Gebühr für jede Transaktion wird nahezu unmittelbar danach auf das Konto des Künstlers überwiesen. Folglich müssen sie nicht mehr monatelang darauf warten, den Lohn für ihre Arbeit zu sehen. Um das Projekt zum Laufen zu bringen, werde der Dienst zum Startzeitpunkt für Produzenten und Konsumenten komplett kostenlos angeboten.

Matej Michalko , Decent-Gründer und CEO, führt aus: "Es gibt zu viel künstlich geschaffene Komplexität und Barrieren in der Branche, die Medienproduzenten sowohl den Zugang zum Markt erschweren als auch ihr Einkommen schmälern."

Decent biete ein alternatives Modell, bei dem Einnahmen direkt auf das Konto des Urhebers überwiesen würden, ohne dass wie sonst üblich weitere Gebühren für Drittanbieter oder Zwischenhändler anfielen. Das könne die bislang für die weltweite Medien- und Content-Distributionsindustrie geltenden Spielregeln auf den Kopf stellen, deren Einnahmen von rund 1,7 Milliarden US-Dollar im vergangenen Jahr bis 2019 auf über zwei Milliarden US-Dollar ansteigen sollen.

Außer Decent wollen auch diverse Wettbewerber den Künstern Blockchain-basierte Alternativen bieten, zum Beispiel das auf die Filmbranche spezialisierte Unternehmen SingularDTV oder die für Musiker entwickelte Plattform Ujo Music.

Ergänzendes zum Thema
 
Deutsche Bank Research erläutert DTC

"Ursprünglich funktioniert die Blockchain im gesamten Internet. Es ist aber möglich, sie auf vertrauenswürdige Teilnehmer zu beschränken und mit zusätzlichen Funktionen auszustatten, zum Beispiel einer Finanzierung. Darauf setzen die Banken mit der `Digital Trade Chain´."
"Ursprünglich funktioniert die Blockchain im gesamten Internet. Es ist aber möglich, sie auf vertrauenswürdige Teilnehmer zu beschränken und mit zusätzlichen Funktionen auszustatten, zum Beispiel einer Finanzierung. Darauf setzen die Banken mit der `Digital Trade Chain´." (Quelle: Deutsche Bank Unternehmer-Magazin Results)

Leichterer Abschluss von Handelsgeschäften

Für die Umsetzung der Blockchain-basierten Plattform für Handelsfinanzierungen namens Digital Trade Chain (DTC) vertraut das Anfang 2017 von der Deutschen Bank, HSBC, KBC, Natixis, Rabobank, Société Générale und Unicredit gegründete Bankenkonsortium auf einen bewährten Partner: IBM. Mit DTC wollen sie insbesondere kleinen und mittelständischen europäischen Unternehmen die Teilnahme am internationalen Handel erleichtern.

Gerade kleinere Firmen nutzen im Trade-Finance-Bereich keine Warenakkreditive, um sich abzusichern, sondern liefern auf Rechnung. "In jedem Land werden nahezu 40 Prozent des Exporthandels basierend auf 100 Prozent Vorauszahlung abgewickelt und bezahlt", erläuterte Roberto Mancone, Global Head Disruptive Technologies & Solutions im Chief Digital Office des Bereichs Private, Wealth & Commercial Clients (PW&CC) der Deutschen Bank, im Januar dieses Jahres.

DTC wurde gegründet, nachdem die sieben Banken eine Absichtserklärung (Memorandum of Understanding) unterzeichneten, in dem sie übereinkamen, eine Blockchain-Plattform für den internationalen Finanzhandel zu entwickeln und zu vermarkten. Zunächst wollen sich die Finanzdienstleister darauf konzentrieren, in sieben europäischen Ländern eine "kritische Masse" aufzubauen. KBC fokussiert sich hier auf Belgien und Luxemburg, Natixis und Société Générale auf Frankreich, die Deutsche Bank und die Unicredit auf Deutschland, wobei letztere auch noch für Italien zuständig ist. Die Niederlande hat die Rabobank im Blick und das Vereinigte Königreich die HSBC.

KBC hat zudem einen Vorläufer für die Produktentwicklung ins Rennen geschickt, eine prototypische Trade-Finance- und Supply-Chain-Anwendung. Die Plattform soll gegen Ende 2017 den produktiven Betrieb aufnehmen.

Zielgruppe KMUs

DTC läuft via Hyperledger in der IBM Cloud und verbindet alle Teilnehmer über das Internet und mobile Endgeräte. Hyperledger ist ein Open-Source-Projekt. Es wird von der Linux Foundation koordiniert, zu den Gründern zählen neben Technologiekonzernen wie Intel, IBM, Cisco und VMware ebenso die Deutsche Börse und die London Stock Exchange Group sowie Banken und Finanzdienstleister, darunter Accenture und JP Morgan. IBM gewann die internationale Ausschreibung.

Das Verfahren verspricht kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMUs) Transparenz und die Erfüllung ihrer Rechenschaftspflicht bei grenzüberschreitenden Transaktionen. Zudem soll die Plattform sowohl den Banken als auch ihren Kunden dabei helfen, neue Einnahmequellen zu erschließen, etwa indem neue Handelsverbindungen und -kontakte aufgezeigt werden. Denn der Bestellvorgang werde beschleunigt und die administrative Dokumentation deutlich reduziert, so die Finanzdienstleister.

* DIesen Beitrag haben wir von unserem Schwesterportal DataCenter-Insider übernommen.

Kommentare werden geladen....

Was meinen Sie zu diesem Thema?

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 44775379 / Management)