Das Forschungs-Cluster CooLMUC-2

Das Leibniz Rechenzentrum kühlt mit Rechnerabwärme

| Autor / Redakteur: Ulrike Ostler / Rainer Graefen

Beim Rechen-Cluster CooLMUC-2 sorgen sechs Adsorptionskältemaschinen von Sortech dafür, dass die beim Rechnen erzeugte Abwärme zur Kälteproduktion verwendet wird.
Beim Rechen-Cluster CooLMUC-2 sorgen sechs Adsorptionskältemaschinen von Sortech dafür, dass die beim Rechnen erzeugte Abwärme zur Kälteproduktion verwendet wird. (Bild: Sortech)

Mit Abschluss der letzten Installationsarbeiten und Abnahmetests ist in der vergangenen Woche am Leibniz-Rechenzentrum der Bayerischen Akademie der Wissenschaften ein neuer Rechen-Cluster in Betrieb gegangen, der „CooLMUC-2“. Bei dem von der Lenovo Deutschland GmbH gelieferten System ist der Name Programm: Die im Betrieb anfallende Abwärme wird mittels Adsorptionstechnik in Kälte umgewandelt.

Das LRZ nutzt diese energiesparende Variante der Kälteproduktion im Rechenzentrum zur Kühlung weiterer Systeme. Diesen innovativen Ansatz hat das LRZ in Zusammenarbeit mit der Sortech AG, einem Spezialisten für thermische Kühlung, und IBM Research – Zürich implementiert.

Sowohl der Betrieb als auch die Kühlung der Rechner treibt den Energieverbrauch in Rechenzentren enorm in die Höhe. Innovative Kühlkonzepte, die Energie einsparen, rücken deshalb verstärkt in den Fokus von Rechenzentrumsbetreibern. In enger Zusammenarbeit mit Sortech, IBM und Lenovo Deutschland entwickelte das LRZ den CooLMUC-2.

Genau wie sein großer Bruder, der Höchstleistungsrechner „SuperMUC“, ist CooLMUC-2 mit einer direkten Warmwasserkühlung von Lenovo ausgestattet, die ursprünglich am IBM Forschungszentrum in Zürich entwickelt wurde. Diese Art der Kühlung erlaubt es, die Wärme der Prozessoren direkt mit Wasser, statt wie üblich mit Luft, aus dem Rechner abzuführen.

Die Plattenspeicher produzieren Kälte

Zusätzlich sorgen am CooLMUC-2 sechs Adsorptionskältemaschinen von Sortech dafür, dass die beim Rechnen erzeugte Abwärme zur Kälteproduktion verwendet wird. Zurzeit wird damit ein Teil der Plattenspeichersysteme des SuperMUC gekühlt.

Bereits im Jahr 2012 hatte das LRZ mit dem „CooLMUC-1“ gezeigt, dass es grundsätzlich möglich ist, Rechnerabwärme zur Kühlung zu verwenden. Bei diesem System musste allerdings noch mit einer Wärmepumpe nachgeholfen werden, um die für den Betrieb der Adsorptionskältemaschine notwendigen hohen Temperaturen zu erreichen. Professor Dr. Arndt Bode, Leiter des LRZ, dazu: „Einige Schwächen, die sich beim Betrieb des ersten CooLMUC gezeigt haben, sind beim CooLMUC-2 ausgeräumt. Vor allem durch den Wegfall der Wärmepumpe ist die Anlage nicht nur deutlich effizienter, sondern auch wesentlich preiswerter.“

Neuerungen in der Hardware machten dies möglich. Dieter Stehle, Lenovo Business Unit Leader Server & Storage, erläutert: „Durch die Weiterentwicklung unserer direkt-wassergekühlten „Nextscale WCT“-Systeme ist es nun möglich, die Prozessoren des Rechners selbst bei hohen Eingangstemperaturen des Kühlwassers von zirka 50 Grad ausreichend zu kühlen.“ Beim Austritt aus dem Rechner hat sich das Wasser auf rund 60 Grad erwärmt.

50 Grad heißes Wasser kühlt die Prozessoren

Hier setzt die Firma Sortech mit ihren Spezialmaschinen an. „Das ist genau die Temperatur, ab der unsere Maschinen effizient arbeiten“, erläutert Walter Mittelbach, Vorstand der Sortech AG. Die -Adsorptionskälteaggregate der neuesten Generation verfügten zudem über eine deutlich flexiblere Steuerung. Diese und eine deutlich sensiblere Vermessung der gesamten Anlage machten es dem LRZ möglich, in den kommenden Monaten die optimalen Betriebsparameter zu bestimmen.

Arndt Bode fasst zusammen: „Mit unserer jetzigen Adsorptionskältemaschine ist der Stromverbrauch im Vergleich mit üblichen Kompressionskältemaschinen nur noch halb so hoch. Das ist doppelt so effizient wie bei üblichen Kältemaschinen. Wir werden damit weiterhin unserem Anspruch gerecht, weltweit zu den Pionieren für den energieeffizienten Betrieb von Rechenzentren zu gehören.“

CooLMUC-2 besteht aus 400 Rechenknoten der Ausprägung „Lenovo Nextscale nx360M5 WCT“ mit insgesamt 11.200 Rechenkernen und 25.500 Gigabyte Arbeitsspeicher. Gemeinsam erreichen diese eine Leistung von 366,4 Teraflops, was in der aktuellen Top500 Liste der schnellsten Supercomputer der Welt einen Platz im Mittelfeld bedeutet. Die Beschaffung des CooLMUC-2 wurde mit 949.000 Euro aus Mitteln der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und des Freistaats Bayern finanziert. Die Rechenleistung steht im Rahmen des Linux-Clusters des LRZ akademischen Nutzern aus ganz Bayern kostenlos zur Verfügung.

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Schreiben Sie uns hier Ihre Meinung ...
(nicht registrierter User)

Kommentar abschicken

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 43854812 / RZ-Hardware)