Die interne Logik von Flash-Speichern macht Datenrettern viel Arbeit

Die Datenrettung von SSDs ist theoretisch möglich

| Autor / Redakteur: Conrad Heinicke, CBL Datenrettung / Rainer Graefen

Gebrochene Leiterplatte, Daten o.k.
Gebrochene Leiterplatte, Daten o.k. (Foto: CBL Datenrettung)

Der berüchtigte Headcrash magnetischer Festplatten kann einer SSD nicht zustoßen. Doch auch die Halbleiterlaufwerke haben Ausfallrisiken wie die Beschädigung der Leiterplatte oder Fehler im Steuerchip. Dann macht schon die interne Speicherverarbeitung die Datenrettung zur Herausforderung.

Die schwierige feinmechanische Rekonstruktionsarbeit im Reinraumlabor, die die Festplattendatenrettung teuer macht, entfällt bei den Halbleiterspeichern – trotzdem ist die Datenrettung von SSDs sehr aufwendig.

Ein Hauptgrund dafür sind die Wear-Leveling-Algorithmen, die als Intellectual Property von jedem Hersteller gut geschützt werden. Der SSD-Controller verteilt hierbei die Schreibvorgänge dermaßen, dass alle NAND-Speicherzellen möglichst gleichmäßig abgenutzt werden – unter Berücksichtigung unterschiedlicher Qualitäten jeder Speicherzelle.

Dabei wird die Zuordnung der physischen Speicheradresse zur logischen Sektornummer ausschließlich in der SSD gespeichert und ist von außen nicht ersichtlich. Für den Datenretter folgt daraus, dass die Rekonstruktion von über den gesamten Datenträger verteilten Dateifragmenten ähnlich langwierig ist wie die Rekonstruktion eines Festplattenverbundes (RAID).

Unternehmensweiter Wissensaustausch

Defekte SSDs werden bei CBL auf Firmware- und Chiplevel bearbeitet. Sollte die Platine oder der Controller nicht ansprechbar sein, ist es notwendig, die einzelnen Flash-Chips von der Platine zu entfernen und in einem separaten Lesegerät anzusteuern und auszulesen. Für die gängigen NAND-Flash-Bauformen wie BGA (Ball Grid Array), LGA (Land Grid Array) oder TSOP (Thin Small-Outline Packages) hat das Unternehmen die entsprechenden Lesegeräte und Leseparameter sowie Pinouts vorrätig.

Für ausgefallene oder vom Hersteller speziell angepasste Speicherlösungen ist es notwendig, die Leseparameter und Pinouts manuell zu erarbeiten, um brauchbare Kopien der Chips anzufertigen. Die Labors von CBL arbeiten hier weltweit eng zusammen und tauschen die Parameter in einer gemeinsamen Datenbank aus.

Das Rad neu erfinden

Auch das Know-how für die folgenden Schritte wird ständig zwischen den lokalen Experten verbreitet. Nach dem ersten Auslesen der einzelnen Chips sind die Daten noch völlig unbrauchbar. Man muss sie erst auf hexadezimaler Ebene analysieren, um die verwendeten Algorithmen herauszufinden. Unterstützung durch die Hersteller gibt es nicht, so dass mit Reverse-Engineering-Verfahren gearbeitet werden muss.

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posted am 27.01.2014 um 10:03 von Herbert Schaefer


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