Prognose 2017 von HPE: Eine neue Management-Generation krempelt den Storage-Markt um

Die Speicher-Technik im Silicon-Valley-Startup-Modus

| Autor / Redakteur: Florian Bettges* / Rainer Graefen

Die beschauliche Ansicht auf den Hoover Tower der Standford University in Palo Alto täuscht. Im Storage-Bereich steht eine rasante Beschleunigung bevor.
Die beschauliche Ansicht auf den Hoover Tower der Standford University in Palo Alto täuscht. Im Storage-Bereich steht eine rasante Beschleunigung bevor. (Bild: Palo-Alto©-jerdad_Fotolia.c.jpg)

Bei modernen Speichertechnologien kommen derzeit viele positiv wirkende Aktivitäten zusammen – neue Architekturen, veränderte Voraussetzungen und wechselnde technologische Grundlagen kommen endlich in den Unternehmen an. 2017 wird das spannendste Jahr für die Storage-Industrie seit langem.

Die technologische Entwicklung stand im Storage-Bereich in den letzten Jahren viel zu oft im Hintergrund – Anwender konnten oft nicht die passenden Geschäftsvorteile sehen, weshalb vielversprechende Technologien nicht weiterverfolgt wurden. Wir können seit Jahren beobachten, wie die neuesten Technologien nur in homöopathischen Mengen tatsächlich zum Einsatz kommen.

Diese Situation wird sich in den nächsten Jahren drastisch verändern: Junge, mutige Unternehmen mit neuen Geschäftsmodelle drängen in den Markt und treiben damit auch neue Anforderungen im Bereich der Datenspeicher voran – das löst einen Innovationsschub aus und führt zu einem deutlichen Wandel im Storage-Geschäft.

Neue Technologien – schneller implementiert und konsumiert

Hinzu kommt: Eine neue Generation von IT-Entscheidern kommt in den Unternehmen an und bringt eine neue, frische Mentalität mit sich. Wo früher vorsichtige und langwierige Analysen anstanden, gehen Unternehmen heute experimenteller vor.

Durch diese Entscheider, die nach dem Trial-and-Error-Prinzip handeln, gelangen neue, vielversprechende Technologien schneller in die Unternehmen. Fortschrittliche Konzepte erhalten schneller die Chance, sich im realen Einsatz zu bewähren. Dabei wird auch auf neue Verfahren zugegriffen, Storage einzukaufen.

Im Gegensatz zur klassischen Anschaffung, die über die nächsten drei bis fünf Jahre abgeschrieben wird, treten nun Cloud-ähnliche Abrechnungsmodelle in den Vordergrund. Dadurch reduzieren sich die Initialkosten um ein Vielfaches.

Darüber hinaus ändern sich auch die Anforderungen an Unternehmen: Fortschrittliche Analytics-Anwendungen werden in immer mehr Unternehmen zu einem wichtigen Teil der Geschäftsstrategie und verändern damit grundlegend die Anforderungen, die an Storage-Lösungen gestellt werden.

Vor allem aber sehen sich Unternehmen heute einer viel dynamischeren Marktsituation ausgesetzt. Workloads können sich täglich verändern, die Infrastruktur muss also heute deutlich flexibler sein als noch vor wenigen Jahren.

Software-defined Storage gewinnt an Bedeutung

In solchen Anwendungen kann Speicher nicht mehr als alleinstehende Lösung betrachtet werden – wo bisher monolithische Storage-Architekturen aufgebaut wurden, werden sich künftig konvergente Systeme und Software-definierte durchsetzen. Während Storage und Server in den großen Mainframes der Vergangenheit kombiniert waren, wird Storage heute häufig in eigene Appliances ausgegliedert.

Mit dem Trend zur Composable Infrastructure dreht sich diese Entwicklung wieder um: Neue Lösungen setzen jedoch auf eine wesentlich intelligentere Vorgehensweisen, bei der die Software im Mittelpunkt steht. Unter dem Druck der ständig wechselnden Workloads gewinnt eine automatische Orchestrierung der Ressourcen immer mehr an Bedeutung, die mit geteilten Infrastrukturen nicht mehr abgebildet werden kann.

Hardware-Ressourcen können zudem deutlich effizienter genutzt werden, wenn beispielsweise durch Daten-Tiering Ressourcen intelligent auf verschiedene Storage-Konzepte verteilt werden, von Hochgeschwindigkeits-Storage bis zu günstigen Cloud-Diensten. Dementsprechend schreitet der Markt für Software-defined Storage in Deutschland massiv voran.

Der Wandel weg von Storage-Appliances hin zu einer Referenzarchitektur scheint in den nächsten Jahren unaufhaltsam. In diesem Kontext gewinnen Cloud-Architekturen weiter an Bedeutung – gerade durch den zunehmenden Einsatz privater Clouds können Unternehmen die Vorteile der Cloud heute effizienter als je zuvor nutzen.

Durch den Wandel hin zu Referenzarchitekturen und die gesteigerte Bedeutung der Private Cloud entstehen auch neue Chancen für Partner, die Wertschöpfung im Storage-Sektor zu erhöhen, da das Geschäft deutlich beratungsintensiver wird.

All-Flash löst klassischen Speicher ab

Ein weiterer Treiber der Speicher-Disruption ist der Wechsel von klassischen drehenden Medien hin zu All-Flash und nichtflüchtigem Speicher. Der klassische drehende Speicher wird durch die sinkenden Kosten von All-Flash-Systemen zunehmend unwichtiger, sogar im Bereich des Data Warehousing.

Heute schon können wir beobachten, dass die TCO eines All-Flash-Systems mit einem auf drehenden Medien basierten System gleich ziehen. Kombiniert mit dem enormen Performance-Gewinn Flash-basierter Systeme gibt es somit eigentlich keinen Grund mehr, weiter auf drehende Medien zu setzen. Wir sehen dementsprechend bereits heute, dass die Mehrheit der neu eingerichteten Speichersysteme bereits auf eine All-Flash-Architektur setzt.

Parallel zu dieser Entwicklung werden in den nächsten drei Jahren nichtflüchtige Speicher, die noch näher an der CPU sitzen, eine deutlich wichtigere Rolle einnehmen. Wir beobachten gerade, wie viele Firmen diese neue Technologie erkunden und beginnen, sie in ihre Geschäftsprozesse einzubinden.

Wo SSDs in vielen Fällen nur einen weiteren Geschwindigkeitsschritt darstellten, eröffnet nichtflüchtiger Speicher nah am Prozessor im Server ganz neue Möglichkeiten. Die Möglichkeit Daten-Cashes hochverfügbar zu halten und gleichzeitig keine Leistungseinbußen in Kauf nehmen zu müssen, wird von vielen Kunden sehnlichst erwartet. Heute ist sie in greifbarer Nähe und wird in den nächsten Jahren zur Realität.

Vom Fiber Channel zum Ethernet

Zuletzt stellen wir noch eine weitere Veränderung fest: Den fortschreitenden Wandel vom Fiber Channel zum Ethernet. Besonders Partner mit hohem Netzwerk-Know-how können an dieser Stelle profitieren. Ein derart grundlegender Wandel hat natürlich immer Gewinner und Verlierer.

Partner können signifikant von Synergien aus dem Netzwerkaufbau profitieren. In Kombination mit den bereits genannten Trends wird dies dazu führen, dass einige etablierte Player am Markt nicht schnell genug ihre Strategie auf die neuen Technologien auslegen können, während ganz neue Wettbewerber diese Synergien bereits in ihren Teams abbilden und dadurch an Marktpräsenz gewinnen.

Insgesamt werden die kommenden Jahre die spannendsten seit langem im Storage-Bereich. Nach einer langen Zeit der relativen Stagnation, die vor allem bestimmt war von inkrementellen Verbesserungen an Geschwindigkeit und Kostenreduzierung, treten wir wieder in eine Zeit ein, in der die neuen Technologien in der Realität erprobt werden.

Damit werden Konzepte und Geschäftsmodelle möglich, die wir so noch nicht gesehen haben. Flexibilität, neue Technologien, neue Konzepte und überragende Leistung.

* *Florian Bettges ist Category Manager Storage bei Hewlett Packard Enterprise

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