Solarwinds klärt auf

Drei Vorurteile über Datenbanken in der Cloud

| Autor / Redakteur: Gerardo Dada * / Elke Witmer-Goßner

Datenbanken aus einer Cloud heraus zu betreiben, muss bei sorgfältiger Planung kein Wagnis mehr sein.
Datenbanken aus einer Cloud heraus zu betreiben, muss bei sorgfältiger Planung kein Wagnis mehr sein. (Bild: Kebox, Fotolia)

Die Cloud ist und bleibt ein fester Bestandteil des IT-Lebens. Die Vorteile bezüglich Kosten, Flexibilität und Agilität von Cloud-Computing-Angeboten sind einfach zu gut.

Allerdings fällt es vielen Unternehmen schwer, optimale Einsatzmöglichkeiten für die Cloud zu finden, d.h. zu bestimmen, welche Infrastrukturelemente in die Cloud verlagert und welche intern betrieben werden sollen. Laut einer aktuellen Solarwinds-Umfrage sind bisher in drei von fünf Unternehmen noch nicht einmal 25 Prozent der Infrastruktur in die Cloud migriert worden, jedes zehnte Unternehmen verzichtet sogar noch komplett darauf.

Allerdings haben es viele vor – sobald sie sich hinsichtlich des „Was“ und „Wie“ entschieden haben. Die Datenbank ist dabei das Infrastrukturelement, bei dem die Migration in die Cloud am kritischsten gesehen wird. Immerhin zögern laut einer anderen Umfrage ganze 72 Prozent der IT-Entscheidungsträger, ihre Datenbanken in die Cloud zu verlegen.

Das Zögern wird verständlich, wenn man bedenkt, dass die Datenbank das Herzstück der meisten Anwendungen und oft das komplexeste Infrastrukturelement ist, das zudem in Sachen Leistung am anfälligsten ist. Daher die Befürchtung, dass jegliche Änderung am Betrieb – besser gesagt Ausführungsort – der Datenbank weitreichende negative Folgen haben könnte.

An sich ist diese Angst zwar nachvollziehbar, basiert jedoch eher auf Fehleinschätzungen als auf dem tatsächlichen Stand der Dinge. Und diese Irrtümer halten einfach zu viele Unternehmen davon ab, Cloud-Datenbanken als echte Alternative überhaupt in Betracht zu ziehen. Über Cloud-Datenbanken herrschen insbesondere drei Vorurteile: Ihre Leistung sei gering, sie seien nicht sicher genug und die Unternehmen könnten nicht genug Kontrolle ausüben.

Irrtum 1: Zu wenig Leistung und Verfügbarkeit

Wie viele andere wurzelt auch dieser Irrtum in der Realität, ist allerdings hoffnungslos veraltet. Sicher, vor Jahren, in den Anfängen des Cloud-Computings, waren eine konsistente Leistung und verlässliche Verfügbarkeit für Datenbanken schwer zu erreichen. Doch mit der Reife der Technologie und Tools für die Überwachung, Verwaltung und Abstimmung wesentlicher Cloud-Leistungsparameter werden cloud-basierte Datenbanken nun den Leistungs- und Verfügbarkeitsanforderungen selbst der anspruchsvollsten Anwendungen gerecht.

Die Architektur moderner Cloud-Speichersysteme basiert häufig auf SSDs, speicheroptimierten Instanzen und Optionen für garantierte Leistung. Sie bieten bis zu 48.000 IOPS und 800 MBit/s in der gesamten Instanz. Das ist mehr als genug Leistung, um die Anforderungen der meisten Unternehmen und Organisationen zu erfüllen.

Neue SLAs sichern Verfügbarkeit

Noch vor zwei bis drei Jahren waren Ausfälle in der Cloud nicht ungewöhnlich, doch die heutigen SLAs der Cloud-Anbieter, zusammen mit einfach einzurichtenden Replikationen und Standby-Systemen sowie der Langlebigkeit der Daten in der Cloud, übertreffen das, was die meisten IT-Abteilungen mit durchschnittlichen On-Premise-Systemen erreichen können.

Das alles entbindet den Datenbankadministrator dennoch nicht ganz von seiner Verantwortung. Einen Teil der Administrations- und Konfigurationsaufgaben übernimmt zwar der Cloud-Anbieter, dem er die Kontrolle über Ihre Datenbankinfrastruktur anvertraut, doch für die allgemeine Leistung der Datenbank steht er immer noch persönlich ein. Deshalb muss der Admin auch weiterhin auf Dinge achten wie Ressourcenkonflikte, Engpässe, Abfragen-Justierung, Indexierung, Ausführungspläne usw. Dafür können neue Tools für die Leistungsanalyse erforderlich sein, denn viele sind nicht richtig mit der Cloud kompatibel – besonders, wenn Agenten nötig sind.

Irrtum 2: Cloud-Datenbanken sind weniger sicher

Ganz von der Hand zu weisen ist dieser Vorwurf nicht, denn Sicherheit sollte immer eine Priorität sein und Admins sollten immer davon ausgehen, dass ihre Daten nicht absolut sicher sind. Allerdings ist physische Hardware auch nicht sicherer als die Cloud, nur weil man einen Serverraum betreten und die Racks selbst in Augenschein nehmen kann. Tatsächlich kam es in der Public Cloud nur stark vereinzelt zu kritischen Datenlecks – in On-Premise-Rechenzentren dagegen kommt so etwas häufiger vor.

Die Cloud bietet durchaus Sicherheit, Datenbankadministratoren müssen diese nur sorgfältig planen. Zum einen dürfen sie sich nicht darauf verlassen, dass der Cloud-Anbieter alle Sicherheitsfragen für sie klärt. Der Cloud-Anbieter stellt ihnen vielmehr angemessen sichere Systeme und Tools wie die Verschlüsselung zur Verfügung und die Admins kümmern sich um die Sicherheit der Architektur und Prozesse.

Sicherheit ist planbar

Zunächst einmal müssen sie genau darlegen, welche Risiken sie vermeiden möchten, welche unternehmensinternen Sicherheitsvorschriften gelten und welche Compliance-Zertifizierungen erreicht werden müssen. Dies müssen sie für jeden Workload festlegen. Dann müssen die Administratoren und ihr Cloud-Serviceanbieter einen Plan zur Erfüllung der Workload-Anforderungen erstellen.

Darüber hinaus ist es notwendig, dass sie sich mit dem Sicherheitsmodell ihres Cloud-Anbieters mitsamt den zugehörigen Funktionen, Tools und Prozessen vertraut machen. So müssen die Verantwortlichen dessen Verschlüsselungssystem verstehen und mitentscheiden, welche Schlüssel verwendet werden, wer auf sie zugreifen darf und welcher Verschlüsselungsalgorithmus genutzt werden soll. Des Weiteren muss geklärt sein, wie ihre Datenbank auf böswillige oder nicht autorisierte Zugriffe überwacht wird. Sind die Admins und der Cloud-Anbieter sich über all das sowie ihren Beitrag zur Sicherheit einig, wissen sie, dass ihre Daten sicher sind – möglicherweise sogar sicherer als nebenan im Serverraum.

Irrtum 3: Mit der Cloud droht Kontrollverlust

Noch so eine Halbwahrheit. Ja, mit der Migration Ihrer Datenbank in die Cloud geben Administratoren einen Teil der Kontrolle in andere Hände ab. Dies betrifft vor allem die täglichen Wartungsaufgaben. Doch wie bei der Leistung gilt auch in diesem Fall: Ein Wechsel in die Cloud wird und darf einen nicht die letzte Entscheidungsgewalt kosten.

Um das letzte Wort zu behalten, ist zunächst (wieder) einmal eine gute Kenntnis des Cloud-Anbieters erforderlich. Admins müssen stets über neue Services und Funktionen informiert sein, die SLAs verstehen, die vom Anbieter empfohlene Architektur prüfen und genau wissen, wann Wartungsarbeiten geplant sind, die sie beeinträchtigen könnten.

Die richtige Planung ist die halbe Miete

Dann stehen Entscheidungen zum Datentransfer und zur Latenz an. Das heißt, die Verantwortlichen müssen festlegen, in welchem Land und Rechenzentrum ihre Daten gespeichert werden sollen und Pläne für mehrere Verfügbarkeitszonen, aktive und passive Disaster-Recovery-Prozeduren oder Hochverfügbarkeitsstandorte machen.

Daher sollten Admins alles rund um den Datentransfer und die Latenz für Backups abklären und für die Synchronisierung ihrer Datenbanken sorgen. Dies ist besonders wichtig, wenn datenbankabhängige Anwendungen mit einer anderen integriert werden müssen, die sich nicht in derselben Cloud-Bereitstellung befindet.

Im letzten Schritt müssen Datenbankadmins sich aktiv bei der Planung und Verwaltung von Backups und Wiederherstellungen einbringen, damit sie im unwahrscheinlichen Fall eines Ausfalls auf Anbieterseite nicht wichtige Daten verlieren. So sollten sie eine Kopie ihrer Daten bei einem anderen Anbieter an einem anderen Speicherort unterhalten.

Vorurteile hinterfragen

Auch wenn die oben beschriebenen Herausforderungen Irrtümer sind, ist klar, dass eine Datenbankmigration in die Cloud keine leichte Entscheidung ist. Das soll sie auch nicht sein, schließlich sind viele Aspekte sowie die vielfältigen Vor- und Nachteile abzuwägen. Doch angesichts der Reife des Cloud-Markts und der mittlerweile verfügbaren Tools zur Überwachung der Performance von Cloud-basierten Datenbanken und der von ihnen abhängigen Anwendungen, kann es sich mittelfristig als Fehler herausstellen, die Cloud als Option für Datenbanken zu ignorieren, nur weil die vorgefassten Meinungen zur Leistung, Sicherheit und Kontrolle in der Cloud nicht infrage gestellt werden.

Gerardo Dada, SolarWinds.
Gerardo Dada, SolarWinds. (Bild: SolarWinds)

* Der Autor Gerardo Dada ist Vice President Product Marketing and Strategy bei SolarWinds.

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Das ist alles richtig was Sie schreiben, nur fügt man einen Layer ein, der mehr Komplexität...  lesen
posted am 25.02.2016 um 11:22 von Unregistriert


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