Isilon will sich auf konvergente Systeme konzentrieren

| Autor / Redakteur: Araine Rüdiger / Rainer Graefen

Über mangelndes Interesse am Isilon-Tag in München konnte sich EMC nicht beklagen.
Über mangelndes Interesse am Isilon-Tag in München konnte sich EMC nicht beklagen. (Ariane Rüdiger)

Mit dem Isilon-System hat EMC einen Datalake im Programm, der modernen analytischen Anforderungen gerecht wird. Das eigene Betriebs- und Filesystem OneFS kam jetzt in einer verbesserten Version 8.0 auf den Markt. Zudem gibt Dr. Thore Rabe, verantwortlich für das Isilon-Geschäft in EMEA, einen Einblick in zukünftige Pläne.

Weit oben, nämlich im 14. Stock mit Rundblick über München, fanden sich die Besucher des Isilon-Tages von EMC in München ein, als die neue Version des Isilon-Betriebssystems vorgestellt wurde.

Weit oben wähnt sich auch EMC dank Isilon hinsichtlich des Marktanteils bei Scale-out und Analytics. "Wir rangieren bei Gartner und bei IDC auf Platz 1", sagte Thore Rabe, Vice President EMC Isilon EMEA zu den versammelten Kunden, Partnern und Pressevertretern.

Off-Datacenter-Strategie

Das liege daran, dass man sich frühzeitig vom reinen Rechenzentrumsmarkt gelöst und entgegen der globalen Strategie von EMC auf den entstehenden Big-Data-Markt eingestellt habe. EMCs Strategie, um die nötigen Gelder für neue Applikationen bei den Kunden loszutreten: Isilon wird als Konsolidierungsplattform genutzt, die eingesparten Gelder anschließend in Analytics investiert.

Eine amerikanische Großbank habe so zwar 20 Millionen Dollar in ihre File Services investiert, aber auch 7 Millionen Dollar eingespart, die man nun in neuartige Produkte und Services stecke, so Rabe. Auch im Automotive-Bereich habe man viel Erfolg – alle außer Audi nutzten EMC-Technologie.

Da liegt es nahe, dass HDFS (Hadoop-Filesystem) nun als Zugriffsprotokoll auf den Isilon-Data-Lake freigegeben wurde. Kunden können also die Isilon nun direkt an die Rechenknoten ihrer Big-Data-Lösung ankoppeln und sich die Einrichtung weiterer, Big-Data-spezifischer Speicher sparen.

Isilon SD funktioniert schon ohne Hardware

Mit Version 8.0 von One FS hat EMC vieles an der Isilon-Software verbessert. Über Details hierzu informierte EMEA-CTO Dr.-Ing. Stefan Radtke. Die Maximalkapazität der Isilon-Maschine steigt von 18 auf 50 PByte. Grundlage der Software ist jetzt die aktuelle Linux-Version FreeBSD10. Für die Kunden verändert sich dadurch nichts.

Zudem bietet EMC nun eine rein softwarebasierte Variante, Isilon SD, an. Als Isilon SD Edge bindet die Lösung Filialen an eine zentrale Isilon-Maschine an. Radtke: "44 Prozent der Filialen speichern zwischen 10 und 50 TByte Daten, vier bis zehn Prozent der Remote-Server sammeln IoT-Daten." Diese Zielgruppe adressiere man mit Isilon SD Edge.

Die Lösung läuft auf drei bis sechs lokalen ESXi-5.5-Servern und bindet 4 bis 36 TByte Speicher an. Daten werden zur Analyse auf die zentrale Isilon im Rechenzentrum geschickt, die Rechercheergebnisse, etwa Platzierungs- oder Preisempfehlungen im Einzelhandel, bekommen die Filialen nach der Analyse automatisch zurück, allerdings vorläufig als Nur-Lese-Version.

Gemanagt wird die Lösung über ein vCenter-Plugin oder das hauseigene Produkt InsightIQ. Es gibt eine kostenlose Community-Version, sobald allerdings Synchronisierungsdienste über SyncIQ beansprucht werden, kostet es etwas. Einen einheitlichen Namensraum für Filialspeicher und zentrales System gibt es noch nicht, er folgt aber.

Cloudpool und Datalake teilen sich den Namensraum

Die zweite große Neuerung betrifft die Cloud-Einbindung, die durch die Neuerung Cloudpools ermöglicht wird. Mit ihr lässt sich der Isilon-Datalake in die Cloud ausweiten. Dazu hat Isilon eine vierte Storage-Schicht eingerichtet. Derzeit werden AWS, Microsoft Azure und EMC-Clouds unterstützt. Alle Daten liegen in einem einheitlichen Namensraum.

In die Cloud werden die Daten verschlüsselt und automatisch dekomprimiert übertragen und anschließend dort verschlüsselt aufbewahrt. Die Cloud-Schicht wird über eine Webschnittstelle verwaltet, der Datenzugriff kann nur über das Isilon-System erfolgen, da dort die Schlüssel liegen. Dabei dauert die Verzögerung beim Datenzugriff nur 50 Millisekunden. Typische Anwendungen sind Backup, Disaster Recovery, Failover/Failback auf Knopfdruck, Snapshot-Speicherung etc.

Verbessert wurde das Synchronisierungstool SyncIQ, das unter anderem zusammen mit Cloudpools eingesetzt wird. SyncIQ repliziert die mit Cloudpools in einer Cloud gespeicherte Daten, wobei die Funktionen im Einzelnen davon abhängen, welche OneFS-Version auf dem Target läuft. Die Zahl möglicher Policies hat EMC auf 1000 verzehnfacht.

Regeln lassen sich nach Dringlichkeit priorisieren. Regelbasiert können Administratoren das Vorgehen für unterschiedliche Anwendungen definieren, also etwa, ob beim Synchronisieren mit der Cloud beim Einsatz von Cloudpools lediglich Stubfiles mit Meta- und Transaktionen in der Cloud gespeichert werden, oder aber die gesamten Filedaten. "Alle Komponenten von Cloudpools sind Stub-aware", sagt Rabe. Die Zahl der parallelen Jobs wurde auf 50 verzehnfacht.

10 Tage Rollback

Erweiterungen und Upgrades auch umfassend geänderter Versionen sind jetzt ohne Unterbrechung des Betriebs möglich. Bestehende Funktionen lassen sich in der neuen Version testen. Erst wenn sie einwandfrei laufen, kann man den endgültigen Übergang aufs neue Release bestätigen. Ansonsten ist es zehn Tage lang möglich, auf die alte Version zurückzugreifen.

Dies gilt erst ab Version 8.0 und für die jeweils nächsten beiden Updates jeder Version. Bereits gestartete Prozesse werden zunächst mit den alten Funktionen zu Ende geführt und laufen erst beim nächsten Mal mit den neuen.

Wird das Betriebssystem aktualisiert, garantiert EMC nun für mindestens zehn Tage eine Rollback-Möglichkeit. Für Windows-Clients gibt es einen transparenten Failover mit SMB3. Der Upgrade-Prozess lässt sich über die Webschnittstelle und die Befehlszeile verfolgen.

Schließlich wurde die Mehrmandantenfähigkeit verbessert. Um die Netzwerkkonfiguration differenzieren zu können, hat EMC oberhalb der Subnets mit Groupnets eine weitere Konfigurationsebene eingezogen.

Damit kann ein einzelner Cluster an mehrere Netzwerke angebunden werden und mehrere DNS-Server nutzen, ganz wie es die betreffenden Kunden wünschen. Bis zu 50 Zugriffszonen sind möglich. Der Cache für die Identitätsangaben wird automatisch unter allen Zonen aufgeteilt. Daten können von Zugriffszonen gemeinsam verwendet werden.

Vorteile durch Merger mit Dell

Auch NFS-Clients profitieren von der neuen Version. Für NFSv4-Nutzer bleibt die Isilon mit der neuen Funktion NFSv4 CA auch bei Ausfällen von angebunden Isilon-Knoten verfügbar. Statt 1000 werden nun 40.000 Exporte unterstützt, was besonders für Kunden mit vielen Clients wichtig ist. Beim Backup lassen sich jetzt ganze Directories mit einem Befehl sichern.

OneFS parallelisiert die Datenströme dann selbst. Außerdem unterstützt Isilon jetzt auch 4Kn-Festplatten, die mit Sektoren á 4 KB formatiert sind. Im Enterprise-Mode bietet OneFS 8.0 nun mit Smartlock eine WORM-Funktion, um gesetzlichen Ansprüchen an die nicht veränderliche Speicherung zu entsprechen.

Ansonsten hat EMC in Zukunft einiges mit Isilon vor. So soll in den nächsten zwei Jahren die Kapazität verachtfacht werden. Neben dem jetzt schon sicherbaren 4K- soll Isilon innerhalb der nächsten drei Jahre auch 8K-Video, etwa hochauflösendes Fernsehen, sichern. Die Olympiade in Tokio steht quasi vor der Tür.

Der Zusammenschluss mit Dell werde sich positiv auf EMC auswirken. "Wir hatten immer nur Storage, zusammen mit Dell geht ein ganz anderer Ansatz", sagt Rabe. Schon bald sei mit neuen, hyperkonvergenten Systemen aus dem Haus Dell/EMC zu rechnen. Ob darauf freilich ein Open-Stack-Protokollstapel laufen wird wie bei Nutanix, darauf will sich Rabe noch nicht festlegen. "Gemeinsam werden wir aber in den nächsten zwei Jahren unseren Schwerpunkt auf konvergente Systeme legen", betont er.

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