Umfrage zum Einsatz von SSDs in Unternehmen

Kroll Ontrack: SSDs bergen gleiches Risiko wie HDDs

| Redakteur: Heidemarie Schuster

Statistiken von Kroll Ontrack zeigen, dass SSDs die gleiche Ausfallrate haben wie HDDs.
Statistiken von Kroll Ontrack zeigen, dass SSDs die gleiche Ausfallrate haben wie HDDs. (Bild: Crucial)

Kroll Ontrack, Spezialist für Datenlöschung und Information Management, führte eine Umfrage in Unternehmen zum Thema SSD durch. Dabei kam heraus, dass viele Firme die Risiken mit SSDs entweder nicht wahrnehmen oder bewusst verharmlosen.

Laut den Datenrettern von Kroll Ontrack bergen genauso Risiken wie andere Massenspeicher. Diese würden jedoch, vor allem aufgrund der bislang fehlenden Langzeiterfahrung, von vielen Unternehmen entweder nicht wahrgenommen oder bewusst verharmlost. Bestätigt wird dies durch eine aktuelle Umfrage von Kroll Ontrack.

Die Umfrage ergab, dass 48 Prozent der befragten Unternehmen beim Einsatz von SSDs keinerlei Risiken sehen. Dagegen sind sich nur 31 Prozent bewusst, dass proprietäre Verschlüsselungstechniken eine Datenrettung erschweren können.

Bei den herstellereigenen Verschlüsselungs-Lösungen, wie sie für SSDs üblich sind, befindet sich der Schlüssel nicht beim Kunden selbst, sondern immer in Herstellerhand. Die Hersteller der SSD-Speicher geben diese Schlüssel auch im Fall eines Datenverlustes nicht aus der Hand, selbst wenn sie keine eigene Datenwiederherstellung oder -rettung anbieten. Eine Rettung der Daten wird dadurch wesentlich komplexer oder ist oft gar nicht möglich, erklärt Kroll Ontrack.

SSD-Lebensdauer

Ein weiterer Risikofaktor ist die nur schwer absehbare Lebensdauer von . Halten gerade spezielle Business-HDDs oft zehn Jahre und länger, hängt bei den komplett ohne mechanische Bauteile auskommenden SSDs die Lebensdauer hauptsächlich von der Anzahl der Schreib- und Lesevorgänge ab. Je häufiger auf einen solchen Massenspeicher zugegriffen wird, desto eher wird er die ordnungsgemäße Funktion einstellen.

70 Prozent der Umfrageteilnehmer sind aber davon überzeugt, dass SSDs eine mindestens ebenso lange Lebensdauer wie HDDs haben. Und auch das Risiko eines Datenverlustes wird stark verharmlost. So sind insgesamt 92 Prozent der Befragten der Meinung, dass klassische Festplatten häufiger Daten verlieren als SSDs.

Statistiken aus dem Datenrettungslabor

Statistiken aus den Datenrettungslaboren von Kroll Ontrack zeigen, dass SSD-Speicher ähnlich oft ausfallen wie drehende Festplatten. In manchen Fällen seien die Fehlerraten sogar höher als bei den mechanischen Vorfahren. Außerdem sei es weit aufwändiger, Daten von SSDs zu retten als von HDDs. So müssen für jedes SSD-Modell erst spezielle Soft- und/oder Hardware-Werkzeuge entwickelt werden, da die Hersteller sich bislang noch nicht auf einheitliche, standardisierte Konfigurationen einigen konnten, so die Datenrettungs-Spezialisten.

Auch die SSD-eigene Speichernutzung könne die Experten vor Hindernisse stellen. Denn das so genannte „Wear Leveling“ – also die gleichmäßige Speichernutzung über alle Sektoren – erfordere die Überprüfung und Bewertung einer Vielzahl von Daten-Block-Duplikaten.

Eine weitere Schwierigkeit sei die -0-ähnliche Konfiguration der SSD-Speicher, bei der die Daten auf acht, 16 oder 32 Einzel-Chips verteilt sind. Diese erzeugen durch den Aufbau aus verschiedenen Memory-Chips eine unzusammenhängende Datenstruktur, die sich nur sehr schwer wieder zusammenfügen lässt.

Nischenprodukt SSD

Die Umfrage zeigt zudem, dass SSD-Speicher bislang im Unternehmensumfeld noch Nischen-Produkte sind. So verwenden derzeit lediglich 31 Prozent die Technologie – allerdings nur in ausgewählten Rechnern, beispielsweise in der Führungsetage. 59 Prozent setzt im Bereich der Arbeitsplatz-Rechner immer noch auf HDDs.

Noch extremer ist der Unterschied im Bereich Storage. Hier verweigern sich 81 Prozent den mechanikfreien Massenspeichern. Diese können jedoch durchaus Vorteile bringen – wenn man, genauso wie bei jedem anderen Speichermedium, die Risiken berücksichtigt. Dafür bedarf es allerdings einer IT-Abteilung, die sich vor Einsatz von SSDs umfassend informiert und vor allem nicht auf die Marketing- und Werbeversprechen der Hersteller hereinfällt.

Generell kann die Unternehmensführung allerdings den Auswahlprozess geeigneter Massenspeicher erleichtern, indem im Rahmen einer -Verordnung festgelegt wird, welche Anforderungen Festplatten für unterschiedliche Verwendungsmöglichkeiten erfüllen müssen. Somit kann für jeden Bereich das passende Speichermedium gefunden werden.

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