Womit sich Startups heute beschäftigen, Teil 6

Noch herrscht Goldgräberstimmung bei Flash

| Autor: Tina Billo

Ob hybride oder All-Flash-Systeme - der Markt ist bereits heiß umkämpft. Neben den traditionellen Storage-Herstellern mischen hier bereits seit geraumer Zeit auch mittlerweile aus der Startup-Phase herausgewachsene kleinere Hersteller mit. Ob die Lösungen der Newcomer tatsächlich das Potenzial besitzen, sich ebenfalls einen Platz zu erobern, muss sich noch zeigen.
Ob hybride oder All-Flash-Systeme - der Markt ist bereits heiß umkämpft. Neben den traditionellen Storage-Herstellern mischen hier bereits seit geraumer Zeit auch mittlerweile aus der Startup-Phase herausgewachsene kleinere Hersteller mit. Ob die Lösungen der Newcomer tatsächlich das Potenzial besitzen, sich ebenfalls einen Platz zu erobern, muss sich noch zeigen. (Bild: Tegile Systems)

Startups sind im Segment Flash aktiv wie eh und je. Das zeigt sich daran, dass auch im vergangenen Jahr neue Markteinsteiger die Bühne betraten. Die wachsende Nachfrage nach den Performancekünstlern ruft Startups auf den Plan, Tegile und Reduxio sind zwei von ihnen.

Zahlen lassen sich bekanntlich auf unterschiedlichste Weise interpretieren. Obwohl der mit festplattenbasierten externen Speichersystemen erzielte Umsatz von Quartal zu Quartal rückläufig ist, entfällt im Vergleich zu hybriden oder All-Flash-Systemen immer noch ein Löwenanteil der erwirtschafteten Einnahmen auf dieses Segment. Diesen Umstand machen sich die traditionell in diesem Teilmarkt beheimatete Branchenriesen zu Nutze und verkünden Jubelmeldungen – speziell, wenn es darum geht aufzeigen, wer hier nun tatsächlich die Nummer eins ist.

Doch ein genauerer Blick zeigt, dass Flash – sei es in Form hybrider oder ausschließlich mit dem schnellen Speicher ausgestatteter Arrays – zum Branchenstar avanciert. Im Gegensatz zu den „Klassikern“ verkauften sie sich gemäß des vierteljährlich von IDC aufgelegten „EMEA Quarterly Enterprise Storage Systems Tracker“ in den ersten drei Monaten 2016 vor allem in der EMEA-Region deutlich besser.

Flash entwickelt sich zum lukrativen Geschäft

Noch konkreter: Unternehmen investierten in diesem Zeitraum knapp 711 Milliarden US-Dollar in HDD-Arrays – dies entspricht einer negativen Wachstumsrate in Höhe von 23 Prozent gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Für hybride Flash-Arrays (HFAs) hingegen nahmen die Firmen über 713 Milliarden US-Dollar in die Hand – damit liegen diese in punkto Marktanteil erstmals mit den festplattenbasierten Systemen gleichauf.

Ebenso zog der Verkauf von All-Flash-Arrays (AFAs) in Q1 2016 an. Wenngleich die erwirtschafteten 216 Milliarden US-Dollar nur ein Drittel des Gesamterlöses ausmachten, verdoppelte sich der Marktanteil über das Jahr hinweg. Zudem verzeichneten AFAs mit stolzen 96 Prozent erneut die höchste Wachstumsrate.

Die hohe Zuwachsrate sieht IDC als Indiz dafür an, dass Unternehmen inzwischen über den Tellerrand der hohen Anschaffungskosten hinausblicken. Vielmehr spielen bei ihrer Kaufentscheidung die Gesamtbetriebskosten, die herkömmlichen und hybriden Systemen überlegene Performance sowie eine einfachere Handhabung und ein unaufwändigeres Management eine Rolle.

Performance verkauft sich

Der Einzug von hybriden und All-Flash-Systemen in die Rechenzentren scheint somit nicht nur auf einem guten Weg, sondern auch unaufhaltbar zu sein – der Wendepunkt sei bereits 2015 erreicht worden, so IDC. Obwohl die etablierten Anbieter abgesehen von nur wenigen Ausnahmen auch hier mittlerweile die Nase vorne haben, darf eines nicht vergessen werden: Es waren Startups, die den Markt mit ihren disruptiven Technologien in Bewegung brachten und damit die alteingesessenen Storage-Größen zum Umbau beziehungsweise Ausbau ihres bestehenden Angebots zwangen.

Was Nimble Storage, Tintri, Pure Storage oder Violin Memory vorgemacht haben, wollen die in den letzten Jahren neu entstandenen Marktakteure wiederholen. Die Chancen auf Erfolg stehen gut, denn Rechner, Mobilgeräte und zunehmend Geräte aus dem "Internet der Dinge" (IoT) erzeugen immer mehr Daten.

Um diesen Herr zu werden, halten Unternehmen verstärkt Ausschau nach innovativen Lösungen, mit denen sich die Informationen noch schneller verarbeiten, auswerten, speichern und rundum absichern lassen. Dies erklärt, warum für Investoren der Storage-Markt weiterhin als eines der „heißesten“ Segmente gilt und sie auf Flash-Startups wie beispielsweise Tegile oder Reduxio setzen.

Eine Flash-Plattform für alle Workloads

Das 2010 gegründete Unternehmen Tegile bietet Flash-basierte Storage-Arrays an, mit denen sich Workloads in virtuellen Server- oder Desktop-Umgebungen und von Datenbankanwendungen konsolidieren lassen. Auch wenn sich dies zunächst nicht unbedingt revolutionär anhört, setzen die Produkte der neuen Generation gemäß Hersteller „wegweisende Maßstäbe“ und sollen die „Transformation der Unternehmens-IT beschleunigen“.

„One flash for any workload“ so das Konzept, mit dem sich Tegile vom Wettbewerb abheben möchte. Ein einziges Speichersystem anzubieten, dass sowohl hybride als auch All-Flash-Konfigurationen unterstützt, sich wirtschaftlich skalieren lässt und zudem mit beliebigen Workloads zurechtkommt, soll Unternehmen den Übergang von herkömmlichen Speicherinfrastrukturen hin zu Flash-basierten Umgebungen erleichtern.

Wachsende Kapazitäts- und Leistungsanforderungen sollen sich bedarfsgerecht bedienen lassen und das zu einem Drittel der Kosten traditioneller Enterprise-Storage-Systeme. Dies scheint am Markt anzukommen: weltweit setzen bereits über 1.200 Kunden auf die Storage-Arrays von Tegile, darunter prominente Namen wie Ferrari, Tesla, Deloitte oder AT&T.

Große Auswahl an unterschiedlichen Modellen

Tegile bietet unter dem Namen „IntelliFlash“ ein breites Spektrum an hybriden, All-Flash- und Hyper-Dense-Flash-Arrays an, mit denen sich alle Anwendungen auf ein und derselben Plattform konsolidieren lassen. Derzeit stehen vier vollständig flashbasierte Modelle zur Auswahl, die sich aufgrund ihrer hohen Leistung und Dichte vor allem für den Einsatz mit latenzempfindlichen, geschäftsentscheidenen Anwendungen – hierzu zählen unter anderem OLTP, Echtzeit-Analytics oder Data Warehousing – eignen.

Hinzu kommen hybride Flash-Arrays, die SSDs und Festplatten miteinander verbinden und damit die Leistungs- und Kapazitätsvorteile der unterschiedlichen Speichermedien ausschöpfen. Derzeit führt Tegile acht Varianten im Programm, die an Belastbarkeit, Datenverfügbarkeit und –schutz gestellte Anforderungen erfüllen sollen.

Mit dem im März eingeführten IntelliFlash HD Storage-Array steht zudem ein System zur Verfügung, das eine Leistung von fünf Millionen IOPS und eine effektive Speicherkapazität von 10 Petabyte (PB) in einem einzigen Rack für unter 50 Cent pro Gigabyte bieten soll.

Die Software macht den Unterschied

Alle Tegile-Produkte beruhen auf der von dem Hersteller entwickelten IntelliFlash-Software-Architektur, einer schnellen und flexiblen Betriebssystemumgebung. Diese stellt neben Managementfunktionen zahlreiche Datendienste – unter anderem Snapshots, Klone, Thin Provisioning, Komprimierung, Inline-Deduplizierung, dezentrales Replizieren und vieles mehr – bereit.

Des Weiteren sind ein patentiertes Metadaten-Acceleration-Verfahren, das Metadaten gesondert von den Anwendungsdaten speichert, sowie eine Media-Optimization-Technologie Bestandteil von IntelliFlash. Alle gängigen gängigen File- und Block-Protokolle (iSCSI, Fibre Channel, NFS, CIFS und SMB 3.0) werden nativ unterstützt, so dass sich die Storage-Arrays als NAS oder SAN in bestehende IT-Umgebungen einbinden lassen.

Die Verwaltung kann zentral über das Web aber auch über Management-Anwendungen wie VMware vCenter oder MS System Center erledigt werden. Eine REST API ermöglicht zudem das Storage-Management zu automatisieren.

Neueinsteiger Reduxio

Da sich die meisten Diskussionen inzwischen auf das Thema „All-Flash“ verlagern, könnte man glauben, dass sich hybrider Flash-Storage auf dem absteigenden Ast befindet. Dies scheint jedoch nicht der Fall und der Markt nach wie vor so aussichtsreich zu sein, dass sich weitere Neugründer in diesen wagen – drei an der Zahl im Jahr 2015, darunter das Unternehmen Reduxio.

Die von dem Startup angebotene hybride Dual-Controller-Appliance HX550 bietet auf zwei Höheneinheiten Platz für 16 Festplatten und acht eMLC-SDDs und damit eine maximale Speicherkapazität von 38,4 Terabyte. Per Datenreduktion soll sich diese auf 120 Terabyte ausbauen lassen. Bei gemischten Lese- und Schreibvorgängen liegt die Leistung nach Angaben von Reduxio bei 88.000 IOPS, die Latenzzeiten im unteren Millisekundenbereich.

Das Storage-Array, dessen Installation laut Hersteller nicht mehr als zehn Minuten in Anspruch nimmt, eignet sich vor allem für den Einsatz in Unternehmen, die virtuelle Server auf VMware-Basis betreiben. Insbesondere in VDI-Umgebungen oder aber im Zusammenspiel mit Enterprise-Resource-Planning- (ERP) oder Customer-Relation-Management- (CRM) Anwendungen soll es seine Stärken ausspielen.

Hardware ist zu wenig, um sich im Markt zu behaupten

Einfach nur mit einer hybriden Appliance an den Start zu gehen, ist allerdings wenig erfolgsversprechend. Daher konzentriert sich Reduxio darauf, Mehrwertdienste anzubieten. Hierzu zählt die BackDating-Technologie, die für höchsten Datenschutz sorgen soll. Daten werden dabei im Sekundentakt und über sämtliche Tiers hinweg aufgezeichnet, so dass sie sich von jedem beliebigen Zeitpunkt wiederherstellen lassen.

Zum Funktionsumfang zählt zudem, dass sich eine nahezu unbegrenzte Zahl an Snapshots sowie unabhängig von übergeordneten Volumes beschreibbare Klone des Systems erstellen lassen. Die Inline-Komprimierung und –Deduplizierung von Daten spart zudem wertvollen Speicherplatz. Diese werden zunächst auf Flash geschrieben und später auf die Festplatten verschoben – nur die aktiven Daten verbleiben auf den SSDs.

Eingehende Daten werden in 8K-Blöcken dedupliziert sowie komprimiert und jeweils mit einem Zeitstempel versehen. Darauffolgend werden sie virtualisiert und kategorisiert, die Metadaten zudem in einer separaten Datenbank gespeichert.

Ob all dies allerdings ausreicht, um sich tatsächlich in dem umkämpften Markt durchzusetzen, wird die Zeit zeigen. Möglicherweise stehen die Chancen für Startups, die mit NVM Fabric-Attached Arrays antreten - beispielsweise Mangstor, Apeiron Data Systems, E8 oder Flashgrid - besser.

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