Blockchain-Technologie

NTT Security stellt Blockchain-Thesen auf den Prüfstand

| Autor / Redakteur: Tina Billo / Rainer Graefen

Nicht zuletzt aufgrund des Erfolgs von Bitcoin, ist die Blockchain-Technologie ein derzeit heiß diskutiertes Thema. Allerdings ist noch Aufklärungsarbeit vonnöten, um mit Irrtümern aufzuräumen.
Nicht zuletzt aufgrund des Erfolgs von Bitcoin, ist die Blockchain-Technologie ein derzeit heiß diskutiertes Thema. Allerdings ist noch Aufklärungsarbeit vonnöten, um mit Irrtümern aufzuräumen. (Bild: Pixabay)

Übereinstimmend wird davon ausgegangen, dass der Einsatz der Blockchain-Technologie in den kommenden Jahren sprunghaft ansteigen wird. Doch wie bei neu aufkommenden als „Game Changer“ angesehenen Innovationen stets der Fall vermischen sich in dem ganzen Hype-Wirbel klare Fakten mit bloßen Annahmen.

Das als "Katalysator der digitalen Transformation", "dem nächsten großen Ding nach dem Internet" oder gar "Revolution" gehandelte Konzept der Blockchain beflügelt seit geraumer Zeit die Phantasie von Unternehmen und das branchenübergreifend. Die Befürworter der Technologie sprechen ihr das Potenzial zu, bestehende Geschäftsmodelle kräftig auf den Kopf zu stellen und die Wirtschaftswelt dadurch über kurz oder lang gewaltig zu verändern. Darüber hinaus führen sie vielerlei denkbare Anwendungsfälle an, die in unseren Alltag Einzug halten und einiges erleichtern könnten.

Andere hingegen verstehen den ganzen Rummel nicht so recht und halten die Technik derzeit schlichtweg für überbewertet. In diesem Zusammenhang weisen sie auf fehlende Standards sowie diverse weiterhin zu lösende technische Probleme und rechtliche Hürden hin, die aus ihrer Sicht erst einmal überwunden werden müssten. In der Forschung konzentriere man sich nach wie vor zu stark darauf, mit dem Datenschutz und der Sicherheit verbundene Fragen zu klären. Dabei kämen weitere entscheidende Aspekte – darunter Skalierbarkeit, Durchsatz, Latenz und Kosten - zu kurz.

Mainstream? Nicht vor 2025.

Dass es daher noch einige Zeit dauern kann, bis die Technologie auf breiterer Ebene produktiv zum Einsatz kommt, darüber scheint bei Experten bislang Einigkeit zu bestehen. Wenngleich Gartner die Blockchain inzwischen in seinen im Jahresrhythmus überarbeiteten Hype-Zyklus aufgenommen hat, ziehen gemäß den Analysten sicherlich mindestens fünf bis zehn Jahre ins Land, bis (falls überhaupt) das sogenannte Produktivitätsplateau – die letzte der fünf zu durchlaufenden Phasen – erreicht ist. Sowohl die Kollegen von Forrester aber auch auf die Unternehmens- und Strategieberatung spezialisierte Häuser wie Accenture oder McKinsey teilen diese Einschätzung.

Gemäß Gartner verstreichen noch fünf bis zehn Jahre, bis die Blockchain-Technologie den Mainstream beziehungsweise die Adaption im Massenmarkt erreichen wird.
Gemäß Gartner verstreichen noch fünf bis zehn Jahre, bis die Blockchain-Technologie den Mainstream beziehungsweise die Adaption im Massenmarkt erreichen wird. (Bild: Gartner)

Einhellig befinden sie, dass zwar zahlreiche blockchainbasierte Anwendungen gegenwärtig im Versuchsstadium seien, in der Praxis hingegen nur bei einigen wenigen Unternehmen zum Einsatz kämen. Von Bloomberg veröffentliche Zahlen unterstreichen dies – laut ihren Informationen haben im vergangenen Jahr nur etwa 500 Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen erste Pilotprojekte gestartet.

Nichtsdestotrotz ist die junge Technologie je nach dem von den Analysten propagierten Modell schon auf dem „Höhepunkt der überzogenen Erwartungen“ (Gartner) beziehungsweise des „irrationalen Enthusiasmus“ (Forrester) angekommen.

Alles was es braucht ist ein gemeinsamer Nenner

Diese Phase ist dadurch gekennzeichnet, dass eine neue Technologie sowohl aufgrund erster erfolgreicher Implementierungen als auch Schwachstellen verstärkt in den Fokus einer breiteren Öffentlichkeit gerät. Oftmals mangelt es zu diesem Zeitpunkt allerdings an einheitlichen Definitionen und einem durchgängigen Verständnis der zu Grunde liegenden Verfahren.

Anstelle fundierter Kenntnisse bestimmt ein solides Halbwissen häufig den technischen Diskurs. Ganz zu schweigen davon, dass in diesem Stadium meist Unklarheit herrscht, ob und wie sich erste Anwendungen am Ende des Tages wirtschaftlich gesehen rechnen könnten. Zusammengenommen schafft dies einen idealen Nährboden für allerlei Verwirrung und Fehlannahmen. Was stimmt also nun und was ist nicht ganz so richtig?

Bitcoin und Blockchain sind zwei verschiedene Paar Schuhe

Ohne Frage hat sich die Blockchain inzwischen zu einem eigenständigen heiß diskutierten Thema entwickelt, das mittlerweile teils komplett unabhängig von der Kryptowährung betrachtet wird. Nichtsdestotrotz bildet sie das technische Rückgrat des digitalen Zahlungssystems, das die erste wenngleich allgemeinere Implementierung darstellt. Insofern trifft der Rückschluss, dass es sich bei Bitcoin und der Blockkette um komplett voneinander losgelöste Dinge handelt, nur bedingt zu.

Warum dies so ist, zeigt ein kurzer Blick auf das Funktionsprinzip einer öffentlichen Blockchain. Hier werden mittels des sogenannten Minings Informationen zu Transaktionen verifiziert. Diese Aufgabe übernehmen am System teilnehmende Miner, die zu diesem Zweck mit entsprechender Software und Rechenpower ausgestattete PCs zur Verfügung stellen. Als Gegenleistung und Belohnung für ihren Aufwand erhalten sie digitales Geld. Ohne diesen Anreiz gäbe es für sie kaum einen Grund, die Validierung durchzuführen, ohne die das ganze Verfahren nicht funktionieren würde. Somit hängt das Bitcoin-System eng mit der Blockchain zusammen und wird gerne zur Veranschaulichung der Technologie herangezogen.

Die Blockchain-Technik wird die Welt revolutionieren

Geht es um das Thema Blockchain bestimmen Superlativen das Bild. Das Spektrum reicht von „disruptiver Technologie“, „Killer-Technik“ über „die DNA der zweiten digitalen Revolution“ bis hin zum „fünften bahnbrechenden Computer-Paradigma“. Nahezu grenzenlos sollen die Einsatzmöglichkeiten sein. Ob Versicherungen, Handel, Energiewirtschaft, das Gesundheitswesen oder öffentliche Verwaltungseinrichtungen – die Bandbreite an neuen Möglichkeiten, die sich durch den Einsatz des Blockchain-Verfahrens für alle auftun sollen, muten unendlich an.

Dabei wird gerne übersehen, dass momentan nur eine einzige auf breiter Basis funktionierende Implementierung existiert und die heißt Bitcoin. Pilotprojekte, die den Nutzen davon abgekoppelter neuer Anwendungsfälle unter Beweis stellen, sind dagegen rar gesät. Vielmehr dominieren Studien, Absichtserklärungen und Gedankenspiele das Geschehen, also nett verpackte Zukunftsvisionen. Ob die Blockchain-Technologie also tatsächlich das ihr zugesprochene Vermögen besitzt, die Welt zu revolutionieren, ist folglich - Stand heute - noch gar nicht wirklich absehbar.

Die Blockchain macht Banken und Intermediäre überflüssig

Abseits aller technischen Debatten mutet die Berichterstattung über die Blockchain-Technologie im ein oder anderen Fall schon fast philosophisch an. Die Rede ist davon, dass sich durch die Idee der Dezentralisierung Könige aus dem System entfernen ließen und den Menschen die Macht zurückgegeben würde. Ganz so einfach ist es jedoch nicht, da schon kräftig an geschlossenen Blockchain-Systemen und alternativen Umsetzungsmethoden gearbeitet wird. Zu den Vorreitern zählt der Finanzsektor, allen voran die Banken, die ihre Rolle als Mittelsmann nicht verlieren und den Zahlungsverkehr oder das Wertpapiergeschäft auch künftig in ihrer Hand behalten möchten.

Gleichermaßen dürften all diejenigen, die an Vermittlungsdiensten verdienen – seien es Notare, Gerichtsvollzieher, Plattformanbieter wie Airbnb, ITunes oder Uber, Musikverlage etc. – kaum Interesse daran haben, sich selbst obsolet zu machen. Dementsprechend ist auch ihr Interesse an geschlossenen auf der Blockchain-Technologie beruhenden Systemen groß.

Entscheidend für sie wird sein, die Technologie sinnvoll in ihr Geschäftsmodell zu integrieren. Doch ohne tiefergehendes Know-how ist dies nur schwerlich möglich, da diese komplex und alles andere als trivial ist, es zudem an anwenderfreundlichen Schnittstellen hapert. Dementsprechend sind sie auf Blockchain-Experten angewiesen, doch deren gibt es derzeit noch verhältnismäßig wenige. Ganz davon abgesehen, dass der Rückgriff auf sie, neue Intermediäre schafft.

Die Blockchain ist verschlüsselt, sicher und vertrauenswürdig

Die Antwort hierauf ist ebenfalls ein Ja und ein Nein. Zwar setzt die Blockchain-Technologie auf kryptografischen Verfahren auf, um Nutzer zu identifizieren und Blöcke zu valideren. Der Inhalt der Blockchain aber liegt für jeden Teilnehmer sichtbar im Klartext vor.

Was die Sicherheit angeht, kommt es darüber hinaus wie immer auf die im Zusammenspiel verwendete Software an. In Folge von Programmierfehlern kann diese Schwachstellen aufweisen und Hackern damit Raum für Angriffe bieten. Je stärker sich die Technik durchsetzt, desto mehr wird sie voraussichtlich in deren Visier gelangen.

Auch in punkto Vertrauenswürdigkeit sind noch viele Fragen offen, da rechtliche Rahmenbedingungen ausstehen. Wer haftet beispielsweise, falls eintretende Schäden auf fehlerhafte Protokolle oder Programmcodes zurückgeführt werden können und wie lässt sich aufgrund der dezentralen Struktur bei grenzüberschreitender Transaktionen gewährleisten, dass diese sicher sind? Lassen sich zudem „smarte Verträge“ – verbindlich umsetzen? Es geht also einerseits darum, wie die Blockchain-Technologie implementiert wird, andererseits kann sie ihre Stärken erst dann entfalten, wenn diese Punkte geklärt sind.

Ein Rund-um-Sorglos-Paket gibt es nicht

Zweifelsohne ist die Blockchain-Technologie ein interessanter Ansatz, sofern sie dafür eingesetzt wird, wofür sie gedacht und konzipiert ist – eine sich in einem Peer-to-Peer-Netz selbst validierende Dokumentation. Dafür muss jedoch erst einmal ein wenig Abstand von überzogenen Erwartungen genommen, ein umfassendes Verständnis von den zugrundeliegenden Verfahren gewonnen und die Notwendigkeit des Minings erkannt werden. Auf dieser Basis ist es möglich, schnellere und sichere Prozesse einzuführen, was jedoch noch lange nicht mit einer Garantie für ein „Rund-um-Sorglos-Paket“ gleichzusetzen ist.

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