Entweder Privatsphäre oder globale Standorterfassung

Sensoren vermessen den Körper

| Autor / Redakteur: Kriemhilde Klippstätter / Rainer Graefen

Das erste Pulsmessgerät stammt aus Patras, Griechenland: Anastasius Filadelfeus hat es Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelt.
Das erste Pulsmessgerät stammt aus Patras, Griechenland: Anastasius Filadelfeus hat es Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelt.

In Bhutan dreht sich trotz weitreichender Armut alles um die nationale Glückseligkeit, Glücksstatistik inbegriffen, im Westen geht es um das individuelle Wohlbehagen. Quantified self will durch die Erfassung aller Lebensäußerungen dem eigenen Selbst näherkommen. Für die Vergleichbarkeit mangelt es bis auf Weiteres an einer zentralen Datenerfassung.

Von der medizinischen Selbstanalyse bis zu Social Media reichen die Anwendungen, die sich unter dem Begriff „Quantified Self“ heute schon realisieren lassen. Für das Vermessen des eigenen Körpers bedarf es immer mindestens eines Sensors, einer Datenübertragung der Messwerte und einer Applikation für die Auswertung.

Was für den einen narzisstische Selbstbeschau oder berufliche Notwendigkeit ist, kann einem anderen das Leben retten: Sensoren, die die Funktionen des eigenen Körpers messen. Mechanische Messgeräte, etwa zur Bestimmung des Blutdrucks, gibt es schon lange auch für den Hausgebrauch.

Die Digitalisierung von immer mehr Lebensbereichen – Stichwort Internet of things – macht auch vor dem menschlichen Körper nicht halt, der ja schon länger mit Herzschrittmachern und Insulinpumpen auf Überlebenskurs gehalten werden kann.

Wer GPS hat, hat auch einen Standpunkt

Neu sind aber die mehr oder minder kleinen Digitalgeräte, die physiologische Einblicke auch in gesunde Menschen vermitteln, wenn diese etwa Sport treiben oder abnehmen möchten. Und, ganz wichtig, heute will man die Messergebnisse gleich erfahren und am besten auf dem Smartphone angezeigt bekommen: viele Jogger nutzen ihr Mobilgerät dazu, per GPS das Laufpensum zu bestimmen und sich die Pulsfrequenz auf der speziellen Armbanduhr anzeigen zu lassen. Im Internet abgelegt lassen sich die Daten mit anderen Anwendern vergleichen oder eigene Leistungszyklen erkennen.

Das erste Pulsmessgerät soll übrigens von Anastasius Filadelfeus aus dem griechischen Patras bereits Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelt worden sein. Das erste kabellose Gerät zur Herzfrequenzmessung kam dann erst 1983 mit dem „PE 2000“ der Firma Polar Electro auf den Markt. Es bestand aus einem Sender, der als Einmal-Elektrode oder Elektrodengurt an der Brust angebracht war, sowie einem Empfänger am Handgelenk.

Heutige Brustgurte zur Herzfrequenzmessung enthalten zwei Hautelektroden, die die höchsten Impulse des Herzschlags, die über die Haut abgegeben werden, erfassen können. Die Stromversorgung übernimmt eine Lithium-Batterie. Die Datenübermittlung geschieht über VLF-Signale (Very Low Frequency), die mit einer Frequenz von 3 bis 30 kHz senden und auch für die Datenübermittlung bei U-Booten verwendet werden. Gesendet wird über Ferritstabantennen, die für die Übertragung von VLF-Signalen am besten geeignet sind. Als Empfänger kommen neben den schon erwähnten Pulsuhren auch andere externe Kleinrechner in Frage, die etwa im Fahrradcomputer oder Cross-Trainer arbeiten.

Habe ich gut geschlafen?

Mit der Fitnesswelle schwappte auch die Begeisterung über die Leistungsfähigkeit der eigenen Knochen, Muskeln und Nerven von den USA zu uns. Dank der nun möglichen Selbstbeobachtung kann die Körpertemperatur ebenso gemessen werden wie der Kalorienverbrauch beim Treppensteigen oder die individuellen Schlafphasen in der Nacht.

Letzteres hat zu einer neuen Generation von Weckern geführt, die „intelligent“ wecken. Geräte wie der „Schlafphasenwecker" von aXbo prüfen, ob sich der Schläfer zur gewünschten Weckzeit im Tiefschlaf befinden würde und wecken gegebenenfalls bis zu 30 Minuten eher. Trotz weniger Schlaf sollen sich die früher Aufgeweckten aber deutlich ausgeschlafener fühlen.

Der aXbo-Wecker erkennt die günstigste Aufweckzeit an den Körperbewegungen: Dank zweier Neigungssensoren, die in einem weichen Armband untergebracht sind, entscheidet der Weck-Algorithmus, wann die beste Zeit zum Aufstehen gekommen ist. Die errechnet sich unter anderem an den Körperbewegungen in der Nacht. Durchschnittlich bewegt sich ein Mensch 300 Mal und jede Regung wird an die Weckstation - laut Hersteller mit nur 0,0001 Watt - übertragen. Die Daten werden im Wecker gesammelt und über eine eigene Applikation an Windows-, Mac- und Linux-Rechner ausgegeben.

Inhalt des Artikels:

Kommentare werden geladen....

Was meinen Sie zu diesem Thema?

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 35724780 / Big Data)