Silicon Valley

Tech gegen Trump

| Autor / Redakteur: Christiane Hübscher, dpa / Rainer Graefen

Google-Mitarbeiter demonstrieren am 30.01.2017 in Mountain View (USA) gegen Donald Trumps Einreisepolitik. 130 bekannte amerikanische Tech-Marken, darunter Apple, Facebook, Microsoft, Google und Uber, haben gemeinsam offen Stellung gegen die Politik des amtierenden US-Präsidenten bezogen.
Google-Mitarbeiter demonstrieren am 30.01.2017 in Mountain View (USA) gegen Donald Trumps Einreisepolitik. 130 bekannte amerikanische Tech-Marken, darunter Apple, Facebook, Microsoft, Google und Uber, haben gemeinsam offen Stellung gegen die Politik des amtierenden US-Präsidenten bezogen. (Bild: Moriah Maranitch/instagramm/dpa)

Die Tech-Welt rund um San Francisco, bis vor kurzem oft eine ziemlich unpolitische Blase, ist aufgewacht. Das Silicon Valley macht mobil gegen US-Präsident Donald Trump und seine Einwanderungspolitik.

Lauren ist Personalerin bei einem großen Technologie-Unternehmen in der Bucht von San Francisco. Und Feministin. Am 28. Januar, einen Tag nach Donald Trumps Einreisestopp für alle Flüchtlinge und Staatsangehörige aus sieben muslimisch geprägten Ländern, reicht es ihr. Lauren startet auf der viel besuchten Plattform „Meetup“ die Gruppe „Women in Tech against Trump“.

Trumps Einreisebann hat die Branche endgültig wachgerüttelt. Jüngst haben sich 130 der bekannten Marken zusammengetan, darunter Apple, Facebook, Microsoft, Google und Uber. Sie unterstützen den Rechtsstreit gegen Trumps Dekret. Es verletze die Einwanderungsgesetze und die Verfassung, schreiben die Chefs des Silicon Valley dem Präsidenten ins Stammbuch. Sie nehmen das persönlich.

Die Globalisierung und Einwanderung sind das Fundament, auf dem das Silicon Valley gebaut ist. Steve Jobs war der Sohn syrischer Einwanderer, Google-Gründer Sergei Brin kam mit seinen Eltern als Flüchtling aus der damaligen Sowjetunion. Die Hälfte aller US-Startups, die mehr als eine Milliarde Dollar wert sind, wurde von Migranten gegründet. In Cupertino, Apple's Heimatstadt, ist jeder zweite Einwohner im Ausland geboren.

Im Google-Hauptquartier im kalifornischen Mountain View protestierten kürzlich rund 1000 Mitarbeiter gegen Trumps Einreisestopp. Auf ihren Plakaten: „Ein Google, eine Welt“ und „Tech kennt keine Mauer“.

Die meisten großen Firmen bieten betroffenen Mitarbeitern Rechtsbeistand an. Doch vor allem junge Startups stellt die Visa-Unsicherheit vor existenzielle Probleme.

Husayn Kassai, geboren in Manchester mit britisch-iranischem Doppelpass, ist erst vor einem Jahr mit seiner Firma onfido ins Valley gekommen, um in die USA zu expandieren. „Mein Mitgründer ist Iraker und sitzt in London. Wir wissen nicht, ob er in nächster Zeit hierher kommen kann. Ich brauche ihn aber hier fürs Geschäft.“

Kassai selbst müsste eigentlich dringend auf Dienstreisen nach Mexiko und Australien gehen, er wagt aber nicht, die USA zu verlassen. „Die Regeln haben sich über Nacht geändert. Wer sagt, dass das nicht wieder passieren kann? Ich fliege nur, wenn ich weiß, dass ich auch sicher wieder einreisen kann.“ Er habe bereits zehn Jobs in den USA geschaffen und wolle weiter wachsen. „Aber wenn Gründer nicht mobil sein können, dann können sie keine Firma führen“, sagt Kassai.

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