Backup von Mobilgeräten

Unternehmen suchen nach Strategien für das Backup mobiler Daten

| Autor / Redakteur: Kriemhilde Klippstätter / Rainer Graefen

Backup dient auch der Bestückung neuer Mobilgeräte mit vorhandenen Daten.
Backup dient auch der Bestückung neuer Mobilgeräte mit vorhandenen Daten. (Bild: #126294746-zapp2photo-Fotolia)

Die Zahl der mobilen Endgeräte für den Einsatz in der Unternehmens-IT steigt weiter an. Damit wachsen aber auch die Forderungen an eine gut überlegte Datensicherung der dort gespeicherten Informationen. Unternehmen suchen nach Möglichkeiten für einen konsolidierten Backup.

Das Marktforschungsinstitut Gartner erwartet, dass sich in diesem Jahr die weltweiten Verkaufszahlen für PCs, Tablets, Mobiltelefone und andere mobile Geräte auf 2.324 Milliarden Stück belaufen werden – etwa gleich viel wie 2016. Während aber die PC-Verkäufe rückläufig sind, steigt der Absatz von ultramobilen Geräten, insbesondere der höherwertigen.

Von denen – etwa MacBook Air oder die Windows-10-Mobilen – werden laut Gartner in diesem Jahr 61 Millionen abgesetzt, im nächsten Jahr zirka 74 Millionen und 2019 nochmal 15 Millionen mehr, während im abgelaufenen Jahr nur knapp 50 Millionen einen Besitzer fanden. Dazu kommen die smarten Mobiltelefone, deren Absatz ebenfalls weiter steigen soll.

Tablet-PCs und Smartphones – auch die eigenen Geräte der Beschäftigten, Stichwort „Bring your own device“ – haben die Arbeitswelt erobert und für eine Produktivitätssteigerung gesorgt. Was für das Business gut ist, bereitet den IT-Verantwortlichen Kopfzerbrechen, denn die Mobilen bergen sie ein größeres Gefahrenpotenzial als Desktops: Sie bleiben im Taxi liegen, fallen auf Steinböden oder werden gestohlen – und mit ihnen gehen die kostbaren Informationen verloren.

Wie lässt sich der mobile aber disparate Kommunikationspark verwalten und dessen Daten sichern? Wie lassen sich Daten auf ein neues Modell überspielen? Leider gibt es für diese Fragen keine einheitliche Strategie, denn zu unterschiedlich präsentieren sich die Mobilgeräte und Betriebssysteme der Hersteller.

Sicherungsprogramme der Mobilhersteller

Für das Backup von Smartphones und Tablets unter dem Android-Betriebssystem bietet Google eine Unmenge an Möglichkeiten an, die nicht zuletzt davon abhängen, von wem die mobile Hardware stammt und welche Systemversion aufgespielt ist. Zu beachten ist in jedem Fall auch das Desktop-Programm, das meist mit den Mobilgeräten zusammen geliefert wird. Samsung erlaubt mit „Kies“ oder „Smart Switch“ ebenso wie Sony mit „PC Companion“ die Möglichkeit, per USB-Kabel oder WLAN auf den Speicher des Mobilgeräts zuzugreifen und die Datensicherung auf dem PC zu erstellen. Allerdings lassen sich damit meist nicht alle Einstellungen und Inhalte der benutzten Apps sichern.

Apple-Nutzer können für das Backup der Mobilgeräte „iTunes“ verwenden. Ist die Apple-Software auf dem Rechner installiert und per Kabel mit dem Mobilgerät verbunden, lassen sich die Daten von iPhone, iPad und iPod ganz einfach sichern. Nutzt man den Online-Speicher iCloud von Apple, kann man dort kostenlos 5 GByte ablegen. Allerdings ist die Rückspielung gesicherter Daten aus der iCloud nicht ganz einfach, iTunes erlaubt im Gegensatz dazu die Einspielung der Daten aus einem laufenden System.

Zu beachten ist zudem, ob die Datensicherung mit oder ohne „Root“ erfolgt. Zwar lassen sich einzig gerootete Smartphones vollständig sichern, allerdings ist das so riskant, dass viele Hersteller dann die Garantieleistungen zurückziehen. Zu entscheiden ist außerdem, ob eine inkrementelle, differentielle oder vollständige Datensicherung erfolgen soll. Und dann stellt sich noch die Frage, wo die gesicherten Daten abzulegen sind: Auf eine Speicherkarte, den stationären PC, im Rechenzentrum oder in der Cloud?

Auswege aus dem Backup-Dschungel

Um zumindest für Android-Smartphones das Backup zu vereinfachen hat Toshiba mit „Canvio“ eine externe Backup-Station entwickelt. Die Datensicherung wird automatisch gestartet sobald Canvio mit dem Smartphone verbunden und die entsprechende Android-Applikation aktiviert ist. Als „Belohnung“ lädt der Datenspeicher das Mobilgerät während des Backup auf. Canvio fasst 500 GByte, kann von mehreren Benutzern verwendet werden und taugt auch dazu, Daten auszutauschen oder sie auf neue Smartphones zu überspielen.

Diese kleine Lösung, die für Einzelnutzer oder allenfalls kleine Büros taugt, hilft IT-Verantwortlichen in großen Unternehmen nicht. Die Vielzahl der unterschiedlichen mobilen Gerätetypen und Betriebssysteme fragmentiert den Backup-Prozess, der zudem durch häufigen Wechsel von Geräten und Betriebssystemumgebungen permanent angepasst werden muss. Homeoffice und die mobile Workforce, die oft drei oder mehr Mobilgeräte bedient, verhindern herkömmliche Backup-Strategien basierend auf einem lokalen Netzwerk, einem Server-Raum und einem lokalen Administrator.

Zeitgemäße Backup-Strategien müssen diesen Erfordernissen Rechnung tragen und vor allem zukunftsorientiert sein. Hier kann die Cloud für Backup und Recovery gute Dienste leisten, denn sie ist dezentral und über das Internet weltweit von allen Geräten erreichbar. Die Bandbreite für den Datenverkehr spielt dabei auch keine große Rolle. Wegen der unterschiedlichen Anforderungen – Backup von großen und kleinen Datenmengen, innerhalb und außerhalb von Firewalls – empfehlen sich hybride Clouds für die Datensicherung mobiler Geräte.

Viele Service-Provider haben die Nöte der Unternehmen – und das große Zukunftspotenzial - erkannt und bieten ihre Dienste an. Fujitsu etwa stellt mit „Managed Mobile“ einen Cloud-basierenden Service weltweit zur Verfügung, der zudem durch ein Helpdesk für Endnutzer rund um die Uhr ergänzt wird.

IBM hat sich mit „Cloud Object Storage“ (COS) auf die Sicherung unstrukturierter Daten konzentriert. Die Datensicherung wird als Hardware-Lösung, SDS-Konzept (Software Defined Storage) und für die Cloud (private, hybrid oder public) angeboten. Der Hersteller betont insbesondere die hohe Sicherheit und eine Skalierbarkeit fast ohne Einschränkungen.

Es ist zu erwarten, dass Mobilfunk-Dienstleister auf dieser Basis Services auch für die Datensicherung von Videos, Bildern und Audio-Dateien von Mobilfunkgeräten anbieten werden. Für den Endanwender selbst sind solche Angebote preislich noch unattraktiv.

Fazit

Auch für kleinere Unternehmen gewinnt der Backup von Daten aus mobilen Geräten immer mehr an Bedeutung. Eine jüngst vorgestellt Studie von Cisco prognostiziert, dass in fünf Jahren 20 Prozent des IP-Verkehrs von Mobilgeräten erzeugt wird (2016 waren es nur acht Prozent) und dann knapp 12 Milliarden mobile Geräte Daten sammeln, die es zu schützen gilt. Doch wie all die verschiedenen Systeme kostengünstig unter einen Backup-Hut zu bekommen sind, das ist immer noch weitgehend ungeklärt.

* *Kriemhilde Klippstätter ist freie Journalistin und Systemischer Coach (SE) in München.

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