Mit einem Filesystem für das Tape ändert sich die Offline-Speicherung, Teil 1

Vom Kassetten-Bandsalat zum Emmy Award für LTFS

| Autor / Redakteur: Josef Weingand, Data Protection&Retention Certified IT Specialist bei IBM / Rainer Graefen

Noch schenkt die Welt dem Linear Tape File System nur geringe Aufmerksamkeit. Doch IBM, HP und Quantum wähnen sich schon im Turbolader mit dem sie auf den Highway wollen.
Noch schenkt die Welt dem Linear Tape File System nur geringe Aufmerksamkeit. Doch IBM, HP und Quantum wähnen sich schon im Turbolader mit dem sie auf den Highway wollen. (IBM)

Das Tape als Backup-Medium hat einen schlechten Ruf. Den hat es sich früh durch einen ausufernden Wettbewerb und zu Recht verdient. Man sollte allerdings sein schlechtes Urteil angesichts der konsolidierten Technik und eines übergreifenden Formats nochmal überprüfen.

Tape? Die jüngeren Leser wundern sich fragend: Was ist denn das? Tape. Die etwas Älteren erinnern sich schaudernd wie sie Schallplatten auf Musikkassetten kopiert haben, damit sie diese auch im Autoradio mit Kassettenplayer abspielen konnten.

Unvergessen sind wahrscheinlich auch die damaligen Probleme der C90-Kassetten, die sich mit zunehmendem Alter immer dumpfer anhörten und sich immer häufiger um das Antriebsrad wickelten. Bandsalat war dann noch das angenehmste Ergebnis.

Tape ist keine Audiokassette

Seit langem sind Kassetten im Konsumerbereich verschwunden. Sie wurden ersetzt durch CDs, DVDs, durch Speicherchips und wahrscheinlich bald durch reine Datenströme (streams). Dies hatte verschiedene Gründe, so zum einen der Einzug der Digitalisierung von Audio (Musik) und Video und die damit verbundene Notwendigkeit für digitale Speichermedien.

Später kam eine nahezu verlustfreie (na ja, für viele menschliche Ohren und Augen verlustfreie) Komprimierung (z. B. MP3) hinzu, was dann sogar den Einsatz von teuren Speicherchips interessant werden ließ. Die technische Entwicklung hat das fehlerträchtige Band aus dem privaten Bereich verbannt. Geblieben sind schlechte Erinnerungen.

Eine vorurteilsfreie Betrachtung der Tape-Technik an sich ist scheinbar überflüssig geworden. Positive Merkmale der Datenspeicherung auf einer soliden Bandtechnik sind weitgehend unbekannt und auch die wirklichen Nachteile der Bandtechnik kann kaum jemand korrekt benennen. Deswegen seien sie an dieser Stelle kurz aufgelistet.

Was sind die Nachteile von Tape?

  • Hardware-Formate. In den frühen Jahren der Tape-Technik mussten sich Anwender mit diversen Formfaktoren auseinandersetzen. Ein Austausch von Bandmedien war manchmal nicht einmal mit Geräten des gleichen Herstellers möglich.
  • Software-Formate. Äußerlich identische Medien waren in Geräten anderer Hersteller aufgrund unterschiedlicher Aufzeichnungsformate nicht lesbar.
  • Tape ist ein lineares Speichermedium. Der wahlfreie, bequeme Zugriff auf Daten ist beim Tape nicht vorgesehen. Bevor eine bestimmte Sequenz gehört oder gesehen werden konnte, muss das Tape-Laufwerk an diese Stelle hingespult werden.
Ergänzendes zum Thema
 
Kostenbetrachtungen Tape vs. Disk

Was sind die Vorteile von Tape?

  • Tape war schon immer das kostengünstigste Speichermedium,
  • das Medium verbraucht im Ruhezustand keinen Strom,
  • bietet eine große Kapazität pro Speichermedium,
  • hat eine hohe Transferrate,
  • kann leicht transportiert werden.
  • Tape ist ein Offline-Medium und die "Last Line of Defense" (Daten auf Tape können nicht einfach geändert oder gelöscht werden und bieten dadurch die letzte Bastion gegen den vollständigen Datenverlust).

Aber sind die Vorteile so gewichtig, dass man deswegen in eine gern zum "Dinosaurier" gestempelte Technik investieren sollte. Das Tape hat bislang die Gemüter der IT-Verantwortlichen gespalten. Während die eine Abteilung gerne darauf hin weist, dass ein Recovery von Tape schon das Disaster sei, zeigen die anderen auf Google und Amazon, die riesige Bandbibliotheken in ihren Rechenzentren benutzen.

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