Die Zukunft der Datenrettung hängt vom Verständnis der Datenspeicherlogik ab

Vom Reinraum-Retter zum Software-Strukturexperten

17.05.2011 | Autor / Redakteur: Holger Engelland, Manager Data Recovery Engineering bei Kroll Ontrack / Rainer Graefen

Manchmal verweigert die Festplattentechnik den Datenzugriff. Für Datenretter ist das fast nie ein Hindernis.

Festplatten mit 100 MByte, FAT-Tabellen mit 128 Sektoren – das war einmal die Basis potenzieller Datenverluste. Ein Datenrettungs-Spezialist von heute muss sich mit Virtualisierung, riesigen Dateisystemen und Chunks herumschlagen, wenn er erfolgreich sein will. Eine kurze Reise durch die Geschichte der Datenrettung.

Den Datenrettungs-Ingenieur stellt sich die landläufige Meinung – wenn überhaupt – als eine Art Doc Brown aus „Zurück in die Zukunft“ mit weißem Kittel und einem Hang zum Basteln vor. Und tatsächlich gibt es ihn noch: den Reinraum, in dem beschädigte Festplatten sorgfältig entlötet, gereinigt und poliert werden.

Allerdings hat sich die tägliche Arbeit der Datenretter in den letzten Jahren auch stark verändert: höhere Kapazitäten, neue Speichertechnologien, komplexere Strukturen erfordern neue Technologien, um Datenträger zu reparieren und wertvolle Informationen zu retten.

Immer mehr Daten auf immer weniger Raum

Denn wertvoll ist, was auf Festplatten und Bändern, File-Servern und Notebooks gespeichert wird. Statt Aktenschränken sind heute elektronische Archive für Steuer- und Wirtschaftsdaten Standard. Elektronische Geschäftsprozesse machen die Verfügbarkeit von Daten oft zu einem überlebenswichtigen Faktor für Unternehmen.

Insgesamt steigt die Datenmenge und erfordert größere und technisch komplexere Speichersysteme. Fällt ein solches System aus, ist der Schaden insgesamt oft wesentlich größer als früher, allein schon weil sich mehr Daten auf der gleichen Fläche befinden.

Denn die Speicherdichte auf Festplatten, Bändern und optischen Medien steigt kontinuierlich an. Waren im Jahr 1990 Datendichten von knapp 100 Mbit pro Quadratzoll (bit/in²) üblich, speichern heutige Magnetplatten etwa fünf bis zehn Gbit auf derselben Fläche.

Bei Bandspeichern stieg die Speicherdichte seit Ende der 90er Jahre von etwa ein Mbit/in² auf derzeit 30 Mbit/in², wesentlich höhere Speicherdichten sind bereits in der Entwicklung. Entsprechend muss die Datenrettung schon seit längerem in den molekularen Bereich schauen, wenn sie den Speicherbereich für ein Byte identifizieren will.

Übersichtliche Strukturen mit behebbaren Defekten

Ende der 90er Jahre waren Festplatten noch 100 MByte groß und arbeiteten mit dem Dateisystem FAT16 (File Allocation Table 16). Die entsprechende FAT-Tabelle, von der das Dateisystem den Namen hat, hatte 128 Sektoren.

Wenn ein Kunde eine beschädigte Festplatte ins Datenrettungslabor schickte, streifte sich der Datenretter tatsächlich zunächst den weißen Kittel über, um im Reinraum mechanische Schäden zu bearbeiten: Platten trocknen oder verschmolzene Teile voneinander lösen, eine Festplatte mechanisch rekonstruieren – das waren und bleiben wichtige Schritte für physisch beschädigte Platten.

Die FAT16-Tabelle und die entsprechenden Strukturen konnte der Datenretter noch manuell auf Fehler untersuchen. Das dauerte im Durchschnitt etwas mehr als zwei Tage – dann war die Geduldsarbeit beendet und im Idealfall der Kunde wieder im Besitz seiner Daten.

weiter mit: Zehntausendfache Datenmenge, gleiche Reparaturzeit

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