Volkswirtschaft

Warum eine Krise in China Deutschland ins Mark trifft

| Autor / Redakteur: Martin Gornig * / Rainer Graefen

Container: Eine Krise in China könnte Deutschland schwer treffen
Container: Eine Krise in China könnte Deutschland schwer treffen (Bild: Initiative Echte Soziale Marktwirtschaft IESM, pixelio.de)

Das Wachstum am Industriestandort Deutschland befindet sich auf hohem Niveau. Doch erhebliche Gefahrenpotenziale sind erkennbar. Ein Grund hierfür liegt in der Spezialisierung der Industrie.

Die deutsche Wirtschaft gilt als eine der erfolgreichsten in Europa. Grundlage des Erfolgs ist die Stärke der Industrie.

Die deutsche Industrie konnte ihre Wettbewerbsstellung in den letzten Jahren insbesondere durch die Ausrichtung auf relativ forschungsintensive Industrien wie Chemie, Elektrotechnik, Maschinenbau und Fahrzeugbau behaupten.

Die einseitige Konzentration der gegenwärtigen Investitionstätigkeit allerdings auf die Produktion von Maschinen und Autos macht die deutsche Wirtschaft extrem anfällig für exogene Schocks.

Neue Konkurrenten auf dem Weltmarkt

Im letzten Jahrzehnt sind mit den Schwellenländern neue Konkurrenten auf den Weltmarkt vorgedrungen und haben etablierte Industrieländer verdrängt. Hierzu zählt aber nicht Deutschland. Der Anteil Deutschlands an der globalen Industrieproduktion blieb auch über die Finanz- und Wirtschaftskrise hinweg weitgehend konstant.

Die 2009 verzeichneten Verluste waren temporär. Dazu hat auch die konzertierte Aktion von Unternehmen, Gewerkschaften und Politik in der Wirtschaftskrise beigetragen, die das Wissen und die Kapazitäten in den Industriebetrieben erhalten und so die anschließenden Wachstumserfolge möglich gemacht haben. Unter den großen etablierten Volkswirtschaften besitzt Deutschland heute mit knapp einem Viertel den höchsten Industrieanteil.

Gefahrenpotenziale für den Industriestandort Deutschland

Blickt man aber nach vorne, sind erhebliche Gefahrenpotenziale für den Industriestandort Deutschland erkennbar. Ein Grund hierfür liegt in der Spezialisierung der Industrie selbst, die immer weiter zunimmt und so die Anfälligkeit des deutschen Produktionsmodells mehr und mehr verstärkt.

Betrachtet man beispielsweise die Nettoinvestitionstätigkeit, sinken in Deutschland die Produktionskapazitäten in fast allen großen Industriebranchen.

Selbst in den Bereichen Chemie und Elektrotechnik, die gerade noch wesentlich zum guten Abschneiden Deutschlands beigetragen haben, wird weniger investiert als zum Erhalt der Produktionsanlagen notwendig wäre.

Letztlich konzentrieren sich die Investitionstätigkeiten und damit die Zukunftsaussichten der Industrie in Deutschland nur noch auf zwei große Branchen: den Maschinenbau und den Fahrzeugbau. Mehr noch, im internationalen Vergleich ist das Modernisierungstempo in anderen etablierten Volkswirtschaften wie den USA selbst im Maschinenbau und Teilen des Fahrzeugbaus größer als hierzulande.

Wirklich deutlich mehr als in den anderen westlichen Industrieländern wird in Deutschland nur in die Automobilproduktion investiert. In den anderen Industrien von Chemie bis hin zur Elektrotechnik veraltet der Kapitalstock zusehends und errungene Wettbewerbspositionen gehen verloren.

Eine Krise in China trifft die letzten investitionsstarken Bereiche in Deutschland

Eine Krise in China würde daher den letzten in Deutschland noch investitionsstarken Bereich treffen. Wenn die chinesische Wirtschaft weniger Maschinen für das Wachstum ihres Produktionsapparates braucht und die chinesischen Konsumenten sich weniger Autos leisten können, bleiben die erhofften volkswirtschaftlichen Impulse der Industrie für Deutschland aus.

Produktion und Beschäftigung nicht nur im Maschinen- und Fahrzeugbau, sondern auch in den vielen Branchen, die Teile, Services und Know-how an sie liefern, gehen dann zurück.

Längfristigen Erfolg durch eine stärkere Diversifizierung

Kurzfristig bleibt zu hoffen, dass das Wiedererstarken des europäischen Absatzmarktes größeren Einbrüchen entgegenwirkt.

Bedeutender für den langfristigen Erfolg des Industriestandortes Deutschland aber ist eine stärkere Diversifizierung. Dazu kann eine breit angelegte aktive Innovations- und Industriepolitik dienen.

Sie muss dazu beitragen, die vielfältigen Chancen industrieller Entwicklung im Zuge der Digitalisierung zu erschließen und zwar nicht nur bei Autos und Maschinen. Industrie 4.0 könnte gerade auch in vielen traditionellen Konsumgüterindustrien – durch die Einbindung des Konsumenten in den Produktionsprozess – Deutschland als Investitionsstandort wieder interessant machen.

* Prof. Dr. Martin Gornig ist stellvertretender Leiter der Abteilung Unternehmen und Märkte am DIW Berlin

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