Stimmung auf dem AWS Enterprise Summit in Frankfurt am Main

Weitere Expansion von AWS in Deutschland

| Autor / Redakteur: Ariane Rüdiger / Florian Karlstetter

AWS Enterprise Summit 2016 in Frankfurt: Kaum überlaufen war der Vortrags-Track zum Thema Sicherheit - ein Indiz dafür, dass Sicherheitsbedenken nicht mehr das beherrschende Thema unter AWS-Anwendern ist.
AWS Enterprise Summit 2016 in Frankfurt: Kaum überlaufen war der Vortrags-Track zum Thema Sicherheit - ein Indiz dafür, dass Sicherheitsbedenken nicht mehr das beherrschende Thema unter AWS-Anwendern ist. (Bild: Rüdiger)

Als ideale Serviceplattform für die bimodale IT auch für deutsche und europäische Kunden versuchte sich Amazon Web Services beim AWS Summit in Frankfurt am 30. Juni zu positionieren. Helfen dabei sollen neue Services für Europa und den Standort Frankfurt.

Rund 1.200 Gäste kamen zum AWS Summit im Congress Centrum Messe in Frankfurt. Ihnen wurde ein Menü aus einigen Neuigkeiten, viel Marketing, aber durchaus auch interessanten Perspektiven auf die moderne Cloud-IT und ihre Möglichkeiten serviert.

Carlo Pacifico, Senior Manager Enterprise Accounts bei AWS verwies darauf, dass bereits zwei Drittel der DAX-30-Unternehmen Accounts bei dem Hyperskalierer besitzen. Die Lokation Frankfurt wächst derzeit am schnellsten von allen AWS-Niederlassungen weltweit. Einen dritten Standort wird die Verfügbarkeitszone Frankfurt wohl bekommen, denn man höre auf die Kunden, so das Management einhellig. Darüber aber, wann das so weit sein wird, war nichts zu erfahren. Immerhin soll der deutsche Mitarbeiterstamm im laufenden Jahr um 130 neue Leute wachsen. In London wird noch 2016 ebenfalls eine eigene Region entstehen. Zur Erklärung: AWS teilt seine Rechenzentren derzeit in 13 Regionen auf, wobei eine Region zwei bis fünf Verfügbarkeitszonen hat.

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Pacifico berichtete, AWS habe im vergangenen Jahr 722 neue Funktionen oder Services hinzugefügt, bis Ende Juni 2016 weitere 368. Die wichtigsten in Frankfurt verkündeten Neuerungen, die den europäischen beziehungsweise Frankfurter Kunden zur Verfügung stehen:

  • X1-Server: Basierend auf vier Intel-Xeon-E7-Servern, haben sie 128 virtuelle Cores und 2 TByte DDR4-Arbeitsspeicher. Gedacht sind sie für Lasten wie Big Data Analytics oder In-Memory-Datenbanken wie SAP HANA. Der X1 ist bereits zertifiziert für diverse SAP-Business-Anwendungen. Inkludiert ist der Zugriff auf EBS (Elastic Block Storage) mit 10 GBit/s. optional ist auch der neue Elastic Network Adapter nutzbar, der die Bandbreite verdoppelt. In Frankfurt ist X1 verfügbar.
  • EFS: Mit dem Elastic File System erweitert AWS sein europäisches Storage-Angebot. EFS ist derzeit allerdings nur von Irland, nicht von Frankfurt aus zugänglich. Auch hier sieht AWS das Hauptanwendungsfeld in Big Data Analytics. Amazon EFS unterstützt das NFS-Protokoll (Network File System) und bietet eine einfache Schnittstelle, mit deren Hilfe Kunden Dateisysteme schnell und bequem erstellen und konfigurieren können.
  • Lambda-Funktionen erhalten interne IP-Adressen: Lambda-Funktionen sind Code, der ohne eigene Maschine direkt auf AWS-Rechnern abläuft, serverloses Rechnen also, dem laut AWS die Zukunft gehört. Durch die Verknüpfung mit einer internen IP-Adressen können die Lambda-Funktionen nun direkt mit virtuellen PCs innerhalb von AWS kommunizieren und sind als private Ressource nutzbar. Ein Anwendungsgebiet der Funktion ist die Echtzeitanalyse von Daten in der Cloud.
  • Amazon Inspector prüft die AWS-Applikationen auf Sicherheit und Konformität, wobei der Service auf eine regelbasierende Wissensdatenbank zurückgreift. Als Ausgabe entsteht eine nach Priorität geordnete Liste der Schwachstellen.
  • AWS Config Rules ist ein Dienst, der darauf achtet, dass alle Konfigurationen den Regeln gehorchen. Werden Applikationen oder Infrastruktur versehentlich fehlkonfiguriert, merkt der Service das und nimmt die falsche Konfiguration zurück oder sperrt zunächst die Ressource. Wichtig ist dies in Umgebungen, wo AWS oft in Selbstbedienung genutzt wird. Dort kann der Dienst eine funktionierende IT-Governance sicherstellen.
  • AWS Database Migration Service: Mit dem Service lassen sich unterschiedliche Datenbanken in AWS migrieren, der Dienst übernimmt die Schemakonvertierung und den Speicherprozess.
  • Für den geplanten Umstieg auf AWS ist der Application Discovery Service gedacht. Dieser Dienst wird meist in Kooperation mit Partnern eingesetzt. Er analysiert die bestehende Infrastruktur eines AWS-Kunden on premise und findet heraus, wie die Applikationen voneinander abhängen. Das ist eine Voraussetzung beim Planen des Migrationsprozesses.
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Auf dem Weg ins bimodale IT-Zeitalter

AWS versuchte durch zahlreiche Kundenbeispiele, unter anderem von WeltN24, RWE, DB Regio und anderen zu vermitteln, dass man der richtige Partner für den Weg in die „bimodale IT“ sei. Zudem zeigten diverse junge Unternehmen, welche neuen Chancen die Cloud bietet, vollkommen neue Geschäftsmodelle und Produkte zu entwickeln.

Das ausschließliche Nutzen von Inhouse-Infrastruktur, möglichst auch noch der etwas aktualisierten bestehenden, sei vollkommen sinnlos. „Wer nicht jede Applikation klar entweder der traditionellen IT oder dem Bereich Cloud Native zuweise und beide Bereiche aktuell halte, scheitert“, zeigte sich Rakesh L. Kumar, Managing Vice President beim Marktforschungsunternehmen Gartner, überzeugt. Denn die herkömmlichen Infrastrukturen seien nicht auf die schnell erstell- und modifizierbaren Apps der Native-Cloud-Welt zugeschnitten, während die App-Sphäre gegenüber klassischen IT-Systemen für geschäftswichtige Applikationen auf Verfügbarkeit zugunsten von Geschwindigkeit verzichte.

Zwar würden sich beide Welten irgendwann wieder annähern, doch sei dies ein Prozess, der Jahre dauere. Auf keinen Fall sollten Unternehmen ihre klassischen Infrastrukturen vernachlässigen. Vielmehr komme es darauf an, Neues unter dem Aspekt „Cloud First“ zu entwickeln und so die Bedeutung der herkömmlichen Plattform schrittweise zu verringern.

Welche Vorteile Cloud-Ansätze bringen, zeigte beispielsweise Continental, wo man mit Hilfe neuer, datengetriebener mobiler Apps, IoT und Analytik gerade versucht, komplett neue Services, beispielsweise für Autofahrer, zu entwickeln. Ziel ist es, zum vollwertigen Mobilitätsdienstleister zu reifen – etwas, das heute fast jede Firma im Automotive-Markt anstrebt.

Streaming-Analytik, IoT und das maschinelle Lernen aus einer Hand

Der Kartendienstleister Here, dessen Mehrheit drei deutschen Autobauern gehört und der für die Streaming-Analytik, IoT und das maschinelle Lernen ebenfalls auf AWS setzt, baut an Darstellungen mit einem Raster von zwei Zentimetern, die statt ausschließlich mit GPS-Satelliten auch mit festen Einheiten im Verkehrssystem, beispielsweise Verkehrsschildern, vernetzt sind, um so in Echtzeit reaktionsfähig zu werden. Gebraucht wird das zum Beispiel beim fahrerlosen Navigieren.

Elektrobit ist ein Startup, das an lernenden Karten entwickelt. Dabei werden Sensordaten vorverarbeitet und verdichtet, relatione Daten aus dem Backend hinzugemischt und auf Kartenmaterial abgebildet. Einsatzbereiche sind etwa aktuelle Reichweitenermittlungen und Fahrempfehlungen für Elektrofahrzeuge oder vorausschauendes Flottenmanagement mit Ferndiagnose.

DB Regio: 30-prozentige Einsparung an Infrastrukturkosten

Marcus Gilg, DB Regio: „Durch die Verlagerung auf AWS sparen wir 30 Prozent Infrastrukturkosten“.
Marcus Gilg, DB Regio: „Durch die Verlagerung auf AWS sparen wir 30 Prozent Infrastrukturkosten“. (Bild: Rüdiger)

DB Regio ist dabei, die IT der sieben regionalen Rechenzentren möglichst weitgehend in die AWS-Cloud zu verlagern. „Wir brauchen dafür keine absolute Hochverfügbarkeit, weil die Systeme nicht, wie bei der Bahn, Weichen schalten, sondern nur Fahrpläne, Dienstpläne oder den Einsatz unserer Fahrzeuge regeln“, erklärt Marcus Gilg, der bei DB Regio für das Projekt verantwortlich ist. Die Einsparung an Infrastrukturkosten liege bei 30 Prozent, obwohl derzeit nicht an Personalanpassungen gedacht werde.

Aber es gibt auch andere Anwendungsfelder: Der Einzelhandelskonzern Peek & Cloppenburg nutzt bei seiner Tochterfirma fashion ID, die 320 Marken und 20.000 Artikel führt, Lambda-Funktionen, um beispielsweise Preisdarstellungen ohne großen Aufwand und beinahe in Echtzeit der aktuellen Situation anzugleichen oder den Katalog umgehend zu aktualisieren, wenn neue Artikel hinzukommen oder alte verschwinden.

Weniger Sicherheitsbedenken

Weniger Sorgen als bisher machen sich die AWS-Anwender anscheinend über die Sicherheit. Die entsprechenden Vorträge waren eher unterbesucht. Sprach man zwischendurch mit Anwendern, so standen diese in der Regel dem Thema gelassen gegenüber. Die AWS-Datenschutzrichtlinie biete inzwischen ausreichende Zusicherungen, und im Übrigen biete AWS viele gut dokumentierte Sicherheitsfunktionen, die Anwender nur einsetzen müssten – das war meistens der Tenor.

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