Notfallschutz für virtuelle Server und Anwendungen

Wenn ein Backup nicht mehr reicht

| Autor / Redakteur: Axel Dunkel / Nico Litzel

Der Autor: Axel Dunkel ist Geschäftsführer des auf Hosting und IT-Services spezialisierten Unternehmens Dunkel GmbH.
Der Autor: Axel Dunkel ist Geschäftsführer des auf Hosting und IT-Services spezialisierten Unternehmens Dunkel GmbH. (Bild: Dunkel GmbH)

Bei aller Komplexität – Virtualisierung macht das Leben von IT-Administratoren auch leichter! Was früher Stunden dauerte, nämlich einen neuen Server einrichten, Betriebssystem und Anwendungen installieren, Backups einspielen etc., ist im Zeitalter der Virtualisierung oft in wenigen Minuten erledigt, denn mit einem Image-Backup kann bei Bedarf das komplette System mit ein paar Mausklicks wiederhergestellt werden.

Die Technik mag sich geändert haben, die Grundprinzipien für das Notfallmanagement bleiben die gleichen. Ein Backup soll, wie der deutsche Name „Datensicherung“ schon sagt, vor Datenverlust schützen. Die Verfügbarkeit der Daten hat viele Feinde: kaputte Festplatten, Softwarefehler oder einfach nur Schussligkeit. Backups sind auch der Retter in der Not, wenn zum Beispiel der Systemzustand eines virtuellen Servers auf einen früheren (noch fehlerfreien) Zeitpunkt zurückgesetzt werden soll.

Für kleine Notfälle dieser Art sind für gewöhnlich lokale Backups, auf die man schnell zugreifen kann, die beste Lösung. Ein lokales Backup vor Ort ist wie ein Zweitschlüssel in der Schublade, wenn man einen dringenden Termin hat und seinen Hauptschlüssel nicht mehr finden kann.

Doppelt hält besser – auch beim Backup

Doch was passiert, wenn in der größten Not auch die Datensicherung nicht mehr verfügbar ist? Getreu Murphys Gesetz geht manchmal alles schief, was schiefgehen kann – und manchmal alles gleichzeitig. Wenn in einem Notfall die IT-Systeme samt Datensicherung unbrauchbar werden, sind lokale Backups so viel wert wie der Zweitschlüssel, den man zusammen mit dem Hauptschlüssel in die gleiche Tasche gepackt hat. Geht die Tasche verloren, kommt man nicht mehr in seine Wohnung. Es sei denn, man hat noch einen Ersatzschlüssel an einem sicheren Ort oder bei einer vertrauensvollen Person deponiert.

Für immer mehr Firmen ist dieser Ort die „Cloud“, wenn es um die Sicherung geschäftsrelevanter Daten geht. In manchen Ohren mag das wie ein Widerspruch klingen, wird doch die Cloud oft in einem Atemzug mit Sicherheitsbedenken genannt. Dabei gibt es zahlreiche Anwendungen, bei denen ein Cloud Service durchaus für mehr Sicherheit sorgen kann und die Offsite-Speicherung von Backups gehört auf jeden Fall dazu.

Einige Hersteller von Backup-Software, speziell für virtuelle Umgebungen, haben deshalb die Option einer Cloud-Speicherung bereits in ihre Produkte integriert, einschließlich Datenverschlüsselung – etwa PHD Virtual oder Veeam.

Ergänzendes zum Thema
 
Notfall – Definition des BSI (Standard 100-4)

Wie geht es in einem echten Notfall weiter?

„Hauptsache die Daten sind gesichert, dann kann uns nichts passieren.“ Das ist ein oft gehörter Satz, wenn es um konkrete Maßnahmen für das IT-Notfallmanagement einer Firma geht. Die Daten sind sicher, doch sind sie auch verfügbar? Verfügbar heißt, die Anwender können mit den Daten arbeiten, die Kunden können Waren bestellen und Anfragen von Geschäftspartnern können beantwortet werden. Da heute viele Geschäftsprozesse von einer funktionierenden IT abhängig sind, ist deren Verfügbarkeit beziehungsweise Wiederverfügbarkeit nach einem Ausfall der zentrale Punkt im Notfallmanagement.

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) unterscheidet eine Störung, die ohne größere Folgen wieder behoben werden kann, von den wesentlich folgenreicheren Ereignissen Notfall, Krise und Katastrophe. Dabei ist bereits ein Notfall ein Schadensereignis, bei dem der Geschäftsbetrieb stark beeinträchtigt ist und hohe bis sehr hohe Schäden entstehen.

Noch sind Naturkatastrophen eher selten

Naturkatastrophen wie Überschwemmungen oder schwere Stürme sind eher selten, auch wenn ihre Wahrscheinlichkeit klimabedingt in Zukunft zunehmen wird. Viel häufiger führen aber laut einer Studie der Firma Zerto Hardwareausfälle und Stromunterbrechungen zum Ausfall eines Rechenzentrums. Wichtige Geschäftsanwendungen sind dann für längere Zeit nicht verfügbar.

Wenn Daten und Systeme nach einem größeren Schaden wiederhergestellt werden müssen, sind Image-basierte Backups in der Cloud oft der einzige Rettungsanker. Allerdings liegen sie jetzt meilenweit entfernt im Rechenzentrum des Cloud Providers. Wenn für eine komplette Wiederherstellung mehrere hundert Gigabyte über das Internet zurückgespielt werden sollen, dauert es Tage, bis die Systeme wieder betriebsbereit sind. Das Cloud-Backup ist dann, um bei unserem Vergleich zu bleiben, wie ein Ersatzschlüssel für die Münchner Wohnung, den man bei der Oma in Hamburg hinterlegt hat. Es dauert also eine ganze Weile, bis man wieder an seine Sachen kommt.

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