Auszug aus dem IBM Storage System Kompendium 2006 bis 2010 – die Epoche der Server-basierenden Speichersysteme und der Speichervirtualisierung, Teil 14

Autor / Redakteur: Kurt Gerecke und Klemens Poschke / Nico Litzel

Im Februar 2007 kündigte IBM mit dem Modell TS3400 eine kleine Library an, die wie das Modell TS3500 mit den TS1120- und TS1130-Highend-Laufwerken arbeitet. Die TS3400-Library wurde speziell für die Highend-Tape-Laufwerke TS1120 (Jaguar-Technologie) als Einstiegslösung konzipiert und kann sowohl im Open-Systems- als auch im Mainframe-Umfeld betrieben werden.

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Mini-Library TS3400 mit TS1120-Laufwerken für Mainframes und Open Systems
Mini-Library TS3400 mit TS1120-Laufwerken für Mainframes und Open Systems
( Archiv: Vogel Business Media )

Die TS3400 bietet eine native Kapazität von 12,6 (TS1120) und 18 Terabyte (TS1130) an. In die TS3400 können ein bis zwei TS1120- und TS1130-FC-Bandlaufwerke mit 4-GB/s-Dual-Port-Fibre-Channel-Anschlüssen integriert werden. Man kann alle Kassetten verwenden, die ein TS1120- und TS1130- Laufwerk verarbeitet (100-, 500- und 700-Gigabyte-Kassetten bei TS1120 und 128-, 640- und 1.000-Gigabyte-Kasetten bei TS1130).

Die Library unterstützt sowohl überschreibbare als auch WORM-Kassetten und bietet direkte Encryption und Encryption-Key-Management-Unterstützung an, eine Verschlüsselungstechnik, die für die TS1120-Laufwerke im Herbst 2006 zur Verfügung gestellt wurde und ebenso in die TS1130-Laufwerke integriert ist. Die Library hat zwei herausnehmbare austauschbare Kassettenmagazine. Jedes Magazin kann bis zu neun Kassetten aufnehmen. Das untere Magazin kann so konfiguriert werden, dass drei Slots im Magazin als I/O-Station dienen. Das obere Magazin ist mit zwei Reinigungskassettenslots konfigurierbar. Die Ausstattung mit Barcode-Leser ist Standard.

Bildergalerie

Die TS3400 bietet eine Partitionierung von bis zu zwei logischen Libraries. Jede logische Library enthält ein Laufwerk und ein Magazin und kann im Sequential-Mode (Autoloader) oder Random-Mode (Library) arbeiten. Die TS3400 ist über das lokale Operator Panel oder remote über ein Web GUI administrier- und managebar. Die Library kann Stand Alone oder Rack Mounted (5U) betrieben werden. Die Speicherkapazität bei Verwendung der 700-Gigabyte-Kassetten geht bis 12,6 Terabyte (bis 37,8 Terabyte mit 3:1 Kompression) und bei Verwendung der 1.000-Gigabyte-Kassetten bis 18 Terabyte (bis 54 Terabyte mit 3:1 Kompression).

Redundante Komponenten

Die TS3400 ist eine hochredundante Library und mit redundanter Stromversorgung, Hot-Swappable-Laufwerken und Netzteilen, einem doppelten Stromanschluss sowie Control-Path- und Data-Path-Failover-Möglichkeit ausgestattet. Die Library kann an IBM Systeme i, p, x und zLinux sowie an z/OS via TS1120-Controller angeschlossen werden. Außer den IBM-Systemen werden die Betriebssystem-Plattformen von HP, Sun und Microsoft Windows unterstützt.

Damit stellt IBM die Möglichkeit zur Verfügung, große TS3500-Libraries mit TS1120- und TS1130-Laufwerken in einem zentralen Rechenzentrum zu betreiben, während Außenstellen mit derselben Technologie in Form einer Mini-Library arbeiten können. Das ermöglicht den Datenträgeraustausch in Form von 3592-Kassetten zwischen Rechenzentrum und Außenstellen. Um hier höchste Sicherheitsaspekte zu gewährleisten, bieten die TS1120- und TS1130-Laufwerke die Möglichkeit, die Kassetten in verschlüsselter Form zu beschreiben.

Mit der Verfügbarkeit der TS3400 erweitert sich das IBM-Library-Portfolio in der Weise, dass kleine bis ganz große Lösungen sowohl mit TS1120- und TS1130-Technologie als auch mit LTO-Technologie ermöglicht werden.

Weiter mit: TS2900-Autoloader mit High-Density-Technologie

TS2900-Autoloader mit High-Density-Technologie

IBM kündigt im August 2008 (zusammen mit der HD-Frame-Ankündigung der TS3500) die Library-Einstiegslösung TS2900 an, die Kapazitäten von 3,6 bis 7,2 Terabyte (native) bietet und mit einem halbhohen LTO3-Laufwerk oder einem halbhohen LTO4-Laufwerk ausgestattet werden kann. Die älteren LTO-Technologien LTO1 und LTO2 werden von dieser Einstiegslösung nicht unterstützt. Der neue Autoloader steht seit September 2008 für den Einstiegsbereich zur Verfügung. Er hat nur eine Bauhöhe von 1U und sieht damit fast wie eine dünne „Pizzascheibe“ aus. Wegen dieser geringen Bauhöhe sind nur LTO-Laufwerke in halber Bauhöhe integrierbar.

Die TS2900 lässt sich mit einem Laufwerk HH LTO 4 SAS oder einem HH LTO 3 SAS konfigurieren und bietet Platz für bis zu neun LTO-Kassetten, die in einem austauschbaren Magazin dem Autoloader zur Verfügung gestellt werden. Ein Slot des Magazins dient als I/O-Station. Trotz der kleinen Baugröße bietet der Autoloader beträchtliche Kapazitäten. Mit LTO4 erreicht man bis zu 14,4 Terabyte (mit 2:1 Kompression). Diese kleine Mini-Library bietet direkten Zugriff auf jede Kassette und kann über das Web administriert werden.

Geniale Konstruktion auf kleinstem Raum

Die TS2900-Mini-Library ist eine geniale Konstruktion auf kleinstem Raum. Mit ihr ist es gelungen, auf einer Höheneinheit ein halbhohes LTO3- oder LTO4-Laufwerkund ein Greifersystem unterzubringen, das direkten Zugriff auf alle neun Kassetten im Magazin hat. Hinzu kommen ein Netzteil, die ganze Elektronik, einschließlich des Gebläses, sowie ein herausnehmbares Magazin mit zehn Kassetten-Stellplätzen, von denen nur neun Stellplätze mit Kassetten belegt werden können.

Auf dieser niedrigen Bauhöhe neun Kassetten unterzubringen und diese im direkten Zugriff des Greifers zu haben, ist nur durch die neue patentierte HD-Technologie (High Density) von IBM möglich. Das Magazin, das herausgenommen werden kann, ist mit dieser HD-Technik ausgestattet. Es fasst eigentlich zehn Kassetten, immer zwei in fünf aneinanderliegenden Reihen von jeweils zwei Kassetten und darf nur mit neun Kassetten bestückt werden – damit ist ein Stellplatz im Magazin immer frei und wird als „Cartride Caching“-Slot eingesetzt.

In der Bildergalerie ist das Greifersystem abgebildet. Rechts auf dem Bild fährt dieses hin- und her. Muss nun ein Zugriff auf eine Kassette erfolgen, die in einem der fünf Schächte hinten abgelegt ist, nimmt der Roboter die erste Kassette heraus und stellt sie in dem Schacht ab, in dem nur eine Kassette liegt. Die dahinterliegende Kassette rutscht automatisch einen Stellpatz vor und wird dann in einem zweiten Schritt vom Roboter geholt und dann zum Laufwerk gebracht, das sich ganz rechts vom Magazin befindet.

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Jede Kassette wird zum Laufwerk geführt

Damit ist der Greifer immer in der Lage, jede Kassette auf Anforderung zum Laufwerk zu bringen. Einfach faszinierend, wie sich mit Ideen ganz neue Dinge umsetzen lassen. Die Grafik in der Bildergalerie zeigt im Überblick das komplette Library-Angebot der IBM im Jahr 2009/ 2010, von der Mini-Library TS2900 bis zur Highend-Library TS3500. TS2900 und TS3400 sind IBM-Eigenentwicklungen und werden von der Firma NEC als OEM-Produkt für IBM produziert. Die Einstiegslösungen TS3100 und TS3200 kommen von der Firma BDT und werden als IBM-Logo-Produkte vertrieben. Als Midrange-Library für LTO-Laufwerke hat die IBM die TS3310 im Portfolio, eine Library, die von Quantum/Adic gebaut wird und per OEM als IBM-Logo-Produkt vetrieben wird.

Quantum vertreibt diese Library als Scalar 500i auch selbst. Der Produktunterschied liegt darin, dass die IBM-TS3310 „End to End“-Path Failover unterstützt. Im Highend-Bereich verwendet die IBM die TS3500, die IBM selbst produziert und konstant weiterentwickelt. Die TS3500 ist derzeit die schnellste Library auf dem Markt und bietet viele Alleinstellungsmerkmale und Vorteile gegenüber vergleichbaren Libraries. Das angebotene Library-Portfolio ist für einen Hersteller/Anbieter einmalig und bietet Tape Automation für alle Anforderungen.

Im kommenden Teil: File Virtualisierung und File Area Networks (FAN)

Dieser Artikel ist ein Auszug aus dem IBM-System-Storage-Kompendium. Hier finden Sie das vollständige Kompendium in Form eines Whitepapers.

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