Ich war ein Startup

3PAR – vor dem Börsengang

30.01.2007 | Autor / Redakteur: Hartmut Wiehr / Bernd Schöne

Im Mai 1999 gegründet, konnte 3PAR (der Name setzt sich aus den Initialen der drei Firmengründer zusammen) in insgesamt fünf Finanzierungsrunden 183 Millionen Dollar auftreiben. Diese gingen zunächst in Research & Development. Seit 2002 werden Produkte ausgeliefert. Das Start-up beansprucht, sich mit „Thin Provisioning“ und „Utility Storage“ einen besonderen Platz am Storage-Markt geschaffen zu haben.

Zumindest was die USA angeht, geben ihm die Analysten von der Enterprise Storage Group (ESG) recht. In einem Report vom Mai 2006 schreibt Senior Analyst Tony Asaro: „3PAR ist der Pionier bei Thin Provisioning. Diese Technologie bietet eine einfache Lösung für das weit verbreitete Problem nicht genützter Speicherkapazität. Mit Thin Provisioning wird eine Array-Technologie zur Verfügung gestellt, mit der Anwender auf soviel logische Kapazität für eine Applikation zurückgreifen können, wie von dieser während ihrer Lebenszeit benötigt wird. Die dazu gehörige physische Speicherkapazität wird erst dann aus einem Storage-Pool entnommen, wenn sie aktuell in Anspruch genommen wird. Das geschieht immer dann, wenn eine Applikation wirklich neue Write-Prozesse durchführt.“

Damit führt 3PAR eine Technologie in die Welt der Speicher-Arrays ein, die zuvor Egenera und Fujitsu-Siemens mit FlexFrame in ähnlicher Weise für die Server-Architektur entwickelt haben: Ressourcen werden nicht teuer für zukünftige Beanspruchung eingekauft, wo sie dann mit Raten von bis zu 50 Prozent unausgelastet im Rechenzentrum herumstehen, sondern quer über Applikationsgrenzen hinweg automatisch zugewiesen.

Virtualisierung bei 3PAR trennt die logische von der realen Benutzung der allokierten Speicherräume: Das bedeutet, dass mehrere Anwendungen zum Beispiel auf ein logisches Volume oder LUN dergleichen Grösse zugreifen, praktisch aber nur jeweils einen Teil belegen. Ein solches System muss über Automatismen verfügen, mit denen dem jeweiligen Bedarf entsprechend und rechtzeitig erweitert werden kann.

Thin versus Traditional

Wurden bisher Speicherkapazitäten aufgrund von Planungsangaben – häufig nur ungefähre Schätzungen – gekauft und bestimmten Applikationen für zukünftige Auslastung fest zugewiesen, geht 3PAR von einer Auflösung dieser Architektur aus: Die festen (ungenutzten) Speicherräume werden virtualisiert und weiteren Applikationen zur Verfügung gestellt.

Die ESG hat die Brisanz dieser Lösung erkannt und spricht bereits von dem „Giant Killer“: Mit Thin Provisioning trete 3PAR in direkte Konkurrenz zu dem herkömmlichen Fat Provisioning der Marktführer EMC, HDS oder IBM, deren Speicherschränke dem traditionellen Allokations-Modell folgen.

Laut Deutschland-Geschäftsführer Michael Speck konnte man vor allem deshalb erfolgreich im Großkundenbereich agieren, weil 3PAR es mit seinen Arrays erlaubt, auf einem wesentlich niedrigeren Niveau einzusteigen.

Zwei Gründe überzeugten die Kunden: Kostenersparnis, da weniger Platten vorrätig gehalten werden müssen, sowie automatische Ressourcenerweiterung.

In den USA zählt man inzwischen so große Firmen wie Myspace.com, Eharmony oder Priceline.com zu den Abnehmern der 3PAR-Architektur. In Deutschland habe man die Top-500-Accounts im Visier, erläutert Speck.

Seit einem halben Jahr hierzulande aktiv, habe man bereits fünf feste Kunden aus den Bereichen Service Provider, Finanz und Industrie, mit weiteren fünf laufen die Verhandlungen. Speck führt aus: „Unsere Systeme sind grundsätzlich für alle Kunden interessant, die nicht über eine statische, unveränderbare Speicherumgebung verfügen.“

Aus der angepeilten Kundenstruktur ergibt sich die Notwendigkeit, primär über Direktvertrieb zu gehen – große Kunden, auch aus dem oberen Mittelstand, erwarten persönliche Ansprache und direkte Verhandlungen, nicht zuletzt wegen der Kosten. 3PAR-CEO David Scott betonte in einem Gespräch, dass man zunächst bei der Strategie bleibe, grosse Firmen anzugehen.

In Deutschland kümmern sich Projektmanager von 3PAR um die Installation und leiten später Wartung und Service an, die extern von dem Dienstleister Anacomp übernommen werden.

Utility Storage?

Das Marketing von 3PAR verweist mit Vorliebe auf den Begriff „Utility Storage“. Bei Utility Computing im klassischen Sinn, zum Beispiel propagiert von IBM oder Hewlett-Packard, werden den Kunden Ressourcen nach Bedarf zur Verfügung gestellt. Beliebtestes Beispiel: Strom aus der Steckdose.

Speck von 3PAR erinnert daran, dass mit Thin Provisioning das zur Verfügung stehende Speichervolumen automatisch wächst – „Utility“ heisse in diesem Zusammenhang, dass man aus dem ganzen Pool Speicherplatz individuell zuweisen kann. Nur die genutzte Speicherkapazität werde bezahlt und nicht – wie bisher üblich – die allokierte.

3PAR selbst spricht an anderer Stelle lediglich von „utility-like efficiency“. Pay-per-usage-Modelle könnten nicht das Problem der Verschwendung adressieren, das durch zugewiesene, aber nicht genützte Speicherressourcen hervorgerufen wird.

Thin Provisioning ist, so der Anbieter, eine dedizierte On-write-Technologie und kein Zahlungsschema. Die Technologie ermögliche den Kunden, bis zu 75 Prozent weniger Storagekapazität einkaufen zu können. Dies als „Utility Storage“ zu bezeichnen, scheint sich allerdings lediglich den Marketing-Überlegungen zu verdanken, einen besonders griffigen Spruch auszuhecken. Ob sich der Hersteller damit einen guten Dienst leistet, muss bezweifelt werden.

Die 3PAR-Offiziellen ficht das nicht an – sie sehen sich auf Erfolgskurs. Und übersehen, dass sie ihren Erfolg zumindest zum Teil nur der Untätigkeit der grossen Konkurrenten verdanken. Vielleicht haben diese ja auch deshalb noch keine eigenen Thin-Provisioning-Strategien angestellt, weil sie erst einmal nur beobachten und abwarten.

Das nötige Kapital für eine schnelle feindliche Übernahme hätten sie auf jeden Fall. Bei 3PAR will man von solchen möglichen Entwicklungen nichts wissen. Optimismus herrscht vor: Innerhalb der nächsten neun Monate soll es sogar zum Börsengang kommen.

Man wird sehen, ob es sich wirklich um einen „Giant Killer“ handelt, wie die ESG vollmundig meint.

Info 3PAR

Firmensitz: Fremont/Ca., USA

Gegründet: 1999

Angestellte weltweit: 300

Kunden weltweit: 170

Angestellte in Deutschland: 6

Direktvertrieb

Support in Deutschland: Anacomp

Adresse: Friedrichstr. 15, 70174 Stuttgart

Telefon: 0049 711 490 39 500, Telefax: 0049 711 490 39 600

E-Mail: infode@3pardata.com

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