Leistungshunger

3PAR wirbt mit Emissionszertifikaten

29.01.2007 | Autor / Redakteur: Thomas Böcker / Bernd Schöne

Cleverer Marketing-Gag oder seriöses Angebot? Storage-Neuling 3PAR treibt seine Idee vom umweltfreundlichen Speichernetz einen Schritt weiter und bietet umweltbewussten Kunden an, im Tausch gegen jedes Terabyte Speicher Emissionszertifikate der Klimaschutzorganisation Terra-Pass zu erwerben.

Neben Anschaffungs-, Support- und Personalkosten bereitet ein vierter Posten den Betreibern großer Rechenzentren immer mehr Kopfzerbrechen: Der hohe Stromverbrauch des Equipments treibt nicht bloß Betriebskosten in die Höhe und zehrt somit am Budget, sondern lässt Infrastrukturanbieter und Anwender auch als „Umweltschädling“ dastehen, weil er zum Treibhauseffekt beiträgt.

Dagegen setzt 3PAR seit einiger Zeit seine spezielle Variante des Thin Provisioning: Mit Hilfe des Betriebssystems In-Form können Administratoren einzelnen Anwendungen dezidiert Festplatten, Ports, Prozessor- und Cachekapazitäten zuweisen – statt wie sonst üblich auf Netzwerkebene findet die Allozierung auf Ebene der Arrays selbst statt.

Dies wiederum soll eine besonders effiziente Nutzung der vorhandenen Geräte erlauben, das sonst oft übliche „Over-Provisioning“, also die Ansammlung von zu viel Kapazitäten „auf Verdacht“, mit dem vorsichtige Anwender Engpässe zu entgehen suchen, kann unterbleiben.

Den schon für sich genommen originellen Ansatz treibt 3PAR jetzt noch einen Schritt weiter: Zusammen mit der Klimaschutzorganisation hat der Speicherhersteller jetzt sein so genanntes Carbon Neutral Storage Program vorgestellt.

Selbstverpflichtung

In einer Erklärung auf der Firmenwebsite verpflichtet sich 3PAR gegenüber seinen Kunden dazu, für jedes Terabyte verkaufter Speicherkapazität, das diese Thin-Provisioning-Technik nutzt, einen bestimmten Gegenwert an Emissionsschutzzertifikaten der Klimaschutzorganisation TerraPass anzukaufen, zu deren Förderern u. a. der Autohersteller Ford und der Reiseveranstalter Expedia zählen. Diese wiederum finanziert mit dem Geld den Ausbau von Windkraft- und Biomasseanlagen wie etwa des High Winds Project in Solano (Kalifornien) sowie die Förderung umweltgerechter Entsorgungskonzepte. Im Lauf des Jahres sollen die 3PAR-Kunden so dazu beitragen, den CO2-Ausstoß von 700 Pkw (etwa vier Millionen Kilogramm) dauerhaft aus der Atmosphäre fernzuhalten.

Erfolgskontrolle?

Offen lässt 3PAR allerdings, ob, wann und vor allem wie der Erfolg der Initiative kontrolliert wird. Das könnte insofern zu einem Knackpunkt werden, als z. B. der Umweltnutzen von Windkraft- und Biomasseanlagen wenigstens in Europa inzwischen teils umstritten ist. Dabei richtet sich die Kritik einerseits gegen deren vergleichsweise geringe Leistung und andererseits dagegen, dass die Anlagen selbst unverhältnismäßig viel Lärm und Gestank erzeugen sowie die Landschaft verschandeln – nach Meinung der Gegner also genau das tun, was sie zu verhindern vorgeben. Ob 3PAR auf diesem Weg hier zu Lande neue Kunden gewinnen kann, bleibt somit ebenso abzuwarten wie die Bilanz des Carbon Neutral Storage Program am Jahresende.

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