MO im Schlussverkauf

Absturz eines Hoffnungsträgers

04.01.2007 | Redakteur: Bernd Schöne

Blauer Laser gleich hohe Speicherdichten. Das war einmal. Noch vor zwei Jahren sprachen Fujitsu-Manager voller Zuversicht über das Zukunftsmedium MO. Alles Makulatur! Im ersten Quartal nächsten Jahres liefert die Firma die letzten Laufwerke aus. Danach ist die Magneto-optische Disk nur noch Geschichte. Zumindest in Europa und für den Computernutzer. CD und DVD, die Totengräber der MO-Technik, werden es in Zukunft allerdings deswegen nicht leichter haben.

„Wir werden uns demnächst voll auf mobile Festplatten konzentrieren“, sagt Thomas Bengs, Produktmanager für MO bei Fujitsu. Oder besser, der frühere Produktmanager. MO-Laufwerke wird es zwar noch eine Weile in Japan zu kaufen geben, in Europa ist schon jetzt Schluss. Die letzten Exemplare sollen im März 2007 über den Ladentisch gehen. Das nach Expertenmeinung mit Abstand stabilste und haltbarste Speichermedium des Marktes, unempfindlich gegen Licht, Magnetfelder und mechanische Schäden, ist damit nicht mehr verfügbar. Von der Home-Page der Firma sind die optischen Scheiben bereits weitgehend verschwunden.

Wenig Licht, viel Schatten

Mit dieser Entscheidung steht Fujitsu nicht allein da. Auch Hewlett-Packard hat den Vertrieb der Jukebox-Linie mit Magneto-optischen WORM- und Ultra-Density-Optical-Laufwerken eingestellt. Ganz überraschend kam dieser Schritt nicht, denn auch revisionssichere WORM-Medien (write once read many times; deutsch: einmal beschreiben, mehrmals lesen), lange Zeit eine Domäne der MO, werden heute über standardisierte, aber zusätzlich kryptografisch gesicherte WORM-Bandlaufwerke und auch über Festplattensysteme realisiert.

Die Option MO existiert also nicht mehr. Tempi passati! Betriebe, die ihre Daten nicht ausschließlich Festplatten anvertrauen wollen und die zu klein sind, um sich teure Bandlaufwerke zu leisten, bleibt von nun an nur noch die Silberscheibe als Alternative. Wer auf MO gesetzt hat, dem bleibt nur ein schwacher Trost: Die Medien wird es noch eine Weile weiter geben. Auf einen exakten Zeitrahmen will sich Fujitsu jedoch noch nicht festlegen.

Produktion nicht mehr kostendeckend

Noch 2001 hatte man voller Hoffnung mit dem Vertrieb der 2,3 GByte fassenden MO begonnen. Doch die Konkurrenz der DVD war zu groß. Sie setzte sich am Markt schnell durch, und Fujitsu wurde nie so recht glücklich mit dem neuen Produkt. Die sowieso schon moderaten Absatzzahlen von MO brachen weiter ein. Das Medium wurde zum Minus-Geschäft für Fujitsu, da eine kostendeckende Produktion nicht mehr möglich war.

Ein größerer Teil der DVD-Kunden, die damit ihr Datensicherung machen, soll schon jetzt der guten alten MO-Cartridge nachweinen. Die mechanisch ungeschützten Silberscheiben konnten längst nicht in allen Einsatzgebieten überzeugen. „Wir haben damals unsere Kunden gewarnt“, sagt ein Fujitsu-Techniker, „eine DVD ist eben kein Backup-Medium für wichtige Daten, nun ist das Gejammer riesengroß.

Zur Erinnerung: Die MO speichert Daten durch eine Kombination von optischen und magnetischen Effekten. Zunächst wird die Schreibschicht von einem Laser über den Curie-Punkt erhitzt. Die in der Schicht eingelagerten Partikel verlieren so ihre ursprüngliche magnetische Ausrichtung. Anschließend richtet sie das Magnetfeld des Schreibkopfs erneut aus. Gelesen wird die Information ausschließlich optisch. Das Trägermaterial reflektiert das Laserlicht, abhängig von der Magnetisierung und damit der gespeicherten Information, unterschiedlich polarisiert (magnetooptischer Kerr-Effekt). Nur wenn Hitze und Magnetfeld zusammenkommen, ändert eine MO ihren Dateninhalt. Das ist einer der Gründe, warum sie als relativ sicherer Datenträger gilt.

Konstruktion ohne Entwicklungspotenzial

Das Manko der MO ist im Datenträger begründet. Die Konstruktion der MO ließ sich systembedingt nicht staub- und vibrationsfrei halten. Deshalb müssen die Abstände zwischen Schreib-/ Lesekopf und Wechselmedium viel größer als bei Festplatten sein. Darunter leidet die Speicherdichte. Experimente mit neuen Materialien, die es ermöglicht hätten, die Informationen in mehrere Lagen übereinander zu schreiben, schafften den Sprung vom Labor in die Produktion nicht. Daher fehlt dem Medium MO nach Meinung von Marktbeobachtern ganz einfach das Entwicklungspotenzial.

Ganz anders bei Festplatten! Hier liefern sich die Hersteller seit Jahren einen gnadenlosen Kampf und stellen einen Rekord nach dem anderen auf! Wer mithalten will, muss ständig neue Techniken in seine Disks einbauen. Eine davon, das Perpendicular Magnetic Recording (PMR), ist bereits in Platten eingebaut, die auf dem Markt erhältlich sind. Eine weitere mit Namen Heat Assisted Magnetic Recording (HAMR) befindet sich schon in den Startlöchern und soll die Speicherdichte um den Faktor 10 erhöhen. Kernbestandteil der zukünftigen Disks wird ein Laser sein, der als Wärmequelle fungiert, genau wie bei der MO.

Festplatten unter Laserbeschuß

Bei HAMR oder der auch als Thermal-Assist bezeichneten Technik dient der Laser dazu, in einem extrem begrenzten Raumbereich um den Aufzeichnungspunkt die Oberfläche des Plattenmaterials zu erhitzen und dadurch das Schreiben der Daten auf Medien mit hoher Koerzitivkraft – ein Maß, das angibt, wie fest die magnetische Information im Medium verankert ist – zu ermöglichen. Ohne diese Technik wird sich die Speicherdichte auf Dauer nicht weiter erhöhen lassen.

Die Punkte liegen schon jetzt so eng beieinander, dass sich die magnetischen Bereiche gegenseitig stören. Bei Einsatz der HAMR-Technik stört das aber nicht mehr, da sich die Informationen nur noch dann verändern lassen, wenn zusätzlich zum Magnetfeld noch eine punktuelle Erhitzung des Mediums stattfindet. Der Trick funktioniert aber nur dann, wenn die Wärme exakt auf den Punkt gebracht wird. Genau das ist im Oktober Technikern von Fujitsu gelungen. Sie fokussierten den Laser-Strahl auf einen Punkt von weniger als hundert Nanometern Länge. Hätte man so ein System in einer Festplatte, könnte man ein Terabit Daten pro Quadratzoll speichern. Das wäre ein neuer Weltrekord, der die aktuelle Speicherdichte um den Faktor 5 erhöhen würde.

Mit dem eigens entwickelten optischen Element konnte Fujitsu einen Punkt von 88 mal 60 Nanometern mit einer optischen Effizienz von 17 Prozent anvisieren.

Noch existiert zwar keine fertige Disk, sondern nur ein Versuchsaufbau, aber schon der ist so geheim, dass keine Bilder veröffentlicht wurden. In zwei bis drei Jahren sollen Verbraucher die neue Technik in den Händen halten können.

Kommentare werden geladen....

Was meinen Sie zu diesem Thema?

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de/ (ID: 2001624 / Grundlagen)