Glosse von Rainer Graefen zu „Das Ende der NAND-Flash-Welt ist nah“

Am Floating Gate wird die Strukturverkleinerung zur Mission impossible

| Redakteur: Rainer Graefen

Der Weltuntergang für NAND-Flash steht in den nächsten zehn Jahren bevor.
Der Weltuntergang für NAND-Flash steht in den nächsten zehn Jahren bevor. (Grafik: forplayday - Fotolia.com)

Kennen Sie eine IT-Technik aus den Pionierzeiten des PC, die tatsächlich nicht mehr verfügbar ist? Mit Sicherheit nicht! Nun gibt es zum ersten Mal für einige von uns die Chance, zu erleben wie tatsächlich eine Technik sang- und klanglos über den Jordan gehen wird.

Wir vom Storage-Insider haben schon vor einem Jahr geunkt, dass Flash-Speicher auf NAND-Basis eigentlich schon am Styx steht und nur noch auf das Ruderboot mit dem Fährmann wartet, der diese lange Jahre sehr erfolgreiche Technik dem wohlverdienten Ende zuführt.

In der IT ist aber alles anders. Totgesagte Techniken feiern jedes Jahr ihre Wiederauferstehung, selbst das Floppy Disk Laufwerk macht es sich immer noch in einer Ecke des Desktopcomputers gemütlich, ganz zu schweigen von zahllosen Lüftern.

Bei den „blitzschnellen“ Speichern wird das diesmal anders sein. Noch aber halten enorme Investitionen in teure Produktionstechnik und permanente Injektionen von Fremdatomen die Flash-Technik am Leben.

Vom Nicht zur Flüchtigkeit

Flash galt vor vielen Jahren als etwas lahmarschiger Ersatz für statische RAMs. Billiger, war das Argument für die Testingenieure. Damals fiel es noch nicht besonders auf, dass die Ladung des „floating gates“ bei jedem Schreibzyklus etwas abnahm.

Flash galt als nichtflüchtiger Speicher. Inzwischen wurden die Strukturen so minimiert, dass auch ein Flash-Speicher ohne Stromzufuhr sehr schnell dement wird und nur mit viel ECC auf der Datenspur gehalten werden kann.

Auf der Hot-Chips-Konferenz der Standford University wurde nun auch aus Expertenmund, etwas weniger drastisch als hier oben, die Roadmap von Flash wie auch von 3D-Flash mit einem aus meiner Sicht viel zu optimistischen Touch für beendet erklärt.

John Handy von Objective Analysis glaubt noch an Flash-Speicher mit vier Bit, dass also bei abnehmender Ladungsmenge noch 16 unterschiedliche Ladungszustände detektierbar sein sollen. Da schon jetzt nur noch 1000 Elektronen auf ein Floating Gate passen, würde das bedeuten, dass man an zwei Händen die Anzahl der Elektronen pro Ladungszustand abzählen könnte. Handy sieht 2015 das Ende von 2D-Flash gekommen, gibt dem 3D-Nachfolger aber noch Zeit bis ins Jahr 2023.

Integrale Rechenweisen

Das ist sehr optimistisch gerechnet, vor allem wenn man einen Blick in die Vergangenheit wirft: Im Jahr 2009 haben Flash-Hersteller noch mit 50 Nanometer-Strukturen experimentiert. Heute sind wir offiziell bei 19 bis 22 Nanometer (nm) – und Intel wendet bei ersten Prozessor-Prototypen schon 14 nm Fertigungsmethoden an.

So hat sich die Branche in vier Jahren 30 Nanometer vorwärts gerobbt und damit ein wenig mehr Strecke als der berüchtigte Quantensprung zurückgelegt. Und nun wird uns weißgemacht, dass für weitere 5 Nanometer noch zehn Jahre notwendig sein sollen?

Inhalt des Artikels:

  • Seite 1: Am Floating Gate wird die Strukturverkleinerung zur Mission impossible
  • Seite 2: Kaltgestellt

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