Grundlagen moderner Netzwerktechnologien im Überblick – Teil 60

Anwendungs- und Problembereiche von Wireless LANs (WLAN) – 2

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Problemstelle Interoperabilität

Ein weiterer Problempunkt ist die generelle Interoperabilität. Man kann natürlich eine Wireless Lösung nur von einem Hersteller kaufen, was man sicherlich bei kleineren Netzen auch so machen wird. Bei größeren Netzen hingegen besteht meist der Wunsch, Komponenten unterschiedlicher Hersteller einzusetzen, wie man das bei herkömmlichen Funkdiensten auch macht.

Leider hat es sich gezeigt, dass der Standard IEEE 802.11 alleine nicht ausreicht, um interoperable Systeme bauen zu können. Vielmehr bedarf es zusätzlicher Festlegungen und Testprozeduren. Im Falle der WLANs wurde das durch Wi-Fi hervorragend erledigt. Wi-Fi bedeutet Wireless Fidelity (also praktisch „drahtlose Treue“) und umfasst eine Menge von Vereinbarungen zur Interoperabilität.

Getragen von einem Herstellerzusammenschluss sorgen diese Definitionen dafür, dass zwei IEEE 802.11b-Geräte, die das Wi-Fi-Siegel haben, problemlos kommunizieren können, auch wenn sie von unterschiedlichen Herstellern kommen.

Sicherheit

Die Sicherheit ist ein weiterer wesentlicher Problembereich und umfasst den Schutz von Information und Ressourcen vor Verlust, Beschädigung und zweckentfremdeter Nutzung. Die Sicherheit drahtloser Netze ist ein Punkt, der bei der kommerziellen Anwendung und natürlich auch bei Anwendungen z.B. im Gesundheitswesen immer wieder heftig diskutiert wird.

Das Problem ist hier wieder, dass die Entscheidungsträger die angeführten Argumente nur glauben können, weil den implementierten Sicherheitsfunktionen wie auch bei Festnetzen oder bei der Transaktionssicherungen mathematische Modelle zugrunde liegen, die man verstehen müsste, um zu einem wirklichen Verständnis der Sicherheitsfunktionen zu kommen.

Ein drahtloses Netz schickt einen Bitstrom in die Luft und benutzt mehr oder minder umfangreiche Synchronisations- und Fehlerkontrollmechanismen, die den Bitfluss von einem Punkt zum anderen unterstützen und sichern sollen. Die Funktionalität des drahtlosen Netzes ist elementar auf der untersten Schicht der Netzwerkarchitektur, der Bitübertragungsschicht und es geht hier zunächst primär um die geschützte Übertragung dieses Bitstroms und nicht um solche Aspekte wie Ende-zu-Ende-Fehlerkontrolle. Diese wird man zusätzlich anwenden, kann dies aber auch nicht so tun wie bei drahtlosen Netzen, da manche Verfahren, wie das erneute Senden von Paketen im TCP-Protokoll, den Durchsatz eines drahtlosen Systems erheblich beeinträchtigen könnten. Darauf werden wir später noch genauer eingehen.

Ein wesentlicher Gesichtspunkt bei drahtlosen Netzen ist, dass die Sendung sich über ein Medium ausbreitet, welches nicht von den physikalischen Grenzen des Unternehmens oder der Organisation eingeschränkt ist. Also können sich die Daten bzw. Sendungen auch über diese Grenzen hinaus bewegen.

So können z.B. Radiowellen aus einem Bürohaus locker die Wand dieses Hauses durchdringen und man kann sie auf einem benachbarten Parkplatz und vielleicht sogar noch ein paar Blocks weiter locker empfangen. Um an Informationen zu gelangen, braucht ein „Interessent“ nicht physisch das Netz anzugreifen, wie bei fest verdrahteten Systemen, sondern nur zu warten, bis die Informationen sozusagen freiwillig zu ihm kommen. Er läuft nicht Gefahr, vom Netzwerk-Administrationspersonal entdeckt zu werden, denn er sitzt gemütlich in seinem Auto.

Man kann natürlich sagen, dass dieses Problem rein theoretisch auch bei fest verkabelten Netzen existiert, weil jeder Stromfluss in einem Kabel eine elektromagnetische Wechselwirkung mit der Umwelt erzeugt. Um aber in einem solchen Fall zu auswertbaren Ergebnissen zu kommen, muss man viel näher an das Kabel herangehen.

Natürlich könnte man auch anfügen, dass Angriffe auf Netzwerke ohnehin unsinnig sind, solange es schlecht abgeschirmte Endgeräte mit Kathodenstrahlröhren als Bildschirm gibt, von denen man Informationen aus relativ großer Entfernung ablesen kann. Aber der Unterschied ist auch hier, dass man dafür Spezialeinrichtungen benötigt, die man vielleicht für einen Lauschangriff beschafft, das Radiosignal eines Wireless LANs aber mit einem sehr einfachen Empfangsgerät auswertbar ist.

Insgesamt kann man das Problem nur dadurch lösen, dass man in jedem fall für die Übertragung von Daten eine Codierung verwendet, die für den Abhörer schwer zu knacken ist und darüber hinaus ggf. den Empfang durch scheinbar unsystematisches Springen über Frequenzbänder hin erschwert. Die Vereinbarung für die Frequenzwechsel ist dabei nur Sendern und Empfängern bekannt.

Insgesamt muss man sagen, dass es schon seit vielen Jahren militärische Funkübertragungssysteme gibt, an denen sich der jeweilige Gegner erheblich die Zähne ausbeißt. Eine mögliche Lösung für kommerzielle Übertragungssysteme wird die Übernahme derartiger Lösungen in vereinfachter Form sein. Wenn man ein HumVee mit einer hübschen Farbe anmalt, bekommt man ja auch ein praktisches Privatfahrzeug.

weiter mit: Problemfall: Sabotage

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