Womit sich Startups heute beschäftigen, Teil 15

Backdating soll Storage-Snapshots überflüssig machen

| Autor / Redakteur: Hartmut Wiehr / Rainer Graefen

Mit Backdating, Nodup und Tier-X zu Recovery-Intervallen im Ein-Sekunden-Takt.
Mit Backdating, Nodup und Tier-X zu Recovery-Intervallen im Ein-Sekunden-Takt. (Bild: Reduxio)

Zunehmend stellt sich die Frage, wieviel Datenverlust zwischen zwei Snapshots/ Backups kann ein Unternehmen verkraften. Ein israelisches Startup will mit einem neuartigen Storage-Betriebssystem die letzten Zeitlücken schließen und im Sekundentakt 30 Tage rückwärts recovern.

Backups in ihren verschiedenen Formen sind sicherlich geeignete Mittel gegen Ransomware-Attacken. Doch sie sind nur eine vorbeugende Maßnahmen, ohne Garantie auf positive Recovery-Resultate. Selbst bei Snapshot- oder CDP-Datensicherungen im Abstand von Minuten oder Sekunden sind noch immer Zeitfenster offen, in denen Ransomware zuschlagen kann – mit Verschlüsselung oder Überschreiben von Daten in diversen Größenordnungen, eingeschleust über verseuchte E-Mails oder Webseiten.

Deduplizierendes Betriebssystem

Reduxio Systems, ein 2013 gegründetes und im September 2015 an den Markt gegangenes Startup aus Tel Aviv in Israel, verspricht in diesem Umfeld eine radikale Neuerung. In den Worten von Nir Peleg, CTO und Co-Founder bei Reduxio Systems: “Die Idee hinter unserer Technologie besteht nicht nur darin, Restore oder Datenwiederherstellung unnötig zu machen, sondern es geht auch (vielleicht sogar noch stärker) darum, Snapshots überflüssig zu machen und sie durch das Konzept von Backdating zu ersetzen.“

Zur Zeit liefert das Unternehmen seine Lösung ausschließlich in Form einer Appliance, dem hybriden Flash Array HX550; später soll eventuell eine Cloud-Variante folgen, wie inoffiziell bei Reduxio zu vernehmen war. Es handelt sich beim HX550 um ein iSCSI-basiertes Storage Array mit 16 2 TByte HDDs, acht 800 GByte SSDs (eMLC) und einem DRAM-Cache von 256 GByte. Als „raw“ Kapazität werden 38,4 TByte und als effektive Kapazität über 150 TByte angegeben, resultierend aus den Dedup- und Komprimierungsfunktionen.

Der Schwerpunkt des Systems liegt auf den Management-Features des neuartigen Betriebssystems-Ansatzes Time-OS. Im Unterschied zu klassischen Speicheransätzen, die von einem fixen Volumen innerhalb eines Systems ausgingen, unterstellt Reduxio einen einzigen großen Datenbehälter, in dem die Daten durch ihre Tags (zum Beispiel Dateiname, Object ID, Blockadresse, Volume oder Ort) identifizierbar sind.

Recovern ohne Restore

Alle Datenstücke (data chunks) werden in diesem Behälter nur einmal gespeichert, und die Daten können transparent und unabhängig über verschiedene Tiers und Systeme wie Festplatte, Flash oder Tape bewegt werden. Neue Daten werden mit den bestehenden abgeglichen: Ist der Chunk bereits vorhanden, wird nur ein neuer Tag mit einem Indexverweis oder Pointer hinzugefügt. Nur neue Chunks werden in den Pool aufgenommen.

Auf der Software-Ebene weist das System darüber hinaus drei entscheidende Besonderheiten auf:

Backdating. Für Reduxio sind die bestehenden Snapshot-Systeme nicht mehr für die heutigen Anforderungen von Restore – insbesondere bei Ransomware-Attacken – geeignet: Sie erfordern hohe Volumina und sind angesichts der Tausenden von durchgeführten Snapshots nur umständlich zu managen. Der Anspruch von Reduxio besteht darin, Snapshots überflüssig zu machen durch den Aufbau von Recovery-Intervallen im Ein-Sekunden-Takt, die über alle Hosts und Volumes konsistent sind. BackDating arbeitet wie ein kontinuierliches Daten-Aufnahmegerät, das jeden Moment in der Aufnahmegeschichte unmittelbar wiedergeben kann.

So können Unternehmen im Schadensfall zu jeder einzelnen Sekunde in der Vergangenheit zurückkehren und die betroffenen Daten sofort wiederherstellen. Gegenüber bisherigen Snapshot-Methoden entfalle die aufwändige Verwaltung und die Suche nach den geeigneten Restore-Instanzen.

Nir Peleg erläutert das so: „Snapshot-Technologien wurden vor mehr als zwei Jahrzehnten eingeführt und werden den heutigen Anforderungen nicht mehr gerecht. Daten sind heute die meiste Zeit gefährdet, weshalb eine begrenzte Anzahl von Recovery Points wie bei Snapshots bedeutet, dass die Daten die meiste Zeit nicht wiederherstellbar sind. Außerdem erfordern Snapshot-Architekturen noch immer eine volle Kopie für jeden Snapshot oder erkennen Änderungen nur in großen Data Chunks.“

Backdating gibt es in angepasster Form für virtuelle Maschinen von VMware, Microsoft und Oracle.

NoDup. Nachträgliche Datenreduktion – als Deduplizierung oder als Komprimierung – beeinträchtigt heute laut Reduxio die Performance von Speicherumgebungen, wie es noch ein Jahrzehnt bevor nicht vorstellbar gewesen war. Die Lösung „NoDup“ lässt erst gar keine Doubletten von Daten zu, und zwar schon zum Zeitpunkt der Entstehung neuer Daten beziehungsweise zu dem Zeitpunkt, in dem sie über den Cache in die Speicherumgebungen eintreten.

Reduxio spricht von „in-line in-memory block-level dedupe and compression“, die das möglich machen. Diese Deduplizierung und Komprimierung im Cache führt dazu, dass es in den Speichermedien selbst zu keiner Verdoppelung mehr kommt. Das gelte gleichermaßen für Datenbanken, virtuelle Maschinen, File Shares und weitere Datenformen.

Tier-X. Nach dem „NoDup“-Prozess werden die Daten zunächst in den SSD-Tier weitergeleitet, um dort während ihrer intensiven Benützung (man geht generell von durchschnittlich etwa 30 Tagen aus) zu verbleiben. Wird der etwa 10 TByte große SSD-Tier allmählich voll, werden die am wenigsten benützten Blöcke „Hybrid Speichergerecht“ auf Festplattenspeicher verschoben.

Für Nir Peleg sind Kunden mit dem Speicher-Betriebssystem von Reduxio in der Lage, eine Reihe neuer Funktionen für das Datenmanagement einzusetzen. Dies sei besonders wichtig in heterogenen, converged und scale-out Speichersystemen, die unterschiedliche Medien einsetzen und an vielen Orten angesiedelt sind. Die Reduxio-Architektur ist laut Peleg geeignet, sich auf zukünftige Entwicklungen einzustellen.

Das erste Produkt HX550 soll dabei helfen, solche Entwicklungen aufzuspüren und zukünftige Plattformen daran anzupassen. Peleg gibt sich selbstbewusst, dass man mit der Speicherentwicklung Schritt halten und sogar eine führende Stellung in dem sich ändernden Markt einnehmen wird.

Auf der Webseite finden sich ausführliche Reports von IDC und ESG zu der Appliance HX550 und der Technologie von Reduxio.

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