Erstmals über 100 Mrd. Dollar für Speicherchip-Fertigungsanlagen

Beginnt jetzt der DRAM-Preisverfall?

| Redakteur: Michael Eckstein

3D-Speicher: Samsungs High-Bandwidth-Memory zählt derzeit zu den schnellsten DRAM-Chips.
3D-Speicher: Samsungs High-Bandwidth-Memory zählt derzeit zu den schnellsten DRAM-Chips. (Bild: Samsung Electronics)

Produktionsmittel für Speicherchips machen 2018 erstmals mehr als die Hälfte der Kapitalinvestitionen aller Halbleiterunternehmen aus. Folgt daher bald ein DRAM- und NAND-Überangebot inklusive ruinöser Preisschlacht? Mit astronomischen Gewinnmargen der Hersteller könnte es jedenfalls bald vorbei sein.

Nach einem geradezu ungebremsten Wachstum über die letzten fast zwei Jahre scheint der Markt für Flash- und DRAM-Speicherchips jetzt abzukühlen. Hohe Nachfrage und knappes Angebot hatten zu deutlichen Preissteigerungen geführt. Mittlerweile ist die weltweite Produktionskapazität jedoch enorm gestiegen – und der Zuwachs hält weiter an.

Spätestens seit chinesische Anbieter in den Massenmarkt für DRAM und Flash drängen – ab 2019 wollen mehrere Unternehmen im großen Stil produzieren –, warnen Branchenanalysten bereits vor einem drohenden Abschwung aufgrund eines absehbaren Überangebots an Speicherchips. Die chinesischen Hersteller sollen zunächst einmal für den heimischen Markt produzieren. Dadurch will China nicht zuletzt seine Abhängigkeit von Chipimporten verringern und seinen boomenden Hightech-Sektor schützen – der brodelnde Handelsstreit mit den USA zeigt, wie wichtig dieser Schritt für das Land ist.

Doch wenn die dort ansässigen Massenfabrikanten von Elektronikprodukten primär heimische Chips verwenden, könnte sich das deutlich auf den Absatz von Micron Technology, SK Hynix und Samsung Electronics auswirken. Das Geschäft dieser drei verbliebenen Großproduzenten gilt als Schlüsselindikator für den Speicherchip-Markt. Samsung ist aktuell Weltmarktführer sowohl für DRAM- als auch NAND-Speicherchips.

Ende des rasanten Preisanstiegs für Speicherchips deutet sich an

Während die Preise für technologisch hochkomplexe 3D-NAND-Speicher bereits nachgegeben haben, steigt das DRAM-Preisniveau weiter. Doch wie lange noch?

Marktanalyst IC Insights prognostiziert, dass der DRAM-Markt in diesem Jahr insgesamt um voraussichtlich 53 Prozent wachsen wird – ein starker Wert, zumal die ausgelieferten Stückzahlen nur im niedrigen einstelligen Bereich zugenommen haben. Bis in den August hinein hätten steigende durchschnittliche Verkaufspreise (Average Sales Price, ASP) den Markt angekurbelt. Doch mittlerweile sei der Höchststand mehr oder minder erreicht, und die hohen Investitionen zum Erweitern der Produktionskapazität könnten sich als Preis-Wachstumsbremse auswirken. Zum Vergleich: 2017 lag das Wachstum des DRAM-Markts noch bei 76 Prozent.

Dazu passt ein aktueller Bericht des Branchendienstes Bloomberg: Demnach geht Samsung davon aus, dass das DRAM-Wachstum pro Speicherbit weniger als 20 Prozent beträgt, das von NAND-Flash etwa 30 Prozent erreicht. Der letzte Wert liegt satte 10 Prozent unter der ursprünglichen Erwartung von Anfang 2018. Laut EE Times hat Samsung den Bericht bislang nicht kommentiert und lehnt auch eine Stellungnahme ab. Der Bericht zitiert ungenannte Quellen, die angeblich mit der Angelegenheit vertraut sind. In der Vergangenheit hat Bloomberg mit seinen Ankündigungen häufig richtig gelegen.

Will Samsung eine Speicher-Preisschlacht verhindern?

Von einem Abschwung kann derzeit noch nicht die Rede sein. Schließlich besagt die Meldung lediglich, dass Samsung die Fertigung seiner Chips etwas drosseln will – also weniger stark erhöht, als ursprünglich geplant. Das wäre eigentlich eine gute Nachricht, wie auch das Handelsblatt findet. Es zitiert Tetsuya Wadaki von der japanischen Investmentbank Nomura mit den Worten: "Samsung zielt darauf ab, die Preise hochzuhalten und seine Gewinne zu maximieren, anstatt Volumenwachstum zu verfolgen."

Durch frühzeitiges Gegensteuern könnte der globale Marktführer bei DRAM- und NAND-Speicherchips versuchen, Überkapazitäten und damit letztlich eine ruinöse Preisschlacht zu vermeiden. Zuletzt konnte Samsungs Chipsparte eine Gewinnmarge von über 50 Prozent ausweisen und maßgeblich zum sehr guten Konzernergebnis beitragen.

Mit den Fabelgewinnen der Speicherchip-Branche könnte es indes bald vorbei sein. Darauf deutet auch die jüngste Quartalsprognose von Micron Technology hin: Umsatz- und Gewinnaussichten liegen unter den Erwartungen der Analysten. Marktforscher DRAM Exchange geht sogar davon aus, dass Speicherchips im nächsten Jahr bis zu 25 Prozent weniger kosten als heute.

Speicherbedarf weiterhin auf sehr hohem Niveau

Andererseits ist von einem Nachfragerückgang nichts zu sehen, im Gegenteil: Aufstrebende Märkte wie die Vernetzung von Maschinen, Autos und Endgeräten sowie der zunehmende Einsatz von künstlicher Intelligenz und maschinellem Lernen dürfte die Nachfrage nach DRAM, NAND und anderen Speicherchips wie MRAM, FRAM und ReRAM über die nächsten Jahre steigen lassen.

Welche Bedeutung Speicherchips mittlerweile für die gesamte Halbleiterindustrie haben, verdeutlicht folgendes Untersuchungsergebnis der Auguren von IC Insights: Demnach werden 2018 die Kapitalinvestitionen in Produktionsmittel für die Speicher-ICS erstmals mehr als die Hälfte der gesamten Kapitalausgaben der Halbleiterbranche ausmachen. Diese werden voraussichtlich erstmals knapp die 100-Milliarden-Dollar-Marke knacken.

* Diesen Beitrag haben wir von unserem Partnerportal Elektronik-Praxis übernommen.

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