China will seine Chipindustrie zum Blühen bringen

"Big Fund" investiert Milliardenbeträge

| Autor / Redakteur: Sebastian Gerstl / Tina Billo

China will seine eigene Halbleiterindustrie zum Fliegen bringen. Um dies zu erreichen, will der China Integrated Circuit Industry Investment Fund, kurz "Big Fund", Milliardenbeträge in die Hand nehmen.
China will seine eigene Halbleiterindustrie zum Fliegen bringen. Um dies zu erreichen, will der China Integrated Circuit Industry Investment Fund, kurz "Big Fund", Milliardenbeträge in die Hand nehmen. (Bild: Pixabay / SW 1994 gemeinfrei / CC0)

China gibt jährlich 260 Milliarden Dollar für den Import elektronischer Geräte mit High-End-ICs und damit mehr als für Öl aus. Der China Integrated Circuit Industry Investment Fund, kurz "Big Fund", plant daher, eine vergleichbare Summe in den Aufbau der heimischen Chipindustrie zu pumpen. Erklärtes Ziel ist, sich damit langfristig von Importen und der derzeitigen Abhängigkeit vom weltweiten IC-Markt zu befreien.

Schon 2014 hatte China damit begonnen, in die Entwicklung von High-End-Chips zu investieren. Nun plant man offenbar einen großen Sprung nach vorne: Milliardensummen in dreistelliger Höhe sollen in die Hand genommen werden, um sicherzustellen, dass nur qualitativ hochwertige Produkte hergestellt werden, sagte der Leiter des nationalen Halbleiterfonds des Landes.

"Wir sollten uns auf jeden Fall auf die Entwicklung von High-End-Chips konzentrieren, insbesondere im Bereich CPUs, FPGAs und Speicherchips", sagte Ding Wenwu, Präsident des China Integrated Circuit Industry Investment Fund, auch bekannt als "Big Fund", in einer von ihm auf der SEMICON China Messe gehaltenen Rede.

Aufbau eines wettbewerbsfähigen Ökosystems

Der Fonds befindet sich nun in der zweiten Phase der Kapitalbeschaffung. In der ersten, im Jahr 2014, hatte der Fond knapp 22 Milliarden Dollar gesammelt. Damals wurde der "Big Fund" mit Unterstützung des Finanzministeriums und anderer von Peking unterstützter Einrichtungen ins Leben gerufen. Der Kapitalinvestor ist Chinas prominentestes Investitionsvehikel.

Ziel des Fonds ist, den Aufbau eines wettbewerbsfähigen Chip-Ökosystems in China voranzutreiben. Der Big Fund will vor allem dafür sorgen, dass die Investitionen abgestimmt verlaufen, die verschiedenen Beteiligten das Rad nicht zweimal erfinden, sich selber Konkurrenz machen und dass sie nicht in die Fertigung von Low-End-ICs investieren.

"Wir fordern die Kommunalverwaltungen nachdrücklich auf, rational in Halbleitersegmente zu investieren, und wir sind ausdrücklich gegen die Idee, dass sie ähnliche und Low-End-Chips bauen", sagte Ding auf die Frage, wie seine Agentur die Qualität der Investitionen sicherstellen würde, um eine Angebotsschwemme zu vermeiden.

Es fehlt an großen Speicherchip-Herstellern

Darüber hinaus fügte Ding hinzu, dass die Entwicklung der Halbleiterindustrie Chinas oberste Priorität sei. China importierte 2017 mehr als 260 Milliarden Dollar an Chip-bezogenen Produkten – eine viel größere Menge, als es für Öl ausgibt, so Ding. Daher haben die Produktion und Entwicklung insbesondere von hochleistungsfähigen ICs Auswirkungen auf die nationale Sicherheit und bilden einen starken Anreiz für China, unermüdlich an der Ausweitung des Sektors zu arbeiten.

China hat zwei namhafte Hersteller von mobilen Kernprozessoren - Huawei's Hisilicon Technologies und Tsinghua Unigroup's Unigroup Spreadtrum & RDA. Aber es besitzt keine substantiellen Speicherchip-Giganten wie Samsung Electronics, SK Hynix, Western Digital und Toshiba, größere Speicher-Player wie die in Taiwan ansässigen Innodisk und Winbond oder FPGA-Chiphersteller wie Xilinx und das von Intel einverleibte Altera, das nun als Intel PSG firmiert.

Breitflächige Finanzierung

In den letzten drei Jahren investierte der Big Fund in eine Vielzahl von Unternehmen, darunter Semiconductor Manufacturing International, Jiangsu Changjiang Electronics Technology, Unigroup Spreadtrum & RDA und Yangtze Memory Technology. Letzteres Unternehmen will noch in diesem Jahr mit der Massenfertigung von NAND-ICs beginnen. Marktbeobachtern zufolge soll Smartphone- und Computerhersteller Apple bereits Interesse bekundet haben.

Der Fonds finanzierte auch Naura Microelectronics Equipment und Advanced Micro-Fabrication Equipment - beides entfernte Pendants westlicher Chip-Getriebe-Giganten wie Applied Materials, Lam Research und ASML.

* Diesen Beitrag haben wir von unserem Partnerportal Elektronikpraxis übernommen.

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