Neue Chip-Fabriken

China investiert mehr als Europa und Japan zusammen

| Autor / Redakteur: Michael Eckstein / Rainer Graefen

Eigenproduktion: Chinesische Firmen investieren massiv in Fertigungsanlagen für Halbleiter-ICs. Mittlerweile haben sie Japan und Europa überholt.
Eigenproduktion: Chinesische Firmen investieren massiv in Fertigungsanlagen für Halbleiter-ICs. Mittlerweile haben sie Japan und Europa überholt. (Bild: IC Insights)

Von 1,5 auf 11,0 Milliarden US-Dollar: Chinas Halbleiterfirmen werden in diesem Jahr deutlich mehr in Chip-Fabriken investieren als noch vor vier Jahren.

Mit diesem massiven Investitionsschub folgt das Reich der Mitte seinem ehrgeizigen Plan, bereits in wenigen Jahren eine führende Rolle bei Hochtechnologien einzunehmen und beispielsweise für die Produktion von Halbleitern nicht mehr auf andere Länder angewiesen zu sein. Auch im Bereich Künstliche Intelligenz nimmt China viel Geld in die Hand und will bis zum Jahr 2030 auf diesem Gebiet weltweit führend sein.

Nach den neusten Zahlen von Marktanalyst IC Insight werden die chinesischen Unternehmen in diesem Jahr insgesamt rund 11 Milliarden US-Dollar in ihre Produktionskapazitäten für Halbleiter-ICs stecken. Und damit mehr Geld in diesen Bereich investieren als Europa und Japan zusammengenommen.

Zum Vergleich: Noch 2014 erreichten chinesische Firmen zusammen ein Volumen von lediglich 1,5 Milliarden US-Dollar. Ende 2018 wird der Betrag hingegen über 10 Prozent der weltweit getätigten Investitionen für den Aufbau neuer Fertigungslinien betragen. Diese erreichen voraussichtlich 103,5 Milliarden US-Dollar.

Drastischer Investitionseinbruch durch Fab-Lite-Modell

Seit europäische IC-Hersteller ihre Produkte bei Auftragsherstellern fertigen lassen – Stichwort "Fab-Lite"-Modell – steuern sie nur noch wenig zu den Investitionen in IC-Fertigungsanlagen bei. 2018 voraussichtlich nur vier Prozent. Noch 2005 lag der Wert doppelt so hoch. Trotz gelegentlicher Mehrausgaben europäischer Firmen in diesem Bereich geht IC Insight davon aus, dass der Anteil von in Europa ansässigen Firmen an den Investitionen mittelfristig weiter sinken wird – auf nur noch drei Prozent.

Auch bedeutende japanische Unternehmen wie Renesas oder Sony haben auf das Fab-Lite-Modell umgestellt. Hoher Wettbewerbsdruck, der Verlust ihrer vertikal integrierten Geschäftsbereiche und damit der Verzicht auf das Beliefern von Geräten für mehrere hochvolumige Endanwendungen sowie eben das Umstellen auf Fab-Lite-Modelle haben dazu geführt, dass die japanischen Unternehmen ihre Investitionen in neue Wafer-Fabriken stark reduziert haben.

2018 wird der Anteil der japanischen Unternehmen voraussichtlich nur sechs Prozent der gesamten Investitionen der Halbleiterindustrie ausmachen. Zum Vergleich: 1990 lag der Anteil noch bei 51 Prozent, 2005 immerhin noch bei 22 Prozent.

Anteil soll auf über 60 Prozent steigen

Zu den fünf größten Investoren aus dem Reich der Mitte zählen laut IC Insight die Foundry SMIC sowie die Zulieferer XMC/YMTC, Innotron, JHICC und die Foundry Shanghai Huali. Sie alle wollen neue Fabriken hochfahren. Die Auguren erwarten daher, dass jedes dieser Unternehmen in den Jahren 2018 und 2019 hohe Summen für die Ausrüstung und den Ausbau seiner neuen Fabriken ausgeben wird. Das würde dazu führen, dass der Anteil der in China ansässigen Unternehmen an den Gesamtinvestitionen in der Halbleiterindustrie in den nächsten Jahren bei über 60 Prozent liegen wird.

* Diesen Beitrag haben wir von unserem Partnerportal Elektronik Praxis übernommen.

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