Die Übernahmeschlacht geht weiter

Chipbranche: Broadcom plant Angebot für Qualcomm zu erhöhen

| Autor / Redakteur: Michael Eckstein / Tina Billo

Sehr gefragt: Qualcomm-Mobilfunkchips stecken in den meisten heutigen mobilen Endgeräten. Durch den Zukauf würde Broadcom schlagartig zum Schwergewicht im zukunftsträchtigen 5G-Markt.
Sehr gefragt: Qualcomm-Mobilfunkchips stecken in den meisten heutigen mobilen Endgeräten. Durch den Zukauf würde Broadcom schlagartig zum Schwergewicht im zukunftsträchtigen 5G-Markt. (Bild: Qualcomm)

Broadcom lässt nicht locker. Anfang November sorgte die Nachricht, den Rivalen Qualcomm für 130 Milliarden US-Dollar schlucken zu wollen, bereits für einigen Wirbel. Dieser lehnte das Angebot jedoch ab. Nun scheint es in die nächste Runde zu gehen. Laut Insidern will der Chip-Hersteller wohl nochmals eine Schippe auf sein Angebot drauflegen.

Modems und SoCs von Qualcomm treiben fast jedes aktuelle Smartphone an. Von diesem Erfolg will der Konkurrent Broadcom profitieren. So startete der Tech-Riese vor gut drei Wochen einen feindlichen Übernahmeversuch und läutete damit die wohl bislang größte und teuerste Akquisition in der Chip-Industrie ein.

103 Milliarden US-Dollar plus der Übernahme weiterer 25 Milliarden US-Dollar Schulden, so lautete die Offerte. Doch dies überzeugte den Hersteller von Mobilfunkchips noch nicht so recht. Dieser fühlte sich "dramatisch unterbewertet" angesichts seiner "Führungsposition in der Mobilfunktechnik und zukünftiger Wachstumsaussichten" und erteilte Broadcom eine Abfuhr.

Broadcom legt nach

Da Qualcomm nicht will, soll nun noch mehr Geld die Aktionäre überzeugen. So berichteten die Nachrichtenagentur Reuters und die New York Post unter Berufung auf informierte Quellen, dass der in Singapur beheimatete Konzern zwischenzeitlich direkten Kontakt zu den größten Anteilseignern aufgenommen hätte. Demnach denkt Broadcom darüber nach, mehr seiner eigenen Aktien in die Waagschale zu werfen. Allerdings sei noch nicht entschieden, in welcher Höhe das Gebot aufgestockt werden solle.

Zudem sei wohl mit dem Erhöhungsangebot eine Bedingung verknüpft: Die Qualcomm-Aktionäre sollen von der seitens des Unternehmens seit einem Jahr geplanten Übernahme des niederländischen Halbleiterfabrikanten NXP Semiconductor Abstand nehmen.

Genehmigung der EU steht noch aus

Bislang stand dem mit 38 Milliarden US-Dollar bezifferten Deal des einst Philips zugehörigen auf Automobil-, Security- und Internet-of-Things-Anwendungen spezialisieren Unternehmens noch der Widerstand der EU-Wettbewerbshüter entgegen. Denn damit könnte die bislang auf Chips für Smartphones bekannte Qualcomm zum führenden Anbieter von ICs für den schnell wachsenden Automotive-Markt aufsteigen.

Doch nachdem die japanischen Behörden laut Reuters nun bereits grünes Licht gegeben haben, will Bloomberg jetzt erfahren haben, dass auch die zuständige Kommission der EU das Geschäft wohl bis Ende des Jahres durchwinken möchte.

Das Fusionsfieber hält an

Broadcom selbst ist durch eine Megafusion entstanden: Im letzten Jahr hat die in Singapur ansässige Avago den Traditionskonzern Broadcom Corporation für 37 Milliarden US-Dollar gekauft und sich selbst in Broadcom Ltd. umgetauft. Zusätzlich plant das Unternehmen auch den Umzug seinen Firmensitzes in die USA.

Der Konzern ist derzeit der wohl größte Anbieter von WLAN- und Bluetooth-Chipsets, mit denen sich Geräte lokal vernetzen lassen. Qualcomm hingegen besetzt ohne Frage bereits heute eine Schlüsselposition an der Schwelle zur nächsten Mobilfunkgeneration, kurz 5G. Die Modems und Snapdragon-SoCs des Herstellers sind Kernbestandteile mobiler, per Mobilfunk angebundener Endgeräte.

Durch den Zukauf würde Broadcom schlagartig zum Schwergewicht im zukunftsträchtigen 5G-Markt. Neben schneller Funkdatenübertragung gilt 5G als eine Schlüsseltechnologie für das aufstrebende Internet der Dinge, also die autarke intermaschinelle Kommunikation (M2M).

Konzernzentrale soll in die USA

Doch es gibt noch eine Hürde, die Broadcom vor dem Kauf überwinden muss: Neben der Gegenwehr von Qualcomm könnte der Deal zudem an den amerikanischen Kartellwächtern und US-Präsident Trump scheitern: Das US-amerikanische Committee on Foreign Investment (CFIUS, zu deutsch: Ausschuss für ausländische Investitionen in den Vereinigten Staaten) hatte bereits den geplanten Verkauf des US-amerikanischen Halbleiterherstellers Lattice Semiconductor an die private Equity-Gesellschaft Canyon Bridge Partners kritisch bewertet und Trump empfohlen, die Übernahme zu blockieren. Was dieser letztlich auch tat.

Durch die Verlagerung des eigenen Firmensitzes in die USA könnte Broadcom zumindest diesen Bremsklotz erfolgreich aushebeln.

* Diesen Beitrag haben wir von unserem Partnerportal Elektronik Praxis übernommen.

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