Das Cloud-IT-Betriebsmodell verspricht die Wandlung von Investitionskosten in Betriebskosten Cloud Computing soll Managed Services und Outsourcing ablösen

Autor / Redakteur: Simone Schnell / Rainer Graefen

Cloud Computing klingt einfach nebulös, obwohl gleichzeitig das Versprechen im Umlauf ist, dass nun alles immens transparent wird. Trotz der modernen Namensgebung bleibt der Eindruck, dass die IT-Betriebsmodelle immer noch auf der Outsourcing-Stelle herumtreten.

Wieviel IT-Infrastruktur soll ein Rechentrum selbst betreiben?
Wieviel IT-Infrastruktur soll ein Rechentrum selbst betreiben?
( Archiv: Vogel Business Media )

Die IT funktioniert in der Wolke besser als im eigenen Rechenzentrum, lautet das Mantra aus den Werbeabteilungen. Alles ist technisch machbar und im Grunde auch bestens strukturiert,

Für den Anwender stellt sich trotz bester Um den Begriff Cloud wabern eine Reihe von Definitionen, die nicht alle stimmen und die sich manche Hersteller für ihre Verkaufsstrategie zurecht biegen, eben so, dass es passt.

Wolken sind wenig greifbar, der Begriff passt also ganz gut. Besonders schwer fällt die Abgrenzung zu anderen Angeboten im Bereich Datenauslagerung oder externes Datenmanagement.

Managed Services und Cloud Computing haben Outsourcing abgelöst

Wer Daten außer Haus gibt kann das grundsätzlich auf verschiedene Weisen tun. Outsourcing ist zwar durch seinen schlechten Leumund ein wenig aus der Mode gekommen, aber es existieren nach wie vor Angebote.

Trotzdem, mit Outsourcing zu werben ist aktuell nicht mehr en vogue. Stattdessen benutzt die IT-Branche lieber die Begriffe Managed Services und Cloud Computing. Aber auch hierbei handelt es sich nicht unbedingt um einen evolutionsbedingten Fortschritt von Outsourcing.

Ein Stück weiter waren da schon vor Jahren die Application Service Provider wie Salesforce.com, die für alle Public-Cloud-Anbieter die Vision sind. Neue technische Möglichkeiten generieren neue Begriffe und manchmal hat einfach das Marketing die alten Namen satt. Bei jeder neuen Begrifflichkeit geht das Rätsel von neuem los: Ist das nur neuer Wein in alten Schläuchen, oder steckt tatsächlich etwas Neues dahinter?

altes Bekanntes: Outsourcing

„Outsourcing bedeutet die vollverantwortliche Übertragung betrieblicher Funktionen außerhalb der Kernkompetenz von Unternehmen an externe Dienstleister zur Verminderung der Fertigungs- oder Leistungstiefe.“ So zumindest definiert die Bitkom die Auslagerung im Allgemeinen.

Auf die IT konkretisiert führt die Organisation aus: IT-Outsourcing bezeichnet die Übernahme der Verantwortung für den Betrieb von IT-Systemen und des damit verbundenen IT-Managements auf partnerschaftlicher Basis und auf der Grundlage vereinbarter Leistungen und Service Level Agreements (SLA). Die Outsourcing-Leistungen können die Infrastruktur-, die Applikations- oder Anwendungs- oder die Prozessebene beinhalten.

Was da sehr theoretisch klingt, fasst Andre Kiehne, Vice President Services bei Fujitsu, ein wenig griffiger zusammen: „Beim Outsourcing werden Teile der IT oder alle bestehenden Prozesse und Assets auf einen Provider übertragen, der die komplette Verwaltung der ihm übergebenen Infrastruktur übernimmt.“

Das Konzept sei vor ein paar Jahren das Nonplusultra in Sachen Auslagerung und erfolgreich gewesen. Es handele sich allerdings um ein sehr unflexibles Modell, da die Vertragslaufzeiten zehn Jahre und länger betrügen.

weiter mit: Erfolgsmodell Managed Services

Der Anwender sei damit extrem festgelegt. Auch der Provider habe einen Aufwand. „Der Dienstleister muss die Infrastruktur ordnen und sie in einen sogenannten „Future Modus Operations“ überführen, damit das Ganze im Rechenzentrum des Providers auch funktioniere“, so Kiehne.

Das heißt letztlich nichts anderes als – aktualisieren. Denn oft entscheiden sich Firmen für neue IT-Wege, wenn etwas im Argen liegt.

Zwischen den Stühlen, aber erfolgreich: Managed Services

Um vor allem die unzureichende Flexibilität zu verbessern, entwickelten sich aus dem klassischen Outsourcing Modell die Managed Services. Hier gehört die Infrastruktur ebenfalls dem Kunden, er behält die Kontrolle über seine Umgebung. Das Management, der Betrieb oder die Wartung übernimmt der Dienstleister.

Der Kunde kann verschiedene Leistungen wie Server- oder Storage-Dienste je nach Bedarf buchen. Die Services können im anwendereigenen Rechenzentrum oder außerhalb bei einem Provider stattfinden und zeichnen sich durch weniger lange Laufzeiten der Verträge und flexiblere Gestaltbarkeit aus. Allerdings gibt es heute auch Outsourcing genannte Angebote, die je nach Nutzung abrechnen.

Die Weiterentwicklung dieser Managed Services sind standardbasierte Angebote – bei den Service Level Agreements (SLAs), bei Tools oder bei Prozessen. Spätestens hier wird die Differenzierung zur Cloud eine Gratwanderung. Denn die Services an sich sind sowohl im Managed-Bereich als auch in der Cloud dieselben.

Das transparente Cloud Computing

Eine standardisierte Umgebung, die zentrale Ressourcen für verschiedene Kunden bereitstellt, das ist ein Cloud-Angebot. In früheren Jahren bezeichnete der Begriff „Cloud“ das Internet.

Cloud Computing mit „irgendwas im Internet“ zu verwechseln, wäre aber falsch. Während sich die Managed Services in Richtung Standards bewegen, erlebt Cloud Computing nach der Teilung in „Public“ und „Private“ schon wieder die Symbiose in Form der Hybrid Cloud.

Fujitsu-Mann Kiehne sieht hierin den größten Vorteil der Cloud: „Beide Varianten sind möglich. Die Kombinatorik macht die Cloud aus. Sensible Daten können im Rechenzentrum des Anbieters in einer privaten Wolke verwaltet werden, weniger kritische Daten bleiben in der Shared-Umgebung.“

Das ist natürlich auch eine Kostenfrage – geteilte Umgebungen sind günstiger zu haben – , aber Kiehne hat die Erfahrung gemacht, dass der Anwender nicht mehr alle Prozesse kennen kann oder will und schlicht von der Vielfalt in der Cloud profitieren will. Und genau dorthin gehe auch der Trend.

Sicherheitsfragen könnten entscheidend sein

Möglicherweise ist bei der Entscheidung zwischen Cloud und Managed Services nicht das Leistungsangebot der wichtigste Differenziator, sondern der Funktionsumfang des Sicherheitsangebots.

Von Vorteil ist es, wenn die Rechenzentren der Cloud-Anbieter in Deutschland stehen. Dann nämlich gilt der deutsche Datenschutz. Ein kleines Problem für Google und Amazon, die auch Cloud-Dienste anbieten.

Deren Datenfarmen stehen aber irgendwo auf der Welt. Darunter leidet vielleicht nicht unbedingt der Datenschutz. Nach den Compliance-Regeln mancher deutscher Gesetze ist die Datenlagerung dort jedoch nicht erlaubt.

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