Faktencheck Cloud-Migration: Die 5 populärsten Irrtümer

Ein Gastbeitrag von Bernd Hennicke*

Acht von zehn deutschen Unternehmen nutzten im vergangenen Jahr bereits Anwendungen aus der Cloud, so eine Auswertung des Bitkom. Und bis 2025 wird wohl die Hälfte aller genutzten Anwendungen aus der Cloud kommen. Trotz dieses rasanten Wachstums gibt es aber immer noch große Bedenken und Fehleinschätzungen hinsichtlich der Cloud.

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Unternehmen zögern immer noch vor dem Schritt, ihre eigenen Rechenzentren in die Cloud zu migrieren, obwohl diese ihre Stärken im Vergleich zu bestehenden On-Premises-Lösungen schon längst bewiesen hat.
Unternehmen zögern immer noch vor dem Schritt, ihre eigenen Rechenzentren in die Cloud zu migrieren, obwohl diese ihre Stärken im Vergleich zu bestehenden On-Premises-Lösungen schon längst bewiesen hat.
(Bild: © metamorworks - stock.adobe.com)

Die Covid-19-Pandemie und der Wechsel zu hybriden Arbeitsmodellen haben die Cloud-Migration beschleunigt, und viele Unternehmen erkennen nun, dass ein Wechsel in die Cloud mehr Flexibilität, Reaktionsfähigkeit, Innovation, Effizienz und vieles mehr ermöglicht. Angesichts begrenzter Ressourcen – darunter vor allem Zeit – zögern viele Unternehmen allerdings noch, vom eigenen Rechenzentrum in die Cloud zu migrieren. Dieses Zögern beruht in der Regel auf Bedenken hinsichtlich der wahrgenommenen Kosten und Risiken.

Um eine fundierte Entscheidung treffen zu können, muss man sich der Fakten über die verfügbaren Optionen bewusst sein. Denn es halten sich immer noch viele falsche Vorstellungen, was Cloud-Migration betrifft.

Vorurteil Nr. 1: „On-Premises-Daten sind sicherer“

Datensicherheit und Datenschutz sind heute für alle Unternehmen von größter Bedeutung, und immer komplexere Angebote und Dienste verlangen auf diesem Gebiet nach einer Aufrüstung. Wer sich schon einmal intensiv mit IT-Sicherheit befasst hat, weiß, welche enormen Ressourcen notwendig sind, um Daten richtig abzusichern – sowohl personell als auch technologisch. Vor allem kleinere Unternehmen könnten mit den Sicherheitsmaßnahmen der großen Hyperscaler oft nicht mithalten – für sie kann der Wechsel in die Cloud eine Verbesserung der eigenen Sicherheit bedeuten.

Das soll natürlich nicht heißen, dass man Inhouse-Sicherheit vernachlässigen sollte, ganz im Gegenteil: Bei der Auswahl eines Cloud-Anbieters ist es wichtig, dass Unternehmen einen Anbieter wählen, den sie als Erweiterung des eigenen Sicherheitsteams betrachten können. Der Cloud-Anbieter verwaltet die Sicherheit und den Datenschutz rund um die Uhr und sorgt dafür, dass die Branchenstandards und Datenschutzverpflichtungen eingehalten werden und die eigenen Daten mindestens so sicher sind, wie sie es im eigenen Rechenzentrum wären, wenn nicht sogar sicherer.

Vorurteil Nr. 2: „Cloud bedeutet Kontrollverlust“

Cloud-Anbieter wollen nicht, dass Unternehmen die Kontrolle über ihre Anwendungen und Daten verlieren. Durch die Migration in die Cloud können Unternehmen sogar noch mehr Kontrolle über ihre Anwendungen und Daten gewinnen. Das kann durch klar definierte Service-Level-Agreements (SLAs) erreicht werden, in welchen Servicebeschreibungen die Standardprotokolle für die Verwaltung von Daten/Inhalten definieren und so den Spielraum für Manipulationen und Risiken verringern. Es ist dabei allerdings wichtig, den Cloud-Anbieter als Partner zu betrachten, der Anwendungen hostet und Daten speichert, und nicht als potenzielles Risiko.

Außerdem sollten Unternehmen die verschiedenen Cloud-Bereitstellungsmodelle genau verstehen: Zwischen Private, Public und Hybrid-Cloud gibt es in der Praxis einige Unterschiede. Für eine erfolgreiche Partnerschaft mit einem Cloud-Anbieter müssen Unternehmen ihre organisatorischen Anforderungen also genau kennen. Dabei sind einige Fragen zu berücksichtigen: Welche Informationen müssen für wen und wo verfügbar sein? Welches Sicherheitsniveau soll für den Zugang und die Informationen selbst gelten? Welche Workloads sollten in der Cloud vorrangig genutzt werden? Müssen die Informationen in Echtzeit zur Verfügung stehen? Wie wird sich das auf die IT auswirken? Verfügen wir über die Ressourcen und Fähigkeiten, um dies zu umzusetzen?

Vorurteil Nr. 3: „Das eigene Rechenzentrum ist günstiger“

Eine Cloud-Lösung kostet Geld, keine Frage, aber was viele nicht bedenken: das Rechenzentrum auch. Es gibt viele versteckte Kosten, die On-Premises-Lösungen tatsächlich teurer machen. Zum Beispiel: Zuweisung gemeinsamer Infrastrukturkomponenten, Wartung, Upgrades, Aktualisierungszyklen, Sicherheit, Datenschutz, Gemeinkosten und Leistungsoptimierung.

Unternehmen sollten daher immer die Gesamtbetriebskosten (Total Cost of Ownership, TCO) von On-Premises-Lösungen im Vergleich zu einer Cloud-Migration berücksichtigen. Viele Cloud-Anbieter beziehen diese Positionen direkt in ein monatliches Betriebsbudget ein, so dass Unternehmen ihre Ressourcen anpassen und ihre Ausgaben besser planen können.

Vorurteil Nr. 4: „Unser IT-Team ist noch nicht bereit für die Cloud“

Anstatt sie mit neuen Zuständigkeiten zu belasten, ermöglicht die Migration in die Cloud den IT-Teams, sich auf ihre Kernkompetenzen zu konzentrieren und somit Abläufe effizienter zu gestalten. Es ist die Aufgabe des Cloud-Partners, die Migration zu unterstützen und die Lücke bei den Cloud-Skills der Unternehmen zu schließen. Dazu gehören in der Regel die Bewertung, Planung und Durchführung der Migration selbst sowie das Onboarding und die Gewährleistung einer nahtlosen Implementierung und Inbetriebnahme.

Zu den wichtigsten Strategien zur Überbrückung der Qualifikationslücke, die für die Migration in die Cloud erforderlich ist, gehören die Weiterbildung vorhandener IT-Mitarbeiter, Neueinstellungen und die Zusammenarbeit mit Managed-Service-Anbietern.

Vorurteil Nr. 5: „Es gibt nur die eine Cloud“

Es gibt nicht die Einheitslösung für alle. Stattdessen können Unternehmen mit Cloud-Anbietern zusammenarbeiten, um den besten Plan für ihre individuellen Bedürfnisse zu ermitteln und so flexible Wege für eine erfolgreiche Cloud-Migration zu schaffen.

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Beispiele für flexible Optionen zur Migration von Informationsmanagement-Lösungen in die Cloud sind:

  • Unternehmen, die noch nicht bereit sind, vollständig in die Cloud zu migrieren, können weiterhin mit On-Premises-Systemen arbeiten, aber ein Upgrade auf eine Cloud-native Version durchführen. Dadurch können sie komplexe Anpassungen standardisieren und möglicherweise vermeiden, wenn sie sich auf die zukünftige Cloud-Migration vorbereiten. Diese Option ermöglicht schnellere Aktualisierungen und ist eine einfachere und kostengünstigere Lösung.
  • Unternehmen haben die Möglichkeit zu optimieren, indem sie in ihrem eigenen Tempo auf die Cloud umsteigen, ohne ein Upgrade durchzuführen. Dies beinhaltet die Nutzung von Cloud-Vorteilen wie einem einzigen Service-Level-Agreement (SLA), gestrafften Prozessen und verbesserter Verantwortlichkeit – dies alles bei Beibehaltung der aktuellen Software-Version.
  • Der Cloud-Partner bereitet Anwendungen und Daten vollständig für den Wechsel in die Cloud vor. Unternehmen können so die Vorteile der Cloud optimal nutzen, da ihnen stets die aktuellste Version zur Verfügung steht.

Alles nur halb so schlimm!

Durch die Migration in die Cloud profitieren Unternehmen in den meisten Fällen von verbesserter Sicherheit und Datenschutz, behalten weiterhin die Kontrolle über ihre Daten und senken gleichzeitig sogar die Gesamtbetriebskosten. Verbreitete Vorurteile lassen sich daher in der Regel ausräumen, und es zeigt sich immer mehr, dass die Cloud zukünftig zum Standard-Backbone für die meisten Unternehmen zählen wird.

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