Die Cloud-Storage-Abrechnungsmodelle von Amazon, Google, Azure, Telekom und OVH im Vergleich – Teil 3

Das bezahlen Sie in der Open Telekom Cloud

| Autor / Redakteur: Dr. Dietmar Müller / Dr. Jürgen Ehneß

Im dritten Teil unserer Cloud-Storage-Abrechnungsmodelle steht die Open Telekom Cloud auf dem Prüfstand.
Im dritten Teil unserer Cloud-Storage-Abrechnungsmodelle steht die Open Telekom Cloud auf dem Prüfstand. (Bild: © metamorworks - stock.adobe.com)

Bei den Abrechnungsmodellen für Storage-Angebote aus der Cloud kochen die vielen Anbieter ihre eigenen Süppchen. Abgerechnet wird mal nach Stunden oder sogar Sekunden, pro Nutzer oder pro Gigabyte. Wir haben die Abrechnungsmodelle vorzugsweise für das angesagte Object-Storage auf den Prüfstand gestellt und vergleichen die Speicherangebote von AWS, Google Cloud, Azure, Telekom und OVH.

Im ersten Teil unserer Übersicht haben wir die Google Cloud unter die Lupe genommen, und in Teil 2 waren Amazon S3 und Microsoft Azure Storage an der Reihe. in diesem dritten Teil folgt nun das Abrechnungsmodellübersicht der Open Telekom Cloud.

Beispiel 4: Preisgestaltung für die Open Telekom Cloud

Was aber, wenn Anwender trotz eines gewählten Rechenzentrumsstandortes in Frankfurt/Main kein Vertrauen in die drei genannten Hyperscaler haben? Nun, wir haben ja auch Anbieter aus deutschen Landen am Markt, allen voran natürlich die Telekom. Sie offeriert selbst und auch über ihre Tochter T-Systems diverse Cloud-Storage-Angebote. Den drei Hyperscalern ebenbürtig dürfte am ehesten die 2016 auf der CeBIT in Hannover vorgestellte Open Telekom Cloud sein.

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26.08.19 - Storage-Angebote aus der Cloud haben die verschiedensten Ausformungen. Leider auch die Abrechnungsmodelle dafür – gerne kochen die vielen Anbieter ein eigenes Süppchen. Abgerechnet wird mal nach Stunden oder sogar Sekunden, pro Nutzer oder pro übertragenem Gigabyte. Wir haben uns die Abrechnungsmodelle vorzugsweise für das angesagte Object-Storage genauer angesehen und vergleichen die Speicherangebote von AWS, Google Cloud, Azure, Telekom sowie OVH. lesen

„Ein kleines Start-up kann mit der Open Telekom Cloud seine IT-Ressourcen genauso sicherstellen wie ein mittelständisches Unternehmen oder ein Traditionskonzern“, so Jürgen Wilde, Vice President Managed Infrastructure Public Cloud bei T-Systems. „Der größte Unterschied liegt im sehr niedrigen Preis, in der Sicherheit nach deutschen Datenschutzgesetzen und in der hohen Benutzerfreundlichkeit. Und das beim gleichen Funktionsumfang, den etablierte Cloud-Angebote haben“, so Wilde weiter.

Tatsächlich punktet die Open Telekom Cloud einerseits mit seiner Openstack-Basis und andererseits dem Standort: „Wir setzen mit der Cloud dort an, wo zum Beispiel amerikanische Anbieter scheitern – die Cloud wird deutschen Compliance-Anforderungen gerecht. Sie ist geeignet für Unternehmen, die zum ersten Mal eine Cloud-Infrastruktur nutzen, bietet aber auch Wiedererkennungswert für jene, die bereits Dienste wie Amazon Web Services nutzen und wechseln möchten“, so Wilde.

Wie aber sieht es mit der Preisgestaltung und der Nutzerfreundlichkeit aus? Einige Analysten bescheinigen dem Angebot der Telekom, dass es den drei großen Hyperscalern überlegene Dienste offeriert, speziell in den Bereichen „CPU and Memory Performance Multi Core“, „Storage Read Performance“, „CPU Performance per Euro“ sowie „Storage Read Performance per Euro“.

Unterschiedliche Cloud-Speicher-Arten

Das wollen wir selber überprüfen; auch die Telekom hat einen Preisrechner ins Netz gestellt. Wieder planen wir per Object-Storage ein paar Terabyte (TB) in die Cloud zu verlagern. Wie geht das bei der Open Telekom Cloud?

Nun, zunächst kann man feststellen, dass die Telekom analog zu ihren US-amerikanischen Wettbewerbern unterschiedliche Arten von Cloud-Speichern anbietet: Backup & Disaster Recovery, Elastic Volume Storage (EVS), Object Storage Service (OBS) und Scalable File Service (SFS). Uns interessiert beispielhaft OBS.

Der OBS bietet 99,999999999 (!) Prozent Datenbeständigkeit und eine sehr hohe Verfügbarkeit. Die Gesamtgröße des Object Storage skaliert fast unbegrenzt und steht in drei Leistungsklassen zur Verfügung – cold, warm und standard – und entspricht damit im Prinzip wieder den Angeboten der drei in Teil 1 (Google Cloud) und Teil 2 (Amazon S3 und Microsoft Azure Storage) untersuchten Hyperscaler.

Der OBS muss natürlich in eine IT-Umgebung eingebunden werden. Die Telekom stellt dafür die zwei Programmierschnittstellen „Swift“ von Openstack und das bereits dargestellte Amazon S3 bereit plus eine webbasierte Managementkonsole, einen Cloud-Storage-Web-Client und ein Software-Development-Kit (SDK) für Entwicklungsprojekte.

Beim Object-Storage wird – das wird Ihnen bekannt vorkommen – nur der tatsächlich genutzte Speicher abgerechnet. Allerdings fallen für den Zugriff auf den Object-Storage zusätzliche Kosten an; auch das kennen wir mittlerweile. Für je 1.000 Requests werden 0,7 Cent in Rechnung gestellt. Die Datenmenge wird in Staffelpreisen abgerechnet: 0 bis 5 Gigabyte (GB), bis 1 TB, bis 50 TB, bis 500 TB, bis 1 Petabyte (PB), bis 5 PB sowie bis 10 PB – beim Erreichen höherer Staffeln sinkt der Preis. Genau wie bei den Wettbewerbern fallen zudem für Outbound-Traffic Kosten für Netzdienste an. Die Mindestspeicherfrist beträgt 90 Tage.

Wiederherstellungskosten

Auch hier ein kleines Beispiel: Nehmen wir an, Mitte des Monats werden 4.000 GB in 1 Million Dateien in den Object-Storage hochgeladen. Pro hochgeladener Datei wird – unabhängig von der Dateigröße – ein Request verrechnet. Für 1 Million Requests fallen Kosten von 7 Euro (1.000 x 0,7 Cent) an. Da die Daten zur Mitte des Monats hochgeladen wurden, ergibt sich ein Monatsdurchschnitt von 2.000 GB. Diese werden auf verschiedene Staffeln verteilt. Plus die Kosten für Requests sind dann 51,38 Euro im Monat fällig.

Cold-Object-Storage wird genauso verrechnet wie Standard-Object-Storage, es kommen aber langsamere Speichermedien zum Einsatz. Die Wiederherstellung von Daten verursacht je nach Geschwindigkeit – Bulk, Standard oder Expedited – zusätzliche Kosten. Warm-Object-Storage verhält sich in Bezug auf den Datentransfer und Requests analog zum Standard-Object-Storage, bietet jedoch günstigere Preise für den Speicher und leicht erhöhte Preise für die Requests.

Damit aber leider nicht genug – die Telekom berechnet genau wie die Wettbewerber auch Netzwerkaktivitäten. Der Datentransfer über den Standard-Protokoll-Layer HTTP/REST auf die und innerhalb der Open Telekom Cloud ist kostenlos, für den Download oder das Versenden von Daten werden wieder Staffelpreise nach Datenvolumen fällig. Es kommen zwei Verrechnungsmodelle zum Einsatz: Elastic IP und Elastic Load Balancer.

Dazu ein weiteres Beispiel: Ein Unternehmen hält einen Datenbestand von 100 TB in der Open Telekom Cloud. Im Laufe des Monats werden weitere 15 TB hinzugefügt. Im selben Zeitraum haben Nutzer die abgelegten Daten verwendet. Insgesamt wurden durch die Nutzerzugriffe 20 TB Daten heruntergeladen. Unterm Strich (wir lassen die ganze Staffelung unter den Tisch fallen) bringt es der Datenverkehr dann auf 1.243,93 Euro im Monat.

Staffelpreise für Domains

War’s das? Natürlich nicht. Für Domain-Name-Services werden zusätzlich Staffelpreise für die Domains zugrundegelegt. Kommt Direct Connect zum Einsatz, etwa wenn eine Verbindung zur Open Telekom Cloud über MPLS oder Ethernet Connect erfolgen soll, wird nach Bandbreite abgerechnet. Es werden 1-G- und 10-G-Ports zur Anbindung angeboten, die einmalige Einrichtungsgebühr beträgt 249 Euro.

Viele Security-Services der Open Telekom Cloud wie Identity und Account Management, der Anti-DDos-Service sowie die EVS und OBS Encryption sind gratis, zusätzliche Optionen kosten aber. Genau wie Managementdienste, die Folgeaktionen auslösen, als da wären: Distributed Messaging Service (DMS) und Simple Message Notification (SMN).

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Unterm Strich lässt sich die Behauptung von Wilde, wonach die Open Telekom Cloud günstiger zu nutzen ist als die drei großen internationalen Hyperscaler, nur schwer überprüfen. Bestätigt werden kann aber, dass der Service der Telekom nicht komplexer ist als derjenige der genannten Wettbewerber. Auch die Benutzeroberfläche der Open Telekom Cloud unterscheidet sich nur marginal von denjenigen der anderen. Wilde spielt dafür die Karte der „menschlichen Komponente“ – deutsche Firmenkunden hätten stets deutsche Ansprechpartner, die ihnen im Zweifelsfall „unter die Arme greifen“ könnten.

Ein definitiver Pluspunkt ist das Vermeiden des Vendor Lock-in: Die Open Telekom Cloud basiert auf dem „Open-Source-Cloud Betriebssystem“ Openstack. Anwender können jederzeit wechseln, nach Vertragsablauf lassen sich sämtliche Daten migrieren. Das fordert auch der Artikel 20 der DSGVO. Die Telekom hält bei Beendigung des Vertrages alle Daten dreißig Kalendertage lang zur Abholung bereit. Sollte der Kunde die Daten nicht mehr wollen, werden sie auf allen Datenträgern vernichten.

Im finalen Teil 4 unserer Preismodellübersicht folgt das Angebot des französischen Unternehmens OVH.

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