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Der Brückenschlag zwischen LAN und SAN ist eine Bauruine Das Netzwerkprotokoll Fibre Channel over Ethernet steht auf dem Abstellgleis

Autor / Redakteur: Julia Schönemann / Rainer Graefen

Ausgang des letzten Jahrzehnts noch Liebling der Storage-Fans, erreicht das Fibre-Channel-over-Ethernet- Protokoll bislang nicht die von Herstellern und Analysten propagierte Marktakzeptanz. Ist der Standard tot oder sogar schon stillschweigend beerdigt werden?

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Im Jahr 2010 war die Welt konvergenter Netzwerkadapter noch in Ordnung. Inzwischen hört und liest man nichts mehr über diese Technik. Das Marketingbudget ist inzwischen auf dem niedrigst möglichen Level angekommen.
Im Jahr 2010 war die Welt konvergenter Netzwerkadapter noch in Ordnung. Inzwischen hört und liest man nichts mehr über diese Technik. Das Marketingbudget ist inzwischen auf dem niedrigst möglichen Level angekommen.
(Dell´Oro)

Der Rummel um Fibre Channel over Ethernet (FCoE) ist verflogen. Die von Analysten ursprünglich erwartete rasante Umsatzentwicklung korrigiert. Bester Beleg hierfür ist, dass 2011 der vom US-amerikanischen Marktforschungsunternehmen Dell’Oro Group zwei Jahre zuvor prognostizierte Wendepunkt ausblieb.

Dass die mit dem Verkauf von FCoE-Lösungen erzielbaren Einnahmen über denen klassischer Fibre-Channel-Produkte liegen werden, hat sich jedenfalls nicht bestätigt. Vielmehr sieht das Geschäft nach wie vor anders aus.

Flügellahmer FCoE-Markt

Unter zwei Millionen FCoE-Ports sollen gegenüber 4,5 Milliarden Fibre-Channel-Ports in diesem Jahr zur Auslieferung gelangen. Jüngste von Infonetics Research vorgelegte Zahlen bestätigen die vorherrschende Schere: Im zweiten Quartal 2012 kämpften gemäß des Marktberichts vor allem die Hersteller von SAN-Adaptern mit einem Umsatzrückgang in Höhe von zwei Prozentpunkten. Zurückzuführen ist dies nach Aussage der Analysten vor allem auf den schleppenden Absatz der konvergenten Netzwerkadapter.

Auch wenn die Anbieter FCoE-fähiger Switches in diesem Zeitraum monetär besser abschnitten – „raketenhaft“ so das Attribut – nutzen Unternehmen jedoch nur zu einem geringen Prozentsatz das Protokoll, das die Daten- und die Speichwelt zusammenführt. Unter 40 Prozent der Lösungen kommen nach Ansicht von Sameh Boujelbene, die für Dell’Oro den Netzwerkmarkt beobachtet, zur Übermittlung des FCoE-Datenverkehrs zum Einsatz. Stuart Miniman, der als Analyst für die Web 2.0-Community mit dem Namen Wikibon-Projekt tätig ist, behauptet gar, dass das Protokoll im vergangenen Jahr gerade einmal in weniger als zehn Prozent aller SAN-Umgebungen eine Rolle spielte.

Schuster bleib bei deinen Leisten

Obwohl einiges für FCoE spricht – 29 Prozent geringere Infrastrukturkosten, 50 Prozent Einsparung bei Stromverbrauch und Kühlung, Senkung der Ausgaben für die Verkabelung um 80 Prozent – gibt es auch mannigfaltige Gründe, warum der Erfolg von FCoE hinter den anfänglichen Hoffnungen zurückbleibt. Stan Zaffos, Gartner-Analyst, kann im Vergleich zu anderen Technologien beispielsweise kaum Vorteile erkennen. Er bezweifelt, dass der Wechsel auf FCoE die Verfügbarkeit von Daten verbessert oder in einer höheren Leistung resultiert.

Zaffos räumt zwar ein, dass sich die Infrastruktur einfacher gestaltet – das Management hingegen vereinfacht sich nur unwesentlich. In diesem Zusammenhang verweist er darauf, dass sich an der aufwändigen Einrichtung von LUNs, dem Zoning und der Zuweisung von Ressourcen nichts ändert. Dementsprechend weiterhin ein Fibre-Channel-Administrator nötig ist, der sich um die Speicher-Bereitstellung kümmert.

Dies lohnt sich nach Meinung von Miniman jedoch nur dann, wenn über 200 Server in Betrieb sind. Bei kleineren Installationen erachtet er iSCSI als sinnvollere Lösung. Erschwerend kommt hinzu, dass nur eine kleine Zahl an Herstellern den FCoE-Markt beherrscht - unter ihnen Cisco, Brocade, Qlogic, oder HP.

Sie alle kochen hinsichtlich der Implementierung der verschiedenen Standards ihr eigenes proprietäres Süppchen. Bestrebungen gemeinsam an Features und Funktionen zu arbeiten sind nicht erkenntlich. Die daraus resultierende mangelnde Interoperabiltiät steht einer schnellen Verbreitung von FCoE ebenfalls entgegen.

Anwenderverhalten zögerlich

Vor diesem Hintergrund erstaunt es kaum, dass für die überwiegende Mehrheit an Unternehmen, die über Wechsel auf ein konvergentes Netz nachdenkt, FCoE nicht als Technologie erster Wahl gilt. Eine von Gartner unter IT-Verantwortlichen durchgeführte Befragung ergab, dass die Hälfte in dieser Beziehung bereits auf iSCSI oder NAS setzt, beziehungsweise plant. Nur 32 Prozent gaben an, FCoE in Erwägung zu ziehen. Eine Untersuchung von TheInfoPro unterstreicht zudem, dass die Akzeptanz rückläufig zu sein scheint.

Innerhalb von nur einem Jahr entwickelte sich die Zahl derjenigen, für die FCoE keinerlei Rolle spielt, von 49 auf 65 Prozent. Dies zeigt deutlich, dass letztlich die Anwender über das Schicksal der Technologie entscheiden. Sie von deren Mehrwert zu überzeugen, ist Sache der Hersteller. Diese tun sich jedoch noch schwer, klar zu machen, welche Vorteile der Schritt von bewährten, durchgängigen Fibre-Channel-Umgebungen auf FCoE in der Praxis bietet.

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