Frank Karlitschek im Interview

Das steckt hinter Nextclouds Strategie

| Autor / Redakteur: Dirk Srocke / Florian Karlstetter

Frank Karlitschek plant eine Reihe neuer Partnerschaften.
Frank Karlitschek plant eine Reihe neuer Partnerschaften. (Bild: Nextcloud GmbH)

Mit Filesharing gestartet, bauen die Nextcloud-Macher ihre Open-Source-Software immer weiter zur Content-Collaboration-Platform aus. Wohin das in Zukunft führen soll, erklärt Frank Karlitschek als Gründer und CEO im Interview.

„Klotzen – nicht kleckern“ heißt es mittlerweile immer dann, wenn Nextcloud ein Update seiner Collaboration-Plattform zum Download bereitstellt. Denn neben zahlreichen Detailverbesserungen treibt der Anbieter dabei auch größere Integrationen voran. Mit Release 15 implementierte man kürzlich das Activity-Pub-Protokoll, mit dem Kunden Enterprise Social-Networks aufsetzen können. Wir haben den CEO der Nextcloud GmbH zu dieser Strategie und weiteren Plänen befragt.

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Nextclouds Wurzeln liegen ja im Bereich „Enterprise-File-Sync-and-Share“. Was hat Sie dazu bewogen, die Lösung Richtung „Team-Productivity“ weiterzuentwickeln?

Frank Karlitschek: Wir verstehen File-Sync-und-Share als Weiterentwicklung des klassischen Fileservers. Typische File-Sync-und-Share-Lösungen bieten Versionierung, ein Webinterface, Mobile Integration, Sharing und viele andere Funktionen, die ein klassischer Fileserver wie Samba, Netware oder Windows Server nicht bietet.

Allerdings steht die Entwicklung hier nicht still. Zukünftig werden Collaboration- und Kommunikationsfunktionen in File-Sync-und-Share Einzug halten. Für uns ist das die logische Weiterentwicklung, die auch von unseren Usern und Kunden angefragt wird.

Könnte man diese Strategie auch als Zugeständnis an den nach der Trennung von ownCloud präsentierten Partner Niels Mache verstehen?

Karlitschek: Den Trend, File-Sync und -Share in Richtung Collaboration und Team-Productivity weiterzuentwickeln, kann man weltweit beobachten. Google Suite und Office365 sind hier als Beispiele zu nennen. Gartner hat letztes Jahr den Enterprise-File-Sync-und-Share-Markt in den Content-Collaboration-Platform-Markt umbenannt, was diesen Trend bestätigt. Ich bin froh, dass wir als Nextcloud hier Vorreiter sein dürfen.

Nutzer können mit Nextcloud mittlerweile an Videochats teilnehmen, Dokumente bearbeiten und neuerdings auch soziale Netzwerke aufbauen – fürchten Sie nicht, eine komplexe Plattform zu schaffen und den Fokus auf das Wesentliche zu verlieren?

Karlitschek: Für uns ist das Wesentliche, eine Plattform zu bieten, innerhalb der unsere Nutzer und Kunden produktiv arbeiten können. Das umfasst Kommunikation und Kollaborationsfunktionen. Unsere Kunden freuen sich, dass Sie aus einem reichhaltigen Angebot von Apps diejenigen auswählen und aktivieren können, die für sie wichtig sind. Durch die flexible Architektur mit zahlreichen Erweiterungen, die von uns und Partnern zur Verfügung gestellt werden, erhält der Benutzer immer genau das System, das er sich wünscht.

Und aus Anwendersicht: Sind Sie sicher, dass Nutzer mit der Vielzahl an Möglichkeiten umgehen können – also tatsächlich produktiver arbeiten, statt überfordert zu sein?

Karlitschek: Bei Nextcloud steht die User-Experience an erster Stelle. Wir bekommen heute schon viel positives Feedback für unsere User-Interfaces, die gleichzeitig sehr funktional, aber auch einfach zu benutzen sind. Trotzdem versuchen wir, die User-Experience in jedem Release weiter zu verbessern.

Machen wir es einmal ganz konkret am ab Release 15 unterstützten Activity-Pub-Protokoll fest: Welchen Mehrwert haben Kunden davon?

Karlitschek: Soziale Interaktion ist heute bereits Teil der Workflows in Unternehmen. Als Beispiel sind hier Yammer von Microsoft, Facebook at Work oder Google Plus for Business zu nennen. Genau wie unsere Mitbewerber integrieren wir Soziale-Netzwerk-Funktionalitäten in die Produktivitäts- und Kommunikationsfunktionen der Unternehmen. Allerdings sind wir durch die Verwendung eines offenen Standards wie Activity Pub offener und verteilter als alle unsere Mitbewerber.

Zur Nextcloud Conference 2018 hatten Sie „Federated Nextclouds“ angekündigt. Wie ist hier der aktuelle Stand, und wird Activity Pub ein Teil davon sein?

Karlitschek: Die Federation-Funktionen zwischen Nextcloud-Usern existieren seit vielen Jahren. Es handelt sich hier um eine strategisch wichtige Funktionalität für eine dezentrale federated Architektur, mit der die Rechte der Benutzer und der Datenschutz sichergestellt werden können. Activity Pub ist hier in der Tat die logische Erweiterung durch die Unterstützung der Sozialen Funktionen.

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Das Geschäft um EFSS wie Enterprise Collaboration ist hart umkämpft – selbst IBM hat Notes/Domino abgegeben und Watson Workspace kürzlich eingestellt. In welchem Marktsegment wollen Sie sich künftig erfolgreich positionieren?

Karlitschek: Wir sind klar im Content-Collaboration-Platform-Markt als Alternative zu Office365 und G Suite positioniert. Wir sind das leistungsfähigste Produkt, das on premises betrieben werden kann und Open-Source ist.

Welcherlei Funktionen und Partnerschaften werden Nextcloud-Nutzer in den kommenden Jahren noch erwarten können?

Karlitschek: Durch die Unterstützung von offenen Standards und durch unsere offene Open-Source-Lizenz fällt es uns sehr leicht, uns mit anderen Software-Produkten zu integrieren. Wir planen eine ganze Reihe an neuen Partnerschaften. Sie dürfen gespannt sein.

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