Data-Center-Fabric – Server- und Speichernetze wachsen zusammen Das vernetzte Rechenzentrum: Brocade präsentiert integrative Lösung von SAN, FAN und LAN

Redakteur: Ulrich Roderer

Brocade bündelt seine Techniken zu einer neuen Architektur: Data Center Fabric (DCF) soll Rechenzentren flexibler und sicherer machen.

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Brocade integriert verschiedene Netze in der Data Center Fabrik
Brocade integriert verschiedene Netze in der Data Center Fabrik
( Archiv: Vogel Business Media )

Ziel der neuen Brocade-Strategie ist es, ein neues Fundament für die Rechenzentren der Zukunft zu „gießen“, das Server und Speicher wieder über eine einheitliche, leistungsfähige Switching- und Routing-Infrastruktur verbindet und mit ausgeklügelten Remote-Funktionen auch die Außenstellen des Unternehmens einbindet.

Die Architektur des Speichernetzes (SAN) wird durch den DCX-Backbone als zentrale Schaltstelle zu einer Data Center Fabric (DCF) erweitert. In diesem Ziel ist man sich mit dem großen Gegenspieler Cisco einig, die Umsetzung ist allerdings bei Brocade aus einer FC-, bei Cisco aus einer IP-Sicht getrieben.

Nicht zuletzt sind auch die Anforderungen virtualisierter Serverumgebungen einzufangen, bei denen alle virtuellen Gastsysteme auch über virtuelle Kanäle einen schnellen Zugriff auf den Speicher benötigen. Die Ports auf den modernen Direktoren, die derzeit mit acht und im nächsten Jahr wahrscheinlich schon mit 10 Gigabit pro Sekunde und Port arbeiten, haben dafür mehr als genug Bandbreite.

Multiprotokoll-Schnittstellen

Die Philosophie des Herstellers der Data Center Fabric heißt seit langem Evolution oder technischer ausgedrückt: Multiprotokoll-Schnittstellen. Mussten bislang auf Servern, die auf das Speichernetzwerk (SAN) zugreifen wollten, neben der Netzwerkkarte ein Host Bus Adapter (HBA) installiert werden, so soll in Zukunft ein integrierter Netzwerk-/HBA-Controller Kosten und Managementaufwand reduzieren und auch neue Dienste bis in den Anwendungsbereich eröffnen.

Damit das funktioniert, ist allerdings die gesamte Infrastruktur für Ethernet und Fibre Channel interoperabel zu machen, was aber auch die Interoperabilität der unterschiedlichen Direktoren von Brocade/McData und Cisco berührt. Brocade bietet im DCX-Backbone verschiedene Operationsmodi für Brocade- und McData-Umgebungen wie auch für deren Mischbetrieb an. Mit Cisco, so war zu hören, verhandelt man über einen vierten Modus. Die Herausforderungen der Multiprotokoll-Architektur sind in der Artikelserie Fibre Channel over Ethernet beschrieben.

DCX Backbone

Wichtigster Teil der DFC-Architektur ist der vollständig neu entwickelte DCX Backbone, der aus einem 2-Chassis-System mit insgesamt 896 Ports besteht. 128 Ports davon sind dediziert für Interchassis-Verbindungen reserviert, so dass 768 Ports für externe Anschlüsse verbleiben. Das System wurde auf eine Verfügbarkeit von 99,999 Prozent ausgelegt, das bedeutet eine jährliche Ausfallzeit von maximal 5 Minuten. Die DCX-Backplane ist folgerichtig auf Höchstleistungen getrimmt und verarbeitet 13 Terabit pro Sekunde.

Dementsprechend fängt die Oversubcription des Systems erst ab einem Ausbau über 256 Ports statt, selbst im Vollausbau ist diese Bandbreite nur 1,5-fach überzeichnet. Da noch kein Standard für FCoE respektive Data Center Ethernet (DCE) verabschiedet wurde, wird das DCX bislang nur mit Port-Blades für acht Gigabit pro Sekunde ausgeliefert. Die Architektur ist aber intern schon für kommende Transferraten von zehn Gigabit pro Sekunde vorbereitet. Der Stromverbrauch wird vom Hersteller im Vollausbau mit 1.550 Watt pro Chassis angegeben.

Managementebene

Zum Konzept der DCF-Architektur gehört auch eine Managementebene, die Leistung und Verfügbarkeit der Fabric überwacht. Dazu gehören die Lösungen EFCM, ein multi-fabric Management-Tool und der Fabric Manager, eine Mischung aus McData-Management-Software und Brocades Fabric-Management.

Auch die Verschlüsselung von Daten „on-the-fly“ will man mit dem DCX übernehmen, wobei das Key-Management von RSA oder anderen Anbietern abgewickelt wird. Insgesamt ist sich die Industrie allerdings noch lange nicht einig, wie und ob die diversen Verschlüsselungsoptionen auf Anwendungsebene, beim Bandlaufwerk oder bei dedizierten Appliances zusammenarbeiten können.

Integration von Remote Offices

Wichtig für die Data Center Fabric ist auch die Integration der Remote Offices, Zweigstellen und Auslandsniederlassungen ins zentrale Rechenzentrum. Brocade ist einer der wichtigen Vertreter im File Area Networking (FAN) und hat mit Hitachi Data Systems und Hewlett-Packard wichtige Partner gefunden, die das Konzept eines Global Namespace unterstützen. Um die erforderliche Übertragungsbandbreite weiter abzusenken, ist es jedoch erforderlich, Deduplizierungstechnik zu integrieren. Das würde dann auch Disaster-Recovery-Konzepten in VMware-Umgebungen zugute kommen.

Darüber hinaus hat Brocade eigene Entwicklungen im Bereich der Host Bus Adapter angekündigt. Das Unternehmen wird 10-Gigabit-DCE (Data Center Ethernet) unterstützen und die nächste Generation von intelligenten Server-Adaptern unterstützen. „Wir glauben, dass DCE dort sinnvoll ist, wo mehrere Protokolle verarbeitet werden. Ob er sich als einziger Standard durchsetzt, bleibt abzuwarten“, sagt Heiko Schrader, Regional Sales Manager bei Brocade. Noch für das erste Halbjahr verspricht der Hersteller zudem Optimierungen seiner FAN-Lösung durch automatisierte und regelbasierende Definitionen für das Datenmanagement.

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