Suchen

Netzwerk-Grundlagen – Rechenzentrumsnetze im Umbruch, Teil 9

Data Center Bridges (DCB) – Funktionalität nahe am Lossless Ethernet

Seite: 3/3

Firmen zum Thema

Eine Bewertung

Die Implementierung von DCB-Funktionen ist ein wesentliches Kriterium bei der Auswahl zukünftiger Core Switches.

Betrachtet man die DCB-Funktionen zusammen, erscheint einzig die Congestion Control etwas sinnlos. Die anderen Funktionen haben jedoch mehr Potential, als man ihnen auf den ersten Blick zutraut. Es konnte durch die Warteschlangentheorie eindeutig nachgewiesen werden, dass die prioritätsbasierte Flusskontrolle ein sehr wirkungsvolles Instrument für den Betrieb eines Netzes im höheren Lastbereich ist.

Bildergalerie

Da wir wegen der grundsätzlich geänderten Ausgangslage hinsichtlich der Netzlast durch die Virtualisierung und die Web-Architekturen Lastspitzen nicht mehr so einfach wie früher abschätzen können, ist dieses Instrument besonders wertvoll. Im Zusammenhang mit ETS gelingt es sogar, auch bei Netzen, die nicht vollständig designoptimiert sind, einen dauerhaft stabilen Netzbetrieb sicherzustellen. Die Congestion Control ist zwar irgendwie überflüssig, schadet aber auch nicht und ist eben Bestandteil des „DCB-Pakets“.

Natürlich lassen sich Situationen, die dadurch entstehen, dass ein Netz in einem höheren Lastbereich läuft, auch immer dadurch bereinigen, dass man Überkapazität spendiert. Die Erfahrung lehrt aber, dass die meisten Corporate-Betreiber ein Netz immer recht sparsam auslegen, einfach auch deswegen, weil die Kosten für Schnittstellen mit der Zeit immer weiter sinken. Dadurch kommt es immer wieder zu Situationen, in denen ein Netz für eine gewisse Zeit höher belastet wird, als das eigentlich vertretbar ist, bis es denn endlich hochgerüstet wird. Grade für diese Zeiten sind die DCB-Funktionen wertvoll und unabdingbar.

Man kann aber noch weiter gehen und sagen, dass die Implementierung von DCB-Funktionen ein wesentliches Kriterium bei der Auswahl zukünftiger Campus-Switches ist.

Diese These erscheint auf den ersten Blick relativ absurd. DCB heißt „Data Center Bridges“ und wurde auch genau für diesen Hintergrund entwickelt, sozusagen als Stütze für FCoE. FCoE selbst ist, wie ich schon mehrfach dargestellt habe, aufgrund inhärenter Plesiochronität nicht für einen Betrieb auf längeren Strecken geeignet. Das wissen auch Schöpfer und Hersteller von FCoE. Auf längeren Strecken können die anderen im FC-BB-5-Standard definierten Verfahren wie FCIP, Generic Packet oder Pseudowire zum Einsatz kommen. Was soll also DCB im Campus?

Nun, die grundsätzlichen positiven Eigenschaften von DCB bleiben auch im Campus erhalten, es gibt keine Funktion in DCB, die wie FCoE einer Beschränkung hinsichtlich des Wirkradius unterworfen wäre.

Wir können überhaupt noch nicht abschätzen, welche Anwendungen, Verkehrsströme und Lasten im Campus in Zukunft auf uns zukommen. Hier spielen Einflussfaktoren von der Einführung der Desktop-Virtualisierung über die Schaffung großer L2-Bereiche bis hin zur Notwendigkeit einer dichteren WLAN-Flächendeckung für neue Endgerätetypen eine unangenehme Rolle. Der Autor ist der festen Überzeugung, dass die Zukunft eines Campus-Netzes in der Einführung von Funktionen liegt, die es im Provider-Bereich gibt. Dazu muss es allerdings auch von der Basistechnologie her erheblich aufgerüstet werden.

Bis es soweit ist (bei Campus Netzen mit geringeren bis mittleren Anforderungen vielleicht nie) bekommen wir mit den DCB-Funktionen genau die Instrumente in die Hand, die für eine stabile und dauerhafte Sicherung eines weitgehend störungsfreien Betriebs nötig sind.

Konsequenzen für die Auswahl von Core-Switches

Ein Core-Switch der nächsten Generation, der nach seiner Anschaffung 5-7 Jahre in Betrieb bleiben soll, muss folgende Eigenschaften mitbringen:

  • 100G ready
  • Unterstützung von DCB
  • Geringe Latenz nahe der theoretischen Grenze
  • Unterstützung von TRILL

Erfüllt er nur eine der geforderten Eigenschaften nicht, kann nicht sichergestellt werden, dass er zukunftsfest ist. Natürlich kann man darüber hinaus noch weitere Anforderungen stellen, aber diese sind entweder ohnehin Standard (z.B. VLAN-Unterstützung) oder individuelle Geschmackssache (z.B. Unterstützung von Virtual Chassis)

Bis auf die Unterstützung von 100 G ist das Ergebnis auch auf Campus-Switches übertragbar.

Weiter mit Teil 10

Zurück zu Teil 8