Kontrollierte Komplexität

Datenmanagement in der Multi-Cloud

| Autor / Redakteur: Peter Wüst* / Florian Karlstetter

Für eine effiziente Multi-Cloud-Umgebung ist gutes Datenmanagement unverzichtbar.
Für eine effiziente Multi-Cloud-Umgebung ist gutes Datenmanagement unverzichtbar. (Bild: NetApp)

Bei ihrer Cloud-Strategie setzen Unternehmen zunehmend auf eine Multi-Cloud-Umgebung: Sie nutzen mehrere Public-Cloud- und Private-Cloud-Services parallel. Dieser Ansatz ermöglicht es, für jeden Anwendungsfall den jeweils besten Speicherort und Anbieter auszuwählen. Firmen gewinnen so mehr Flexibilität. Auf der anderen Seite bringt eine Multi-Cloud-Umgebung aber auch mehr Komplexität mit sich. Um diese zu bewältigen, ist ein gutes Datenmanagement unverzichtbar.

Laut einer aktuellen Studie des Beratungsunternehmens PAC im Auftrag von Cancom nutzen bereits 60 Prozent der deutschen Unternehmen die Multi-Cloud. Für zwei Drittel gewinnt dieses Cloud-Modell zudem künftig an Relevanz. Weitere Studien unterstreichen diese Entwicklung. Firmen erkennen also zunehmend, dass ein einzelner Public-Cloud-Anbieter nicht all ihre Bedürfnisse abdecken kann. Deshalb geht der Trend dahin, diverse Cloud-Dienste von unterschiedlichen Anbietern sowie verschiedene Betriebsmodelle parallel zu nutzen. Über eine solche Multi-Cloud können Anwender die verteilten Services in einer zentralen Cloud zusammenführen und dort managen. Administriert wird diese über eine zentrale Cloud-Management-Plattform. Aber überzeugen die Vorteile von Multi-Cloud-Strategien wirklich? Und worauf müssen Verantwortliche in Multi-Cloud-Umgebungen achten?

Ein Mehr an Flexibilität

Kein Cloud-Provider kann alle Einsatzszenarien optimal abdecken. So sind zum Beispiel die Top-drei-Provider im Bereich IaaS laut dem aktuellen Gartner Magic Quadrant Amazon Web Services, gefolgt von Microsoft Azure und Google Cloud Platform. Auch wenn alle drei ein umfangreiches Portfolio bieten, unterscheiden sie sich etwas in der Ausrichtung. Mit einem Multi-Cloud-Ansatz müssen sich Anwender nicht auf einen Provider festlegen. Sie können die Vorteile der verschiedenen Public-Cloud-Anbieter nutzen, ohne die jeweiligen Nachteile in Kauf nehmen zu müssen. Und auch wenn ein Anbieter einmal seine Preise für eine virtuelle Maschine erhöht, ist es relativ einfach, Workloads zu einem anderen Provider zu verschieben.

Die Unabhängigkeit vom Provider wirkt sich darüber hinaus positiv auf die Kostenoptimierung und die Ausfallsicherheit aus: Unternehmen können in einer Multi-Cloud-Umgebung Anwendungen, die rechenintensiv sind und eine hohe Performance erfordern, auf einem leistungsfähigen, aber vielleicht teureren Dienst betreiben, Workloads, die weniger Ressourcen benötigen, dagegen auf einem preisgünstigeren. So lassen sich Kosten optimieren.

Zudem können Firmen mit verschiedenen Standorten mit einem Multi-Cloud-Ansatz Versorgungslücken vermeiden, denn nicht jeder Cloud-Service ist auch in jeder Region verfügbar. Kommt es bei einem Service einmal zu Problemen, ist nicht gleich die komplette Produktivität beeinträchtigt. Betroffene können Workloads auf einen alternativen Service verschieben, bis die Störung behoben ist.

Herausforderungen in der Multi-Cloud

Bei allen Vorteilen bringt die Multi-Cloud jedoch auch Nachteile mit sich. Nicht umsonst rangiert die Integration der Daten unter den Top-Herausforderungen, vor denen Unternehmen bei der Multi-Cloud stehen. Je mehr unterschiedliche Cloud-Anbieter eine Firma nutzt, desto komplexer werden die Integration und das Management. Die Services unterscheiden sich nicht nur in ihrer Benutzeroberfläche und ihrer Bedienung. IT-Verantwortliche müssen sich auch mit den verschiedenen Preis- und Lizenzmodellen auseinandersetzen, was die Abrechnung schwieriger und intransparenter macht. Zudem ändern sich Cloud-Services schnell, und IT-Verantwortliche müssen über Neuerungen auf dem Laufenden bleiben. Das erfordert viel Know-how und zeitliche Ressourcen.

Außerdem sollten Daten vor der Migration konsolidiert und bereinigt werden. Unternehmen müssen zudem genau wissen, wo welche Daten liegen, und Daten in unterschiedlichen Clouds und On-Premises synchronisieren. Ab einer gewissen Unternehmensgröße lassen sich Daten jedoch immer schwerer bewegen. Dieser Komplexität werden Firmen nur gerecht, wenn sie eine Konstante niemals vernachlässigen: das Datenmanagement.

Umfassendes Datenmanagement als Basis

Das Datenmanagement stellt sicher, dass die richtigen Daten zur richtigen Zeit in der geforderten Geschwindigkeit zur Verfügung stehen – egal, in welcher Cloud sie sich befinden. Daten, die parallel in verschiedenen Clouds oder in der Cloud und On-Premises gehalten werden, müssen synchronisiert werden, sodass sie stets auf dem gleichen aktuellen Stand sind. Sonst besteht die Gefahr, dass verschiedene Anwender mit unterschiedlichen Daten arbeiten. Dies kann zu Fehlern und Inkonsistenzen führen. Damit die Daten vorab nicht konvertiert werden müssen, ist darüber hinaus ein einheitliches Datenformat nötig.

Die gute Nachricht: Es gibt bereits Ansätze, die ein effizientes Datenmanagement in der Multi-Cloud ermöglichen. Wie die PAC-Studie belegt, nehmen Unternehmen immer häufiger Angebote von Managed-Services-Providern in Anspruch. Ihr zufolge arbeiten aufgrund der hohen Komplexität von Multi-Cloud-Lösungen bereits 45 Prozent der Befragten mit einem externen Dienstleister zusammen. 37 Prozent planen dies innerhalb der kommenden zwei Jahre. Kein Wunder, denn um die Herausforderungen einer Multi-Cloud zu meistern, brauchen Firmen viel Know-how und geeignetes Personal. In Zeiten des Fachkräftemangels ist dies schwer zu finden.

Doch worauf gilt es bei der Auswahl einer passenden Lösung zu achten? Architekturen sollten die vorhandenen Datenbestände sicher über verschiedene Infrastrukturen transferieren können – unabhängig davon, wo sie stehen. So können Anwender die leistungsfähigen IT-Ressourcen von Public-Cloud-Anbietern nutzen, ohne die Kontrolle über ihre Daten abzugeben. Auch Schnelligkeit spielt eine Rolle – beispielsweise gelingt das Verschieben oder Klonen einer zwei Terabyte schweren Datenbank auf Azure mit der passenden Lösung in Sekundenschnelle. Ein Vorgang, der ansonsten Stunden dauern kann und zusätzlichen Speicher benötigt. Weiterhin sollte das Datenaufkommen möglichst gering gehalten werden, um die Kosten für die Bandbreite bei Transfer und den Onlinespeicherplatz tief zu halten. Netapp löst dies bei der Lösung Cloud Volumes ONTAP mit Deduplizierung, Komprimierung und Verdichtung. Insgesamt lassen sich die Daten damit um rund 60 Prozent reduzieren.

An der Multi-Cloud führt kein Weg vorbei

Peter Wüst, Senior Director Cloud Infrastructure and Cloud Data Services EMEA bei NetApp.
Peter Wüst, Senior Director Cloud Infrastructure and Cloud Data Services EMEA bei NetApp. (Bild: NetApp)

Die Multi-Cloud ermöglicht Anwendern einen Best-of-Breed-Ansatz: Sie können von jedem Public-Cloud-Anbieter die Services beziehen, die optimal für ihre Anforderungen geeignet und am günstigsten sind. Große Unternehmen werden daher langfristig nicht an einer Multi-Cloud-Strategie vorbeikommen. Denn wer die Vorteile verschiedener Cloud-Anbieter geschickt für sich nutzt, sichert sich einen Wettbewerbsvorsprung. Wer nicht umsteigt, wird abgehängt. Den Herausforderungen aber, die sich bei einer Umstellung einstellen, gilt es aktiv zu begegnen: Um eine Multi-Cloud-Strategie effektiv umzusetzen, brauchen Firmen ein Datenmanagement, das die Ablage und die Verwaltung von Daten in verschiedenen Umgebungen ermöglicht. Die dafür nötigen Lösungen sind bereits auf dem Markt. Es liegt in der Verantwortung der Anwender, diese Lösungen für sich nutzbar zu machen.

Der Autor: Peter Wüst, Senior Director Cloud Infrastructure and Cloud Data Services EMEA bei NetApp.

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