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Wie mein Freizeitleben zur Datenkatastrophe wurde, Teil 4 Datenrettungsmaßnahmen zerren am Nervenkostüm

Autor / Redakteur: Georg Wetter / Rainer Graefen

Georg Wetter, den Storage-Insider.de über mehrere Wochen bei der Wiederherstellung seiner zerstörten multimedialen Archive begleitete, hat seine Daten wieder. Datenretter Kroll Ontrack hat es trotz widerspenstiger Dateisystemstrukturen geschafft, doppelt so viele Files zu retten wie auf der Festplatte waren. Die Freude im Hause Wetter ist also groß, auch wenn noch viel Nacharbeit wartet.

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Erfreuliche Nachrichten aus dem Datenlabor.
Erfreuliche Nachrichten aus dem Datenlabor.
( Archiv: Vogel Business Media )

Das Glück ist silberfarben, etwa fünf Zentimeter dick und etwas mehr als 15 Zentimeter lang. Und es hat sogar eine Nummer: 200907155 steht auf einem kleinen Aufkleber. Meine Kundennummer bei Ontrack Data Recovery, vermute ich.

Selten war ich beim Anschließen neuer Hardware an meinen PC so nervös, wie beim Einstöpseln des externen Laufwerks, das heute Nachmittag in einem Karton voller Styropor-Schnipsel geliefert worden war. Auf dem kleinen, grauen Kasten ruhen all meine Hoffnungen.

Das Leben ohne Dateisystem

In den vergangenen acht Wochen hatte ich immer wieder schmerzliche Nadelstiche einstecken müssen: Die SMS von Freunden aus München, die um Fotos vom letzten gemeinsam verbrachten Wochenende baten, blieb erst mal unbeantwortet.

Der unerfüllte Wunsch nach einem Film aus dem Videoarchiv am Samstagabend ließ Wehmut aufkommen, statt wohliger Kinoatmosphäre. Und dann noch das leere Fotoalbum, in das die Bilder aus dem ersten Lebensjahr meines Sohnes hätten kommen sollen, das mahnend im Bücherregal stand.

Nach meinem Daten-GAU waren die Helfer von Kroll Ontrack eingesprungen und versuchten nun, meine Fotos, Filme und Musikdaten wieder herzustellen.

Viele Datenblöcke, wenig Dateistruktur

Was genau in den Werkstätten, Reinräumen und Büros unternommen wurde, blieb mir verborgen. Und um ehrlich zu sein: es interessierte mich auch nicht. Wichtig für mich waren lediglich die Mails, die ich in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen von meiner Ansprechpartnerin erhielt.

Die erste Nachricht der Projektmanagerin senkten meine Hoffnungen und meine Laune auf null: „Die Verzeichnisstruktur des EXT3-Dateisystems ist komplett zerstört. Es ist möglich, mehrere 100 Gigabyte Daten wiederherzustellen.

Die großen Dateien kollidieren dabei erheblich mit den internen Strukturen des Dateisystems“, stand da und ich verabschiedete mich gedanklich von meinem DVD-Archiv. Nicht weiter schlimm. Immerhin handelt es sich um ein Backup-Verzeichnis, alle Filme liegen noch als Hardcopy vor.

Von Manisch bis depressiv

Die nächste Nachricht war dann schon heftiger: Lediglich 1.782 Dateien kennzeichnet die mitgelieferte Auswertung als „gut“, der überwiegende Rest, mehr als 100.000 Dateien seien lediglich „reparabel“.

Wie ich diese Aussage einzuschätzen habe, blieb mir überlassen. Und dann noch eine dritte Hiobsbotschaft: „Die jpg-Bilder liegen als durchnummeriertes Sammelsurium vor.“

Meine Hoffnungen, auf der zweiten Platte wären vielleicht mehr Daten reproduzierbar, erfüllt sich ebenfalls nicht. Aber Ontrack will noch „ein paar andere Sachen probieren“. Also warte ich.

weiter mit: Stimmungsaufhellung

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