Mit dem Fluid File System verbindet Dell alle seine Speicherinseln Datenrundfahrt mit Dell

Redakteur: Rainer Graefen

Es gab viel Neues auf dem Dell Storage Forum 2012 in Boston zu erfahren. Beeindruckend zu sehen ist allerdings, wie der Serverhersteller altbekannte Storage-Ingredenzien zu einem längst überfälligen neuen Speicherkonzept zusammenführt.

Das Dell Storage-Forum fand auch im traditionsreichen Red-Sox-Stadion statt.
Das Dell Storage-Forum fand auch im traditionsreichen Red-Sox-Stadion statt.
(rg)

Verglichen mit der europäischen Veranstaltung in London, Anfang des Jahres, konnte Dell in Boston den Heimvorteil voll ausspielen. In seiner Heimatstadt wollte sich Darren Thomas, Vice President und General Manager Storage bei Dell, von „niemanden“ übertrumpfen lassen. Mehr als doppelt so viele Anwender, Systemintegratoren, Reseller und strategische Partner waren zusammengekommen, um sich ein Bild von der Storage-Strategie des Serverherstellers zu machen Ob ihm das gelungen ist, wird die Zukunft zeigen müssen. Im Fenway Park, dem altehrwürdigen, im Jahr 1912 gebauten Baseball-Stadion der Major League, hing jedenfalls noch an einer erhöhten Stelle der Haupttribüne die Werbung: „EMC level“.

Fluid by Artist

Ungeachtet dessen, es war eine gelungene Veranstaltung, die aufgrund der zurzeit noch überschaubaren Anzahl von Anwendern, Resellern und Systempartnern einen fast familiären Charakter hatte, der durch zahlreiche nette kurzweilige Events wie Livemusik, Twitter-Votings, vielgenutzte digitale Spraywände, Jongleure und andere Artisten mehr unterstrichen wurde.

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Während die Künstler das Motto der Veranstaltung „fluid by design“ auf ihre Art und Weise umsetzen durften, bot die Agenda der Veranstaltung viele Gelegenheiten, sich von Dell-Experten erklären zu lassen, wie man mit den eigenen, „auf die Kundenbedürfnisse abgestimmten Produkten“ der Konkurrenz von EMC und NetApp die Umsätze streitig machen könne.

Der Wettbewerbsvergleich wie auch andere Präsentationen zu Roadmaps der diversen Dell-Produkte waren leider nicht für die Ohren der Öffentlichkeit bestimmt. Darüber hinaus gab es Dutzende von Sessions und Schulungen, wo man sich über die aktuellen Produkte schlau machen konnte, in Hands-on Labs eigene Expertise erlangen konnte oder direkt mit den Experten über Best Practices bei Produktkonfigurationen oder Datenmigrationen reden konnte.

Fluid by Design

Eigentlich also wie bei anderen großen Anwender-Konferenzen. Dass bei Dell aber noch nicht alles so eingefahren ist wie bei den Mitbewerbern, machten die Vorträge von Greg Davis, General Manager Global Commercial Chanels, und Cheryl Cook, General Manager Enterprise Solutions, deutlich, die die anwesenden Reseller auf die Channel-Programme und vor allem auf die kostenlosen Trainings hinwiesen. Und es gibt viel zu lernen.

Carter George, Executive Director of Storage Strategy, machte zwar Scherze über das mit zwölf Milliarden US-Dollar bestfinanzierte Startup, das er je gesehen hat, allerdings wurde dieses Geld nicht nur in Firmenübernahmen investiert, sondern in viel Software, die gegenwärtig schon den Datentransport zwischen den Speicherinseln möglich macht.

Hinter dem Motto von Dells Anwenderkonferenz „fluid by design“ steckt eine langfristig angelegte Strategie, die Carter George am letzten Konferenztag in einer Whiteboard-Session mit drei Mitarbeitern sehr anschaulich erläuterte, und die letztendlich zu einem „virtuellen Worklad“ führen soll. Übersetzt bedeutet das, die Daten werden mit allen notwendigen Managementinformationen versehen und lassen sich dann wie eine virtuelle Maschine auf jede beliebige Hardware oder auch in die Cloud verschieben. Das ist ein ehrgeiziges Ziel, und den Verantwortlichen ist bewusst, dass das noch einige Jahre Entwicklungsarbeit benötigt.

Tiering über Speicherplattformen

Doch auch das aktuell schon Erreichte ist beeindruckend. Fast schon langweilig ist das Scale-in und Scale-up der diversen Plattformen Powervault, Equallogic und Compellent. Bei Compellent gibt es nun das FS8600, bei Equallogic das FS7600 und bei Powervault das NX3600. Die Anwender bekommt eine größere Skalierbarkeit in den Systemgrenzen. Das ist natürlich einerseits schön, beendet aber andererseits nicht das jeweilige Inseldasein der Speicherplattform.

Hier haben die beiden Zukäufe von Exanet und Ocarina im Jahr 2010 neuartige Transportmöglichkeiten zwischen den Speichersystemen geschaffen. Während Ocarina für Datendeduplizierung und Kompression zuständig ist, sorgt Exanet für ein globales Filesystem.

Da der Ocarina-Code in den deduplizierten Dateien mitgegeben wird und der zum dehydrieren notwendige Algorithmus auf den Speichersystemen vorhanden ist, kann Dell diese komprimierten Daten auf dem gesamten Storage-Portfolio speichern und lesen. Damit wird dann auch das Deduplizieren des Primärspeichers zu einer brauchbaren Angelegenheit. Bislang bereitet es einige Aufwände, den deduplizierten Primärspeicher nach einem Systemausfall wieder in diesen Zustand zu bringen. An der Replikation mit Ocarina wird noch gearbeitet. In sechs bis zwölf Monaten soll es ein Produkt geben

Ein skalierbares globales Filesystem

Dieses Filesystem skaliert nach Aussagen von Darren Thomas mit jeder zusätzlich installierten Hardware in Bandbreite, Performance und Größe des Filesystems. Exanet sollte nicht mit einem Global Name Space verwechselt werden, der mehrere Filesysteme zusammenfasst und der dann dem Anwender, die ihn interessierenden Abschnitte präsentiert.

Die Basis von Exanet stellt ein SAN-Speicherpool dar, der in naher Zukunft aus beliebigen Speichersystemen gebildet werden kann, über das ein oder viele NAS-Speicherpools gelegt werden, aus dem dann die für die Applikationen notwendigen LUNs geschöpft werden. Solche Konzepte sind nicht neu, aber dass ein „Startup“ wie Dell so ein Konzept innerhalb von zwei Jahren umgesetzt hat, das von anderen häufig nur propagiert wird, das ist schon erstaunlich.

Ein schönes Detail in diesem Zusammenhang ist auch die Fähigkeit des File-Tierings. Bisher wird allgemein nur das Block-Tieing praktiziert, das Dell nun um die Variante des blockbasierten File-Tierings bereichert. Dabei werden alle Datenblöcke einer Datei gemeinsam auf dem Blocklevel auf das schnellere oder langsamere Tier verschoben.

Object Storage und Backup

Die Frage nach dem Archiv beantwortet man bei Dell mit der objektorientierten Datenspeicherung. Dies wird auch von anderen Herstellern vorangetrieben und wird, so zeichnet es sich inzwischen ab, neben Block und Datei die dritte Speicherform werden. Unterschiede sind vor allem bei der Behandlung der Metadaten zu sehen. Dell speichert diese im Objekt selbst ab und kopiert sie in einen Speicher, der für das schnelle Durchsuchen von Metadaten tauglich ist. So können die Metadaten nicht verloren gehen.

Die objektorientierte Speicherung arbeitet mit einer flachen Hierarchie und da der Dateiname aus dem Objekt gebildet wird, gibt es keine Grenzen, wie sie jedes Dateisystem kennt. Der Objektspeicher eignet sich allerdings nicht für den NAS-Bereich, sondern vor allem für selten veränderte Dokumente wie medizinische oder inaktive Daten. Über diese Speichertechnik wird Storage-Insider.de sicherlich noch einiges in diesem Jahr berichten wie auch über die Backup-Software AppAssure, die Dell Anfang des Jahres gekauft hat.

AppAssure in der Version 5 ist derzeit noch auf das Windows-Umfeld mit VSS spezialisiert und arbeitet ausschließlich mit Snapshot-Technologie. Gsichert werden nicht nur die Daten, sondern die gesamte Applikation. Wie auch bei anderen Dell-Komponenten lässt sich der Snapshot auf jede Plattform zurückspielen und weiterbenutzen. So schließt sich dann auch beim Restore der Daten der von Dell angestrebte Kreislauf, der dem Anwender das Leben mit seinen Daten angenehmer machen könnte. Wie sich andere Hersteller in diesen Kreislauf einfügen? Sie müssen nur die von Dell benutzten Standards unterstützen. Insofern ist Dell genauso offen, vielleicht sogar offener als die Mitbewerber.

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