Backup und Recovery sind plötzlich wieder en vogue Datensicherungsfirmen kaufen sich vermehrt Know-how ein

Autor / Redakteur: Kriemhilde Klippstätter / Rainer Graefen

Backup und Recovery sind im Rechenzentrum zur Routine geworden und begeistern weder Anwender noch Anbieter - bislang zumindest. Jetzt aber ist der Markt im Umbruch. Getrieben von mehr Datenwachstum einerseits und neuen technischen Möglichkeiten wie Server-Virtualisierung andererseits, ergeben sich viele neue Anforderungen an die Datensicherung.

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Der Gesamtumsatz des Backup-Markts stieg im angegebenen Zeitraum von ca. 2,5 Mrd. Dollar auf fast 3,0 Mrd. Dollar. (Quelle: Gartner)
Der Gesamtumsatz des Backup-Markts stieg im angegebenen Zeitraum von ca. 2,5 Mrd. Dollar auf fast 3,0 Mrd. Dollar. (Quelle: Gartner)
( Archiv: Vogel Business Media )

Die Anbieter von Programmen für Backup und Wiederherstellung versuchen, die Bewegungen im Markt für sich zu nutzen und ihr Angebot mit neuen Diensten und Dienstleistungen aufzumöbeln.

Eine schnelle Möglichkeit, das eigene Produktportfolio zu erweitern, liegt im Zukauf von Technik, also der Übernahme von Unternehmen. Fast alle großen Anbieter haben sich in der Vergangenheit dieser Methode bedient und werden es wohl auch in Zukunft tun.

Der Markt wächst stetig

Denn das Geschäft mit Produkten für Backup und Recovery gilt als solider Wachstumsmarkt mit einem Volumen von 2,94 Milliarden Dollar im Jahr 2008. Das sind 14,1 Prozent mehr als im Jahr zuvor.

Das Marktforschungsunternehmen Gartner erwartet zwar – konjunkturbedingt – für 2009 einen leichten Rückgang auf 2,90 Milliarden Dollar, aber schon in diesem Jahr soll wieder mehr verkauft und die Drei-Milliarden-Dollar-Hürde genommen werden.

Das durchschnittliche weltweite Umsatzwachstum (CGAR = Compound Annual Growth Rate) bis 2013 soll bei jährlich 3,7 Prozent liegen. Kein Wunder also, dass sich jedes Unternehmen einen möglichst großen Teil vom Kuchen abschneiden möchte und das gelingt oft schnellsten durch Firmenzukäufe.

Highlight Übernahme von Data Domain

Dabei ist die Anzahl der Übernahmen im Speichergeschäft seit 2006, als 50 Firmen ihre Besitzer wechselten, bis 2009 (nur mehr 17 Übernahmen) stetig gesunken. Der eifrigste Zukäufer von Know-how ist Speicherspezialist EMC, der es seit 1994 auf mehr als 60 Firmenaufkäufe bringt und sich im vergangenen Jahr weitere fünf neue Unternehmen einverleibte.

Spektakulär war sicherlich der Kampf mit dem Konkurrenten Network Appliance um Data Domain. Rund 2,1 Milliarden Dollar war der Tucci-Company der Erwerb von Techniken zur Deduplizierung wert.

Dabei ist EMC nur die Nummer drei im Markt für Backup- und Recovery-Software in verteilten Umgebungen. Unangefochten an der Spitze liegt Symantec mit den beiden Top-Produkten „Netbackup“ und „Backup Exec“.

Zusammen erreichen diese beiden Programme 2008 laut Gartner einen Marktanteil von 43,7 Prozent, gefolgt von IBM mit 15,7 Prozent und EMC mit 11,4 Prozent. Von den Top Drei Anbietern hat aber nur EMC im vergangenen Jahr Firmen zugekauft.

EMC kaufte Dedup-Funktionen, VM-Backup, Ressourcen-Management ...

Allein anhand der Einkäufe von EMC lassen sich gut die Trends im Markt ablesen. Neben der Daten-Deduplizierung spielt sicherlich die Datensicherung von virtuellen Maschinen eine wichtige Rolle: EMC, schon Eigentümer von VMware, kaufte im vergangenen Jahr noch FastScale Technology hinzu.

Das Unternehmen hatte sich auf die Entwicklung von Software zur besseren Auslastung von Servern konzentriert. Die „Composer Suite“ dient dem Ressourcen-Management und wird in EMCs „Ionix“-Portfolio eingegliedert.

Der Composer soll dafür sorgen, dass mehr virtuelle Maschinen auf einem Server eingerichtet, der Speicherbedarf reduziert und die Verwaltung von herkömmlichen, virtualisierten und auf Cloud-Techniken basierenden Umgebungen vereinheitlicht wird.

weiter mit: EMC kaufte auch ...

... Change-Management, Datenklassifizierung, Backup-Tools für Linux und Java

Auch in die Ionix-Familie passt das Angebot der ebenfalls 2009 gekauften Privatfirma Configuresoft. Das Unternehmen hatte Programme für die Server-Verwaltung sowie das Change- und Compliance-Management entwickelt.

Als nächstes kam Kazeon Systems und dessen „eDiscovery“ Software an die Reihe. Rund 150 Millionen Dollar war dem Unternehmen aus Hopkinton, Massachusetts, dieser Anbieter wert.

Für diesen Kaufpreis kamen Lösungen für die inhaltsbasierende Datenklassifizierung von in einem Unternehmen verteilten elektronischen Dokumenten zum Portfolio. Die Kazeon-Appliances will EMC in die hauseigene „Source-One“-Produktfamilie integrieren, die die Bereiche Archivierung und Compliance abdeckt.

Zu Jahresanfang 2009 hatte sich EMC schon Teile des Open-Source-Anbieters SourceLabs einverleibt. Die Company aus Seattle bietet Werkzeuge auf Open-Source-Basis für Linux und Java an. EMC erhofft sich davon Vorteile für das eigene Cloud-Angebot.

Die anderen kauften: CDP, E-Mail-Management, Verschlüsselung ...

Bakbone engagierte sich im vergangenen Jahr mit drei Millionen Dollar bei Asempra, das Windows-Programme für Continuous Data Replication (CDP) und Backup liefert und schnappte sich für 16 Millionen Dollar Coldspark. Bakbone sichert sich damit Zugang zum zukunftsträchtigen Markt für das Management unternehmensweiter E-Mail-Infrastrukturen.

Das auf Firewall und Antispam-Lösungen spezialisierte Unternehmen Barracuda erweiterte durch die Übernahme von Yosemite das eigene Portfolio um Backup-Software.

Das bei uns nahezu unbekannte kalifornische Unternehmen Exar, auf Signalverarbeitung spezialisiert, kaufte sich in Form von hi/fn (Hifn) Know-how über die Deduplizierung, Kompression und Verschlüsselung von Daten ein.

Ziel sei der Markt „für Cloud-Computing, Virtualisierung und Web 2.0“, begründete Exar-Chef Pete Rodriguez die Übernahme, die sein Unternehmen knapp 60 Millionen Dollar kostete.

... NAS-Technik, Security und Wuala

Weitere bemerkenswerte Deals im vergangenen Jahr betreffen Hewlett-Packard, das sich mit Ibrix einen Spezialisten für geclusterte NAS-Verbünde mit sehr großen Datenmengen sicherte.

Glasshouse Technologies schlug gleich zweimal zu und kaufte das englische Beratungs- und Serviceunternehmen System Group Integration, dessen Schwergewicht auf Windows- und Virtualisierungsumgebungen liegt, sowie den Sicherheitsberater CSSG aus Chicago.

LaCie, französisch-amerikanischer Anbieter von externen Speicherlösungen kaufte die Schweizer Caleido und sicherte sich so Zugang zum Know-how des Web-Dienstes „Wuala“. Zusammen will man einen „einzigartigen und zukunftsweisenden Online-Speicher entwickeln und die Welt der Datenspeicherung revolutionieren“. Man darf gespannt sein.

Fazit

Der Markt für Backup und Recovery ist in Bewegung geraten. Die Anbieter positionieren sich für die neuen Aufgaben, die vor allem durch die zunehmende PC-Servervirtualisierung und das stetige Speicherwachstum entstehen. Viel Geld fließt auch in die „Cloud“, die zumindest das Backup-Verhalten drastisch verändern könnte.

Die Anwenderunternehmen beschäftigen sich dagegen vozugsweise mit Deduplizierung, Datenkompression und die Einbindung von externen Niederlassungen. Nicht zu vergessen weckt das Backup im Open-Source-Umfeld viel Interesse.

Eine Entwicklung könnte vieles auf den Backup-Punkt bringen: Die Cloud treibt die Entwicklung der Technik kontinuierlicher Datensicherung voran. Auch hier beherrschen erste Anbieter block-inkrementelles CDP.

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