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Noch ist Wolfcreek ein Projekt DDN steigt in hyperkonvergente Systeme ein

| Autor / Redakteur: lic.rer.publ. Ariane Rüdiger / Rainer Graefen

Hyperkonvergenz als Markt und Idee ist so reizvoll, dass das Konzept immer wieder neue Hersteller zu Investitionen ermutigt. Das jüngste Beispiel dafür ist Data Direct Networks (DDN), ein Unternehmen, das eigentlich sein Geld vor allem mit Speicher für Hochleistungsrechenumgebungen verdient.

Noch ist "Wolfcreek" ein Projekt für eine hyperkonvergente Appliance von DDN.
Noch ist "Wolfcreek" ein Projekt für eine hyperkonvergente Appliance von DDN.
(Bild: craft_666/ Fotolia.com)

Der Markt für hyperkonvergente Systeme boomt, die Wachstumszahlen liegen im Jahresvergleich weit im zweistelligen Bereich. IDC spricht davon, dass im Jahr 2020 schon 20 Prozent aller Systeme im Rechenzentrum der Klasse der konvergenten Systeme angehören sollen. Die Versuchung, schnell eine vorkonfigurierte Box zur Hand zu haben, statt erst mühselig die für eine spezifische Aufgabe am besten geeigneten Komponenten auszuwählen, wirkt bei Hyperkonvergenz-Kunden stärker als die Furcht, an einen Hersteller gefesselt zu sein.

Das gilt zumal hyperkonvergente Systeme bei der Wartung klare Vorteile bringen: Das manchmal auftretende ärgerliche Hin und Her zwischen den Herstellern einzelner Komponenten komplexer Umgebungen im Fehlerfall entfällt. In der Verantwortung steht im Zweifel genau ein Lieferant. Kein Wunder also, dass das Angebot sich derzeit verbreitert.

Wer an die hyperkonvergente Systemklasse denkt, dem fallen meist zuerst die klassischen Player im Bereich IT-Infrastruktur wie Dell, HP, IBM ein oder aber kleine Innovateure wie etwa Nutanix oder Scality. Dass ein eher mittelgroßes, auf eine IT-Spezialdisziplin fokussiertes Unternehmen eine hyperkonvergente Lösung für breitere Anwenderkreise auf den Markt bringt, hat Seltenheitswert.

Ein System für neue Zugriffscharakteristiken

Hinter dem romantischen Codenamen Wolfcreek verbirgt sich das neue hyperkonvergente System, mit dem der kalifornische HPC-Spezialist DDN ab dem Herbst den Markt aufrollen möchte. Derzeit ist „Wolfcreek“ offiziell noch ein Projekt, es gibt also keinen Produktnamen.

Die Marktlücke, auf die sich DDN spezialisieren will, sind neuartige Anwendungen, etwa aus dem Big-Data-Bereich, die auf den Transport und die superschnelle Verarbeitung auch größter Datenmengen angewiesen sind. Die Ein-/Ausgabecharakteristiken vieler Anwendungen, so argumentiert DDN, hätten sich grundlegend geändert.

Anstelle der früher üblichen Zugriffe auf größere Mengen strukturierten Contents, der in Datenbanken wie Oracle oder DB2 von IBM abgelegt war, geht es heute immer öfter um vielfache Zugriffe auf kleinere Mengen unstrukturierten Contents. Gleichzeitig sollen Anwender nicht uferlos investieren. Wenig Kosten pro verarbeitete Information, heißt die Devise. Konkret reklamiert DDN, verglichen mit der Konkurrenz, „viermal so viel Leistung bei 50 bis 70 Prozent weniger Hardware“.

Zunutze machte sich der Hersteller bei der Entwicklung von Wolfcreek sein Hard- und vor allem Software-Know-how aus bisherigen Systemen, die ja bereits mit großen Datenmengen fertig werden. Die Speicherlösungen von DDN sind vorzugsweise in Supercomputing-Zentren im Einsatz. Eingeflossen sind etwa Elemente seiner SFA12k-Speicherserver, insbesondere dem Speichercontroller. Neu entwickelt wurde unter anderem eine PCIe 3.0-Fabric zur Vernetzung des NVMe-Flash-Speichers, der als schneller Cache dient.

Auf der Fährte zu neuen Leistungsdimensionen

Hinsichtlich ihrer Leistung sollen die Wolfcreek-Systeme neue Dimensionen eröffnen. Rector: „Wir wollen die meisten Firmen im Leader-Quadranten für Hyperkonvergenz-Systeme übertreffen.“

Tatsächlich sind die Zahlen, die DDN für seine Wolfcreek-Plattform reklamiert, gewaltig: Ein System soll bis zu 60 GByte Durchsatz pro Sekunde bringen und eine Einheit mit vier Standard-Höheneinheiten fünf Millionen Ein-/Ausgabeoperationen pro Sekunde abwickeln. Die Veröffentlichung des entsprechenden SPC-1-Benchmarks steht noch aus. Mehr als 100.000 virtuelle Maschinen passen laut DDN auf solch ein Gerät.

Ein Highend-System der Wolfcreek-Serie bringt 48 10- und 12 40-GBit/s-Ports mit. Es bietet 72 Massenspeicher-Slots für proprietäre SSD-Disks mit jeweils 115 TByte Rohkapazität, die über jeweils zwei Ports an 12-GBit/s-SAS angebunden sind, umfasst vier Knoten und bewältigt jeweils zwei Millionen Lese- oder Schreiboperationen an 4 KByte großen Datenblöcken pro Sekunde.

Flash als Cache

Optimierte Zugriffsgeschwindigkeiten werden durch Flash als Cache und NVMe für die Kommunikation mit den Flash-Bausteinen sichergestellt. Unterstützt werden 48 NVMe-Devices. Sie nutzen eine PCIe 3.0-Fabric mit jeweils vier PCIe-Lanes als Transportmechanismus.

DDN bietet Wolfcreek als Appliance auf Basis von Standard-Xeon-Haswell und –Broadwell-Prozessoren an. Dazu können applikationsspezifische Erweiterungen kommen, die sich mit Themen wie der Beschleunigung spezifischer Applikationen oder Objektspeicherung beschäftigen.

In diesen Bereichen hat DDN bereits leistungsstarke Produkte, kann also auf vorhandenes Hard- und Software-Know-how zurückgreifen. DDN spricht davon, in die ausgelieferten Systeme Lösungen wie Hadoop, OpenStack, VMware, Microsoft oder Citrix „einzubetten“.

Wichtige Business-Funktionen werden unterstützt

Bisher musste sich der Hersteller wegen des eher wissenschaftlichen Einsatzumfeldes seiner Produkte vergleichsweise wenig um geschäftlich wichtige Applikationen wie Hochverfügbarkeit, Replikation oder Datenschutz kümmern, die aber in Wolfcreek-Systemen sämtlich vorhanden sein werden. Schließlich soll das System von Geschäftskunden genutzt werden. Daten ordnet Wolfcreek automatisch und applikationsspezifisch den vorhandenen Speicherschichten zu.

Neben den bereits erwähnten SSD-Drives und dem Flash-Cache können auch konventionelle SAS-Festplattenlaufwerke mit 6 oder 8 TByte Kapazität und jede beliebige Mischung aus Festplatten und SSD-Disks verwendet werden. Ein zusätzlicher Object-/Cloud- oder Tape-Speichertier ist an die Systeme anbindbar, das in seinem derzeitigen Design File- und Block-Storage unterstützt.

„Die Entwicklung von Wolfcreek ist eine langfristige,strategische Entscheidung“, betont DDN-Marketingmanagerin Molly Reckter.
„Die Entwicklung von Wolfcreek ist eine langfristige,strategische Entscheidung“, betont DDN-Marketingmanagerin Molly Reckter.
(Bild: DDN)

In die Entwicklung der Wolfcreek-Software habe DDN Millionen Dollar investiert, sagte Molly Rector, die für das Marketing des Produktes zuständig ist. Für die Softwarevariante eignen sich als Hardwarebasis Xeon-Systeme der entsprechenden Leistungsklasse mit entsprechend viel Speicher. Dabei ist laut DDN keine Zertifizierung der Hardwareplattformen erforderlich.

„Es handelt sich bei unserem Einstieg um eine langfristige, strategische Entscheidung“, betonte die Managerin. Dass das Unternehmen eine solche überhaupt in Ruhe treffen und die nötigen Entwicklungsanstrengungen im Hintergrund vollbringen konnte, hat wahrscheinlich auch damit zu tun, dass sich DDN nach wie vor nicht an der Börse, sondern in privaten Händen befindet.

* Ariane Rüdiger ist freie Fachjournalistin in München.

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lic.rer.publ. Ariane Rüdiger

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Freie Journalistin, Redaktionsbüro Rüdiger