Wie Michael Dell mit einem Reverse Merger wieder an die Börse will

Dell Technologies braucht frisches Geld

| Autor / Redakteur: Ulrike Ostler / Rainer Graefen

Kein Witz: Dell-Strategen überlegen, wieder an die Börse zu gehen, unter Umständen über den Aufkauf durch VMware.
Kein Witz: Dell-Strategen überlegen, wieder an die Börse zu gehen, unter Umständen über den Aufkauf durch VMware. (Bild: gemeinfrei: Geralt/ Pixabay / CC0)

Noch sind es Gerüchte: Offenbar erwägt Dell Technologies eine umgekehrte Übernahme durch das börsennotierte VMware. Diese würde dem Computer-Hersteller erlauben, ein börsennotiertes Unternehmen zu werden, ohne auf herkömmliche Art einen Börsengang (IPO) absolvieren zu müssen. Die Börse reagiert vorausschauend: Die VMware-Aktien sind gefallen.

Die Infos gehen auf die Weitergabe von Interna an CNBC, Bloomberg und dem „Wall Street Journal“ zurück. Offenbar hat sich Chef Michael Dell bereits mit Bloomberg darüber beraten. Die umgekehrte Übernahme wäre eine Option, da Dell 80 Prozent an VMware besitzt.

Die Historie, die der jetzigen Situation vorausgeht, beginnt mit dem Rückzug des Unternehmens von der Börse. Im Jahr 2013 kaufte Michael Dell sein Unternehmen von der Börse zurück - für 24,4 Milliarden Dollar. Zwei Jahre später lieh sich das Unternehmen bei Wagniskapitalgebern weitere 40 Milliarden Dollar, so dass es 2016 mit EMC fusionieren konnte. Der 67-Milliarden-Dollar-Deal gilt nach wie vor als der Größte in der IT-Geschichte.

Der Coup gelang zwar, doch die Hoffnungen, die damit einher gingen, haben sich nicht gänzlich erfüllt, Ziele bei Kosteneinsparung und Leistung wurden verfehlt. Dell Technologies tut sich sowohl im PC-Markt als auch im Storage-Umfeld schwer. So stieg zwar der Nettoumsatz in den neun Monaten bis November 2016 von 41,6 Milliarden Dollar auf 56,7 Milliarden Dollar, doch auch die operativen Verluste kletterten, von 1,6 auf 3 Milliarden Dollar.

Das Schachern mit Aktien

Nun sucht Michael Dell offenbar nach Wegen, seine Schulden von 52,2 Milliarden Dollar, auf die es jährlich 2 Milliarden Dollar Zinsen zahlt, zu reduzieren und eine Rendite für die Private-Equity-Firma Silverlake zu erwirtschaften, die etwa 18 Prozent des Unternehmens besitzt. Das bedeutet: eine Rückkehr an die Börse.

Unter anderem überlegen die Firmenstrategen den Verkauf von Dell an VMware; das Unternehmen ist börsennotiert. Dell wiederum besitzt durch den Zukauf von EMC 80 Prozent an VMware. Der Verkauf würde heißen: VMware-Aktien an Michael Dell und Silver Lake auszugeben, die dann öffentlich gehandelt werden könnten, um an Geld zu kommen. Mit einer solchen Vorgehensweise könnte Dell die Hürden einer formalen Notierung umgehen.

Eine Entscheidung in dieser Angelegenheit ist noch nicht gefallen, doch der Markt reagierte nicht gerade positiv. Die VMware-Aktien fielen am Montag - nach Bekanntwerden am Freitag vergangener Woche - um fast 13 Prozent auf 130,87 Dollar. Das war der stärkste Rückgang seit zwei Jahren. Allerdings hatten die VMware-Aktien in den vergangenen zwölf Monaten ordentlich zugelegt – um 62 Prozent, so dass sie am Donnerstag vergangener Woche ihr Allzeithoch erreichten.

Kommentar auf CNBC

Daniel Ives, Chief Strategy Officer bei GBH Insights, kommentiert die Gerüchte über den Verkauf von Dell an VMware und erläutert, warum sich der Dell-VMware Reverse Merger als eine Horrorshow entpuppen könnte.

Laut Reuters sind weitere IPO-Optionen in Überlegung: Dell erwäge auch einen Verkauf oder ein Initial Public Offering (IPO) seiner schnell wachsenden Abteilung, Pivotal Software Inc. Diese gelangte in den Besitz der VMware Inc., dadurch zu EMC und damit letztlich zu Dell. Darüber hinaus verfügt Dell über eine Sicherheitseinheit, RSA, und eine Cloud-Plattform mit der Bezeichnung „Boomi“.

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