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Kommentar von Andreas Zilch, zu den dramatischen, aber eigentlich leicht erklärbaren HP-Ankündigungen Der Drahtseilakt von Léo Apotheker

| Redakteur: Rainer Graefen

Wenn HP einen Strategiewechsel durchführt, dann ist das nicht nur für die IT, sondern für weit größere Teile der ganzen Welt von Bedeutung. Im Vergleich des aktuellen CEO Léo Apotheker mit seinen Vorgänger Mark Hurd wird der Erfolgsanspruch, im Vergleich mit Carly Fiorina die enorme Fallhöhe bei einem Misserfolg deutlich. Wie lange wird Herr Apotheker den Kurs halten?

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Andreas Zilch, Member of the Board und Lead Advisor der Experton Group
Andreas Zilch, Member of the Board und Lead Advisor der Experton Group
( Archiv: Vogel Business Media )

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Ich bin durchaus überrascht über Zeitpunkt und Art dieser Kommunikation/Ankündigung, aber eigentlich ist es auch ganz einfach erklärbar. Leo Apotheker hat offensichtlich den Auftrag zum Umbau des Konzerns erhalten, den er jetzt aus seiner Sicht konsequent umzusetzen versucht.

Sein Vorgänger Mark Hurd hat seine Aufgabe – massive Kostensenkung – jedenfalls sehr erfolgreich durchgeführt, obwohl das den Mitarbeitern natürlich sehr wenig gefallen hat und auch die Qualität gelitten hat.

Zur Erinnerung: die vier wesentlichen Punkte der aktuellen Ankündigung

1. Aufgabe des Geschäftes mit Smartphones und Tablets

HP zieht sich aus diesem Geschäftsfeld zurück, obwohl der Markt boomt und einige Anbieter (u.a. Apple und Samsung) hier sehr erfolgreich agieren. Der Aufkauf von Palm (vor 12 Monaten für $ 1,2 Mrd.) und die Ankündigungen zu WebOS sind damit obsolet. Ein nicht nachvollziehbares Eingeständnis der Schwäche von HP und Vernichtung von erst kurzfristig getätigten Investitionen.

2. Aufgabe des Privatkundengeschäftes

HP zieht sich aus dem Privatkundengeschäft mit PCs und Notebooks zurück, da das Wettbewerbsumfeld hier sehr stark ist und Größenmetriken keine positive Rolle mehr spielen. Für ein weiteres Engagement im Consumer Markt spricht, dass aus diesem Bereich heute und in Zukunft die Innovationen getrieben werden.

Allerdings sind die Business Metriken in diesem Bereich extrem unterschiedlich zum B2B Geschäft. Insgesamt ein nachvollziehbarer Schritt.

3. Die PC Sparte wird insgesamt zur Disposition gestellt

HP prüft die „Neuorientierung“ (u.a. auch Verkauf oder Börsengang) der PC-Sparte (PSG), dieser Prozess soll innerhalb von 12 bis 18 Monaten abgeschlossen sein. Explizit wird nicht angekündigt, den PC-Bereich zu verkaufen, sondern die Alternativen zu prüfen.

HP ist Marktführer in diesem Bereich und insgesamt einer von höchstens 3-4 ernstzunehmenden Anbietern im PC Geschäft für Unternehmen. Auch wenn dieses Geschäft vermeintlich margenschwach ist, stellt es in vielfacher Hinsicht ein extrem wichtiges Standbein des HP Gesamtgeschäftes dar.

weiter mit: Desaströse Öffentlichkeitsarbeit könnte teuer zu stehen kommen

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