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Kommt nun ein Rauswurf wie bei SAP? Der Stuhl von HP-Chef Léo Apotheker wackelt bedenklich

| Redakteur: Harry Jacob

Gerade mal 11 Monate im Amt, sorgt Leo Apotheker bei Hewlett-Packard für Furore – allerdings im negativen Sinne. Insbesondere die mögliche Trennung vom PC-Geschäft schlägt solche Wellen, dass der CEO des HP-Konzerns möglicherweise schon in den nächsten Tagen aus dem Amt gespült wird.

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Leo Apothekers Kurs für HP ist umstritten – und inzwischen auch seine Person.
Leo Apothekers Kurs für HP ist umstritten – und inzwischen auch seine Person.

Einen kompletten Konzernumbau wollte Léo Apotheker erreichen. Sich vom margenschwachen Hardware-Geschäft trennen und stattdessen renditestarke Abteilungen wie Software und Services in den Fokus rücken. Ganz wie IBM es vorgemacht hat.

Mit einem 10-Milliarden-Dollar-Zukauf sollte die Software-Sparte gestärkt werden, die Entwicklung des Smartphone- und Tablet-Betriebssystems WebOS komplett eingestellt werden, und die PC-Sparte „irgendwie“ aus dem Konzern herausgelöst werden.

Vor allem der letzte Punkt ist es, der dem Konzern-Chef nun wahrscheinlich beruflich das Genick bricht. Denn bislang konnte kein HP-Manager die Fragen der Partner und Kunden nach dem „irgendwie“ vernünftig beantworten.

Ein Börsengang werde überlegt, vielleicht auch ein Verkauf, jedenfalls keine Schließung. Weder die Frage, ob es beim Namen HP bleibt, noch nach der Sortiments-Strategie – wird es Tablets ohne WebOS geben? – wurde beantwortet. Zudem wird der Zukauf von Autonomy als zu teuer bewertet. Und so rauschte der Aktienkurs erst einmal bergab.

Antworten von ganz oben

Nach Wochen mit heftigen Diskussionen im Markt meldete sich Chairman Ray Lane zu Wort. Er werde sich dafür einsetzen, dass die PC-Sparte den HP-Brand behält, kündigte er gestern an. Schon vergangene Woche hatte Lane bei einer wichtigen Konferenz Apotheker vertreten. Inzwischen ist durchgesickert, dass der Aufsichtsrat intensiv darüber diskutiert, den CEO zu feuern.

Obwohl die Lage für HP gerade ziemlich prekär ist, dürfte sich der Aufsichtsrat diese Entscheidung nicht leicht machen. Denn der hatte auch schon Mark Hurd und dessen Vorgängerin Carly Fiorina gefeuert. Léo Apotheker wäre der dritte Konzern-Chef in Folge, dem man den Stuhl vor die Tür stellt.

Die Börsen haben ihr Votum bereits abgegeben: als die Personaldebatte öffentlich wurde, schoss der Aktienkurs zwischenzeitlich um mehr als zehn Prozent in die Höhe.

Die ehemalige Ebay-Chefin Meg Whitman könnte Léo Apotheker zumindest übergangsweise als HP-CEO ersetzen.
Die ehemalige Ebay-Chefin Meg Whitman könnte Léo Apotheker zumindest übergangsweise als HP-CEO ersetzen.
Eine mögliche Nachfolgerin ist auch schon gefunden: Meg Whitman, ehemalige CEO von Ebay, sei bereit, den Posten zu übernehmen. Sie sitzt bereits seit längerem im Aufsichtsrat von HP.

Allerdings werde sie wohl nur als Übergangs-Kandidatin gesehen, melde US-amerikanische Medien. Denn sie habe zuwenig Erfahrung mit einem Unternehmen wie HP. Zudem habe sie auch bei Ebay eine Reihe von Management-Fehlern zu verantworten gehabt, werfen ihr Kritiker vor.

Whitman war Ende 2008 bei Ebay ausgestiegen und hatte auch andere Posten aufgegeben, um eine politische Karriere zu beginnen. Sie kandidierte für die Republikaner als Nachfolgerin für Arnold Schwarzenegger als Gouverneurin von Kalifornien, verlor jedoch die Wahl im November 2010. □

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