Auszug aus dem IBM System Storage Kompendium

Die Anfangsepoche der elektromagnetischen Speicherung 1952 bis 1961

05.02.2010 | Autor / Redakteur: Kurt Gerecke und Klemens Poschke / Nico Litzel

Aufnahme des ersten Prototypen des Magnetbandsystems IBM 726 im Jahr 1951 mit zwei Bandlaufwerken pro Einheit
Aufnahme des ersten Prototypen des Magnetbandsystems IBM 726 im Jahr 1951 mit zwei Bandlaufwerken pro Einheit

Die Platteneinheit IBM 1301

Ein Jahr später, im Juni 1961, wurde die IBM 1301-Platteneinheit angekündigt. Sie wurde ein Jahr später, im 3. Quartal 1962, an Kunden ausgeliefert. Die Entwicklung dieser Platteneinheit trug in größtem Maße zur Weiterentwicklung zukünftiger Plattensysteme bei und ist als Meilenstein in der gesamten Plattengeschichte zu betrachten. Das Plattensystem 1301 war der Wegbereiter zukünftiger zur Anwendung kommender Technologien in zwei Bereichen: die „Air Bearing Slider“-Technologie und separate Schreib-/Leseköpfe für jede Plattenoberfläche mit der Möglichkeit, alle auf einen Datenzylinder physisch eingestellten Köpfe elektronisch für die zutreffende Plattenoberfläche zu selektieren und nacheinander zu bearbeiten. Damit war der Grundstein des Zylinderprinzips bei Plattenspeichern gelegt und der „Plattenzylinder“ geboren!

Ein Schreib-/Lesekopf pro Plattenoberfläche

Neben höherer Kapazität und Leistung bot die Maschine eine wesentlich flexiblere und höhere Übertragungsbandbreite durch das Prinzip, pro Plattenoberfläche einen Schreib-/Lesekopf zur Verfügung zu haben, und war auf die neue IBM-7000-Serie von Rechnern abgestimmt (7070, 7094, 7080 und 7090). Die Kapazitätssteigerung zur ersten RAMAC lag bei Faktor 13. Die Platten rotierten mit 1.800 Umdrehungen in der Minute. Durch die Verkleinerung des Flugabstandes zwischen Kopf und Platte auf 250 Micro-Inches konnten 50 Spuren pro Inch und bis zu 520 Bits pro Inch aufgezeichnet werden.

Das Modell 1 der IBM 1301 hatte ein Plattenmodul mit einer Kapazität von 28 Megabyte, das Modell 2 arbeitete mit zwei Modulen und einer Kapazität von 56 Megabyte. Angeschlossen an die IBM 7631-Steuereinheit konnten bis zu zehn Module (oder bis zu fünf 1301-Einheiten) zum Einsatz kommen, sie boten für die 7000-Serie eine maximale Kapazität von bis zu 280 Megabyte. Interessant waren auch die damaligen Preise: Das Modell 1 konnte monatlich für 2.100 US-Dollar geleast werden oder für eine Summe von 115.500 US-Dollar gekauft werden. Das Modell 2 mit zwei Modulen lag bei 3.500 US-Dollar monatliche Leasingrate und einem Kaufpreis von 185.500 US-Dollar.

Die Hyper Tape Drives IBM 7340

Die Hyper Tape Drives IBM 7340 reflektierten die neuste Bandtechnologie, als sie 1961 auf dem Markt eingeführt wurden. Zusammen mit der Kontrolleinheit IBM 7640 bedienten sie die IBM-Rechner 7074, 7080 und 7090. Die Hyper Tapes erzielten wesentlich schnellere Lese- und Schreib-Geschwindigkeiten im Vergleich zu den bisherigen Bandeinheiten. Angeschlossen am IBM 7090-Rechner lieferten sie die doppelten Übertragungsraten im Vergleich zum IBM 729-Bandsystem, der Weiterentwicklung der IBM 727.

Am 7. April 1964 wurde mit dem System/360 der Magnetstreifenspeicher IBM 2321 angekündigt. Mit seiner Gesamtspeicherkapazität von 400 Megabyte auf 1.000 mit magnetisierbarer Oberfläche versehenen Plastikstreifen galt er zu dieser Zeit als Massenspeicher. Jeder Streifen enthielt 100 Datenspuren, hatte eine Kapazität von 0,2 Megabyte und wurde in sogenannten „IBM 2321 Data Cell Drives“ aufbewahrt. 200 solcher Streifen konnten in einer Datenzelle untergebracht werden. Die sich auf einem drehbaren Karussell befindlichen Datenzellen wurden durch Rotation so positioniert, dass der gesuchte Speicherstreifen durch einen Greifer erfasst und um die Schreib-/Lesetrommel geführt werden konnte. Damit konnte die adressierte Datenspur gelesen oder beschrieben werden. Die aufwendige Konstruktion und der damit verbundene hohe Wartungsaufwand standen einer weiten Verbreitung entgegen.

Dieser Artikel ist ein Auszug des IBM-System-Storage-Kompendiums. Hier finden Sie das komplette Kompendium in Form eines Whitepapers.

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