Interview mit Dirk Walde, Hitachi Data Systems Die Archivierung auf Festplatte rechnet sich

Autor / Redakteur: Rainer Graefen / Nico Litzel

Storage-Insider.de sprach mit Dirk Walde, Archive Solutions Manager bei Hitachi Data Systems Deutschland, über revisionssichere Langzeitarchivierung und über auf Hardware basierende Suchknoten, mit denen das Unternehmen auch Altdaten in den Suchraum des Archivspeichers einbindet.

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Storage-Insider.de: Ist ein Speichersystem auf Disk-Basis für die Archivierung von unveränderlichen Inhalten nicht zu teuer?

Walde: Diese Frage bekomme ich immer wieder einmal gestellt, und ich kann sie ganz eindeutig mit einem „Nein“ beantworten: Vordergründig mag ein plattenbasiertes System im direkten Kostenvergleich mit reinen Medien wie Tape oder UDO teurer sein – aber die Aufwendungen für die Anschaffung enden nicht beim Kaufpreis. Wie bei einem Kraftfahrzeug sind die Unterhaltskosten ein beachtlicher Faktor. Mittelfristig betrachtet rechnet sich daher ein Festplatten-basiertes Archivierungssystem über eine Vollkostenbetrachtung über mehrere Jahre hinweg. Das gilt besonders, wenn man Migrationen für Medien und Hardware berücksichtigt sowie den Administrationsaufwand und die Betriebskosten in die Rechnung mit einbezieht. Ein konkretes Beispiel mag diesen Punkt belegen: Tapes sind nicht länger als einige wenige Jahre haltbar und müssen danach aufwendig mechanisch umkopiert werden, wenn die revisionssichere und gesetzeskonforme Archivierung gewährleistet sein soll. Die Disk hingegen läuft. Und um der Frage vorweg zu greifen: Sollte wirklich mal eine Disk ausfallen, arbeitet das Archiv unterbrechungsfrei weiter, stellt über interne Schutzmechanismen den Online-Datenzugriff sicher, isoliert die Fehler und konfiguriert sich nach erfolgtem Plattenaustausch selbst.

Welche Funktionen fehlen den Online-Archiven für die Lagerung von geschäftskritischen Inhalten?

Walde: Das Hauptthema bei der Archivierung ist die Sicherheit und Integrität der Daten. Das bezieht sich nicht nur auf eine zuverlässige Hardware, sondern auch auf den Schutz vor Datenmissbrauch. Eine leistungsfähige Verschlüsselung der Daten muss also jederzeit gewährleistet sein. Hier sehen wir die Hitachi Conten Archive Platform, kurz HCAP, klar im Vorteil: Unser System nutzt den von der US-amerikanischen Börsenaufsicht SEC empfohlenen AES-Standard. Es gibt außer HCAP kein System am Markt, welches den Datenschutz über optionale Verschlüsselungsalgorithmen sicherstellen kann.

Weiter mit: Revisionssicher oder rechtssicher?

Juristen in Deutschland debattieren gerade darüber, ob die Archivierung revisionssicher oder rechtssicher erfolgen muss. Wie weit betrifft das die Hersteller von CAS-Systemen?

Walde: Diese Diskussion betrifft die Anbieter von CAS-Systemen nicht wirklich. Die Sicherstellung der Datenintegrität sowie die Unveränderbarkeit und Nicht-Löschbarkeit wird integraler Bestandteil sowohl der revisions- als auch der rechtssicheren Lagerung bleiben.

Worin besteht für Sie der Unterschied eines Disk-Backups und einer Disk-Archivierung?

Walde: Backup wird häufig mit Archivierung verwechselt, es besteht jedoch ein gravierender Unterschied: Backups werden in der „Hoffnung“ erstellt, dass man nicht auf diese Daten zurückgreifen muss. Bei der Archivierung handelt es sich hingegen um Dokumente, auf die mit Sicherheit wieder zugegriffen werden muss – die Ablage im Archiv erfolgt aufgrund von unternehmensinternen Richtlinien beziehungsweise externen gesetzlichen Anforderungen. So schreibt der Gesetzgeber für viele Daten einen Zeitraum zur Archivierung von zehn bis hin zu 30 Jahren vor.

Aktive Archivierung hat viel mit Wiederfinden zu tun. Was müssen Anwenderfirmen beachten, wenn sie ein CAS-System mit Suchmaschine installieren, damit auch die Daten auf den vorhandenen Systemen mit einbezogen werden?

Walde: In der Tat ist die Wiederauffindbarkeit eine kritische Komponente. Wenn etwa eine Behörde rasche Auskunft verlangt, kommt es auf schnellen Zugriff und schnelle Auffindbarkeit an; das gilt auch im Klinikumfeld bei Patientendaten. Hitachi Data Systems bietet für HCAP optional die Lieferung Hardware-basierter Suchknoten an. Diese sorgen per einmaligen Suchlauf über die Altdaten dafür, dass diese ebenso wie die neu zu schreibenden Daten gefunden werden. HCAP nutzt dafür eine Volltextindexsuche sowohl über Binär- als auch über die Metadaten. Darüber hinaus ist ein Disk-basiertes System naturgemäß schneller als andere Archivierungslösungen.

Welchen Trend beobachten Sie bei den Kunden, hin zur E-Mail-Archivierung oder gleich zum Unternehmensarchiv?

Walde: Wir sehen einen klaren Trend: E-Mail-Archivierung ist ungebrochen ein treibender Faktor. Kleine und kleine mittlere Unternehmen beginnen in der Regel mit der Archivierung von E-Mails. Mit HCAP verfügen diese jedoch über ein zukunftssicheres Archiv, sie können sich also sicher sein, dass sie mit dieser Lösung eine Plattform für „ein Archiv für alles“ haben. Große KMU sowie Konzerne setzen in der Regel auf eine umfassende Enterprise-Content-Management-Lösung in Verbindung mit einem Unternehmensarchiv.

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