Flaschenhälse beim Backup virtueller Maschinen

Die Differenzkopie macht das Backup virtueller Machinen komplett

| Autor / Redakteur: Rainer Graefen / Nico Litzel

Anlaufprobleme

Dann ist da noch der Agent oder die Client-Software, die auf jeder einzelnen VM läuft . Backup-Software benötigt (bis auf wenige beachtenswerte Ausnahmen) einen Agenten oder eine Software, die auf dem zu sichernden Server laufen müssen. Diese Software scannt den Server auf der Block- oder auf der Dateiebene nach neuen Daten und sichert diese dann zum nächsten geplanten Zeitpunkt.

Diese Art von Software wird meistens mit dem Attribut „schlank“ beworben, die Software soll also Systemressourcen nur wenig in Anspruch nehmen. Die Industrie spricht meistens von einem Auslastungsgrad von zwei Prozent. Das ist aber nicht ganz richtig, denn bei diesem Wert wird nicht die Ressourcenauslastung bei der Erstellung von Backups durch die Software oder den Agenten berücksichtigt. Dann ist der Auslastungsgrad nämlich viel höher. Wenn man die Auslastung nun mit der Anzahl der virtuellen Maschinen multipliziert, so erhält man schnell einen Flaschenhals.

Virtuell ist nicht physisch

Die ersten Anwender virtueller Maschinen haben Backups erstellt, indem sie so vorgegangen sind wie bei einem physischen Server, obgleich I/O-Probleme damit vorprogrammiert waren. Der Backup-Client wurde in die virtuelle Maschine geladen und war dann für die Kommunikation mit der Backup-Software zuständig. Bei zwanzig virtuellen Maschinen wird das nicht nur unhandlich, sondern auch bei der Planung und Überwachung von Backup-Jobs sehr unübersichtlich.

VMware brachte als „Lösung“ das VMware Consolidated Backup (VCB) auf den Markt, um Backups von virtuellen Maschinen zu erleichtern und das I/O-Problem auf dem ESX-Server zu beheben. Allerdings wurden VM-Backups dadurch auch komplizierter, denn für diese brauchte man neben einem zweistufigen Backup für die Image-Backups auch einen zweistufigen Restore – und zudem muss man einen Festplattenbereich reservieren. VCB war insofern nur ein geringer Erfolg beschieden.

Inkrementelle Backups

Die neuen Backup-Methoden, die Marktführer VMware gerade zu etablieren versucht, sind wesentlich ausgefeilter und, wie es gerne heißt, granularer. Man muss nicht mehr dauernd alle Daten durch das Nadelöhr der I/O-Kanäle schleusen. Es ist nun möglich, inkrementelle Backups zu erstellen. Anwender können ein Image-Backup erstellen, ohne die Daten auf eine Staging Disk kopieren zu müssen.

Und man kann die Backup-Anwendung über das vStorage API abfragen lassen, welche Blöcke sich seit dem letzten Backup geändert haben. Und warum sollte man mehr Daten kopieren als nötig? Eine weitere „Geheimwaffe“ sind kontinuierliche Snapshots, die es ermöglichen, auf der Zeitlinie rückwärtszufahren. Dass das Ganze auch konsistent passiert, versteht sich fast von selbst, wird von den Herstellern allerdings nicht an die große Glocke gehängt, da man in der Vergangenheit den Mund ein wenig zu voll genommen hatte.

Backup von Hyper-V

Vorerst sind die vStorage APIs eine deutliche Verbesserung für alle jene, die versuchen, ein Backup von VMware-VMs zu erstellen. Und vor allem beziehen sie die „Intelligenz“ und Leistungsfähigkeit des Speichersystems mit ein. EMC Avamar war das erste bekannte Backup-Produkt, das vStorage APIs voll unterstützt hat, kurz danach hat Symantec mit NetBackup nachgezogen. Inzwischen sind viele andere Backup-Programme von Commvault, EMC (Networker) und IBM (Tivoli Storage Manager) auf diesen Stand der Technik aufgerüstet worden. Das Backup ist einfacher geworden.

Für VMware und Hyper-V zeichnen sich deutliche Verbesserungen beim Backup ab: VMware hat vSphere vorgestellt und Microsoft eine Backup-Architektur für Hyper-V (die keinen eigenen offiziellen Namen hat). VMware vStorage APIs for Data Protection (VADP) ersetzt das VCB und bietet nun endlich das, was ursprünglich mit VCB versprochen wurde. Anwender, die Hyper-V von Microsoft einsetzen, müssen darauf achten, dass ihre Backup-Anwendung die Kommunikation auf VSS-Basis beherrscht. Obwohl das in einigen Bereichen nicht so fortschrittlich wie vStorage APIs ist, ist das Ergebnis doch recht ähnlich: Man kann Backups von Hyper-V-Maschinen erstellen, ohne ein Backup innerhalb einer virtuellen Maschine auf der Gastebene ausführen zu müssen.

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