Grundlagen moderner Netzwerktechnologien im Überblick – Teil 91

Die Internet-Protokolle im Überblick – Adressierung, Domänen und WWW

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Die Top Level Domains

Es gibt eine Reihe von Hauptdomänen (Top Level Domains). Jede dieser Hauptdomänen ist einem grundsätzlichen organisatorischen oder geographischen Bereich zugeordnet. So z.B. „com“ für kommerzielle Organisationen in USA, „edu“ für Ausbildungseinrichtungen in USA, „mil“ für Militär in USA und „de“ einfach für Organisationen in Deutschland.

Im Rahmen einer Internet-Adresse sieht man also sehr oft, wer dahintersteckt. Innerhalb einer jeden Hauptdomäne gibt es wie gesagt Unterdomänen. Diese werden in der Darstellung der Adresse durch einen Punkt abgetrennt und nach links gestellt. Die Unterdomänen sind frei wählbar, nur dürfen sie (vom Wirkungsbereich her) nicht größer als die Hauptdomänen sein.

Es hat sich im kommerziellen Bereich (und auch praktisch sonst überall) durchgesetzt, einfach den Firmen-, Verlags- oder Produktnamen als Unterdomänen-Namen zu verwenden. Man muss nur aufpassen, keinen Namen zu verwenden, der bereits anderweitig besetzt ist. So ist es kein großes Geheimnis, wer hinter focus.de, audi.de, bmw.de, microsoft.com, ibm.com und dergleichen steckt.

Ausgehend von diesen Basisadressen aus Haupt- und Unterdomäne geht es dann eigentlich in zwei Richtungen weiter, die wenig miteinander zu tun haben. Nach links können weitere Unterdomänen angefügt werden, die immer weiteren organisatorischen Untergliederungen entsprechen.

Es existieren unüberschaubar viele Domänen-Namen, täglich kommen neue hinzu. Es gibt alleine mehr als 300 Ländercodes für Hauptdomänen. Zu jedem Namen gehört eine binäre, eindeutige Adresse. Die große Frage ist nur, wie dies alles im Zusammenhang steht, funktioniert und benutzt werden kann.

Die DNS-Server

Nun, es gibt eine große Vielzahl von Servern für das DNS. Mindestens einen für jede Domäne, gleichgültig welcher Schachtelungstiefe. Ein DNS-Server kann entweder eine eigene Maschine sein oder als Bestandteil eines Internet-Paketes als Prozess auf einem Multitasking-System laufen. Dies hängt von der Größe der Domäne, der Tiefe der Hierarchiestufe, der Größe der Informationsdienste in dieser Domäne und der gewünschten Leistung ab.

Verwendet man eine symbolische Adresse, muss der eigene Rechner diese in eine richtige Adresse umwandeln. Dazu sucht er sich prinzipiell Hilfe bei den DNS-Servern der Domänen und Unterdomänen der symbolischen Adresse, also von rechts nach links. Das ist aber umständlich. Er kann es auch zunächst bei seinem eigenen Server versuchen, vielleicht kennt der schon die Adressen.

Denn es gibt eine Theorie, die besagt, dass auch der wildeste Benutzer ein gewisses Lokalitätsverhalten aufweist, d.h. nach einer Anfangsphase wird er bestehende Adressen immer etwas häufiger benutzen. Fragt man den lokalen Server, so gibt es die Möglichkeit, dass dieser die gesuchte Adresse bereits kennt, weil sie z.B. zu dem Teil der DNS-Datenbank gehört, die er selbst verwaltet oder weil kürzlich jemand anderes auch nach dieser Adresse gefragt hat. Weiß der lokale Server nicht selbst Bescheid, so kennt er aber einen übergeordneten Server, seinen so genannten Root-Server (Root = Wurzel), den er fragen kann. Dieser weiß es entweder selbst oder kennt einen anderen Server.

Die Teile eines Domain-Namens teilen dem Anwender nur mit, wer für diesen Namen verantwortlich ist, aber nicht unbedingt, wer die dazugehörigen Systeme verwaltet oder benutzt. Außerdem erfährt man nicht, in welchem Netzwerk sich der Rechner befindet, weil die logische Internet-Adressierung von den eigentlichen Netzwerkadressen der unteren Schichten völlig unabhängig ist.

Weiterhin kann eine Maschine mehrere Namen haben, wenn z.B. unterschiedliche Informationsanbieter oder Kommunikationspartner auf einer leistungsfähigen Hardware installiert werden, sonst aber nichts miteinander zu tun haben. Dies ist ein günstiges Konzept für kleine Firmen, die anderen Firmen die Erstellung und Pflege einer Homepage als Dienstleistungspaket anbieten möchten. Die symbolischen Namen sind völlig unnötig. Wenn man eine Adresse als Bitstring hat, kann man mit dem „unbekannten“ Partner kommunizieren.

Wenn die Domain-Namen aufhören, ist das Ende einer Adresse noch längst nicht erreicht. Abgetrennt durch einen Klammeraffen lassen sich nicht nur Benutzer, sondern auch andere Objekte, die man unter der Domain-Adresse finden kann, darstellen.

Das World Wide Web

Das World Wide Web (WWW, W3) ist ein wunderbarer Dienst zur Informationsdarstellung und Informationsbeschaffung. Alle Informationen im WWW können wie oben beschrieben durch sog. Links miteinander verknüpft werden. WWW benutzt ein eigenes Protokoll zur Übertragung von Daten, das HTTP. In diesem Zusammenhang ist eine eigene Adressform entstanden, der so genannte URL, der Uniform Resource Locator.

Wir haben ja schon vom Internet-Surfen gesprochen. Wenn man sich in einem WWW-Dokument befindet, kann man durch Anklicken eines Links eine Verbindung zu mehr Information aktivieren. Irgendwoher muss der PC auf dem man arbeitet aber erfahren, wo die nächste gesuchte und anzuzeigende Information eigentlich zu finden ist. Dies sagt einem der URL, der nichts weiter als ein Zeiger auf die nächste Information ist. Wir werden gleich die Funktionsweise des WWW noch näher darstellen.

In einem WWW-Dokument müssen also nicht nur die Hervorhebungen gemacht werden, sondern neben jede Hervorhebung muss man einen URL stellen, der auf die Stelle verweist, wo die Information zu finden ist. Und dies ist natürlich ein WWW-Server, der eine Internet-Adresse hat und einen Port, auf dem man den Server ansprechen muss, falls man keinen vordefinierten Standard-Port benutzen möchte. Außerdem hat dieser Server Verzeichnisse mit diesen Dateien organisiert. Schließlich sollte man noch die Methode (also das Programm) angeben, mit dem man auf die Information zuzugreifen gedenkt. Das Format eines URL ist demnach

Zugriffsmethode://Server-Name[Port:]/Inhaltsverzeichnis/Dateiname

Wenn Sie das WWW benutzen, ist das WWW selbst im Grunde eine virtuelle Sub-Domäne, weshalb viele symbolische Internet-Adressen von WWW-Servern mit „www“ beginnen. Das angegebene Format ist das eines absoluten URLs. Es gibt noch andere Formen.

Zu Beginn unterstützten die Oberflächen, die man zur Benutzung des WWW designt hatte (Web-Browser, to browse: blättern, schmökern) nur http, das Hypertext Transfer Protokoll, als Zugriffsmethode. Wie bereits erwähnt, gab es aber schon ein Internet vor WWW. Also hat man die Browser schnell erweitert, um auch an Informationen zu gelangen, die auf Servern mit anderen Zugriffsmethoden gelagert sind. So kann man heute z.B. auch FTP, Telnet oder andere Dienste angeben.