Grundlagen moderner Netzwerktechnologien im Überblick – Teil 90

Die Internet-Protokolle im Überblick – eine Einführung

19.01.2011 | Autor / Redakteur: Dr. Franz-Joachim Kauffels / Andreas Donner

Um durch das Web zu fliegen, bedarf es spezieller Protokolle
Um durch das Web zu fliegen, bedarf es spezieller Protokolle

Die Internet-Protokolle vor Netzwerkern darzustellen, erscheint wie der Versuch, Eulen nach Athen zu tragen. Aber grade im Bereich der Web-Technologien hat sich in den letzten Jahren sehr viel getan und Teile dieser Entwicklungen haben erhebliche Auswirkungen auf die zukünftige Strukturierung von Rechenzentren. In den nächsten Folgen beginnt alles harmlos, aber bleiben Sie dran, es wird spannend!

Das Internet rangiert in den fachunkundigen Medien irgendwo zwischen Beziehungskisten und fliegenden Untertassen. Es ist anscheinend schwierig zu fassen. Man erschwert sich den Zugang zur Thematik ungemein, wenn man nicht zwei wichtige Grundsätze beherzigt:

  • Das Internet ist kein Netz im eigentlichen Sinne, sondern ein Verbund zehntausender Einzelnetze mit – weitestgehend – gemeinsamen Protokollen der Schichten 3 bis 7.
  • Das Internet hat keinen eigentlichen Besitzer oder Betreiber, vielmehr ist es ein soziales Instrument zur Kommunikation, das deshalb auf die vielfältigsten Arten und Weisen genutzt werden kann.

Mein Lieblingsbuch (und mit über 1.000.000 anderen Lesern nicht meines alleine) für den Einstieg ins Internet ist Ed Krol’s „The Whole Internet“. Das Buch liegt glücklicherweise mittlerweile auch in einer erstklassigen, teilweise kommentierten Übersetzung vor „Die Welt des Internet“.

Zu Beginn möchte ich Ed Krol zitieren: „Einen Begriff vom Internet zu bekommen, ähnelt sehr dem Versuch, eine Handvoll Götterspeise zu greifen. Je fester Sie zugreifen, desto mehr läuft Ihnen am Arm herunter. Sie müssen Götterspeise aber nicht auf diese Weise essen, sie brauchen nur das richtige Hilfsmittel: einen Löffel. ... Das gleiche gilt für das Internet ... Sie müssen nur die richtigen Hilfsprogramme kennen und anfangen, damit zu arbeiten.“

Eigentlich bräuchte ich also nur noch die oben genannten Hilfsprogramme zu nennen und den Artikel beenden. Denn von der technischen Seite her ist alles, was die Funktionalität des Internets unterstützt, wohlbekannt: Das Internet basiert auf den Protokollen der TCP/IP-Familie. Die wesentlichen anwendungsorientierten Grunddienste des klassischen Internets sind also die Protokolle Telnet für das Einloggen in einen fremden Rechner, FTP für den Zugriff auf Dateien und SMTP für Electronic Mail.

In der Tat, ergänzt mit einem Name-Service, der dafür sorgt, dass man Dinge im noch so verzweigten Netz eindeutig benennen kann, und ein paar Suchhilfsmitteln war dies auch bis vor wenigen Jahren die Grundstruktur des Internet. Das Internet ist schon weit über drei Jahrzehnte alt, nur lange Zeit hat sich vor allem hier kaum jemand dafür interessiert. Denn die zeilenorientierte Benutzung dieser Dienste ist nicht besonders komfortabel. Außerdem hängt die Entwicklung der Internet-Gemeinde, -Protokolle und -Nutzung eng mit der Entwicklung des Betriebssystems UNIX zusammen. UNIX kann zwar ein sehr gutes Betriebssystem sein, aber speziell in Deutschland hat es nicht so viele Freunde.

Die Internet-Protokolle sind schon seit sehr langer Zeit in fast jedem UNIX-System enthalten. UNIX-Maschinen über irgendwelche Netze miteinander zu verbinden, und dann Internet-Protokolle für die interne und externe Kommunikation zu verwenden, liegt also nahe.

Den wirklichen Durchbruch und seine heutige Popularität hat das Internet aber erst durch zwei Techniken erhalten: die universelle und leichte Verknüpfungsmöglichkeit von Informationen durch das sogenannte World Wide Web (WWW, W3) und die Nutzungsmöglichkeit der Internet- und WWW-Ressourcen durch graphische Oberflächen – die Browser.

Die Entwicklung des Internets

Erst diese Techniken machen das Internet für alle einigermaßen geradeaus denkenden Nichtspezialisten einfach benutzbar und somit zum potentiellen Massenmedium.

Die WWW-Technik ermöglicht es, praktisch unendlich beliebige (und viele) Verbindungen zwischen Informationen herzustellen, die sog. Links. In einem beliebigen Dokument, was man z.B. nachher an einem Bildschirm lesen kann, lassen sich Ausdrücke hervorheben. Jede Hervorhebung entspricht einem Link. Klickt man die Hervorhebung an, so kommt man zu einem weiteren Dokument, welches z.B. den im ersten Dokument hervorgehobenen Begriff weiter erklärt und selbst wieder Links haben kann. Wenn man dann weit genug gekommen ist und die gewünschte „Erklärungstiefe“ erreicht hat, kann man wieder zurück, entweder rückwärts durch alle Dokumente, die man bereits hatte, oder direkt durch Aufruf von „Home“, das ist die Umgebung, in der man gestartet ist.

Die WWW-Technik hat auch den Begriff „Internet-Surfen“ geprägt. Vor WWW musste man den Aufenthaltsort jeder Information kennen oder suchen lassen. Das ist etwa so, als ob ein Surfer auf einem windlosen und absolut ruhigen See einen Hubschrauber beauftragt, Wind und ein paar Wellen zu machen, um voranzukommen. Diese Methode ist ökologisch und ökonomisch offensichtlich wenig sinnvoll.

Viel besser sind doch Wind und Wellen, angepasst an die Fähigkeiten des Surfers. Ein leichter Wind sorgt für Bewegung, die Nutzung von Wellenbergen und Wellentälern für Abwechslung und Vorankommen. Beim WWW ist dies ähnlich: jeder Link entspricht der Möglichkeit, leicht und bequem von einem Wellenberg (der Information, wo man gerade ist) zu einem anderen Wellenberg (der Information, wo man hin möchte) zu kommen. Allerdings ist WWW noch viel sicherer: Man kann es auch ohne Gleichgewichtssinn und Schwimmkenntnisse benutzen und auch die „Home“-Taste hat sich so mancher Surfer schon äußerst sehnlich gewünscht.

weiter mit: Back to the Roots

Inhalt des Artikels:

  • Seite 1: Die Internet-Protokolle im Überblick – eine Einführung
  • Seite 2: Back to the Roots

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