Grundlagen moderner Netzwerktechnologien im Überblick – Teil 90

Die Internet-Protokolle im Überblick – eine Einführung

Seite: 2/2

Anbieter zum Thema

Back to the Roots

Die Ursprünge des Internets gehen auf militärische Experimente zurück (ARPANET). 1983 ist aber der eigentliche Entstehungszeitpunkt des Internets, da in diesem Jahr auch das Ethernet von DEC, Intel und XEROX einer breiten Öffentlichkeit präsentiert wurde und ab der Schicht drei die gleichen Protokolle wie das ARPANET verwenden konnte. So kam es schnell dazu, dass tausende Ethernet-LANs über ARPANET verbunden wurden und dank TCP/IP konnten nunmehr alle angeschlossenen Rechner Dateien und Post austauschen.

Zwischen UNIX-Rechnern gibt es außerdem die einfach zu nutzenden UUCP-Funktionen (UNIX-to-UNIX Communication-Protocol). Damit oder mit Telnet aus TCP/IP kann man sich in einen fremden Rechner einloggen. Dies hatte in den frühen Achtzigern eine ganz andere Bedeutung als heute, wo man die meisten Aufgaben auf seinem eigenen PC erledigen kann, weil dieser ja leistungsfähig genug ist. In den Achtzigern entstanden aber auch viele weitere WANs, wie das USENET oder das von IBM gesponserte BITNET, die jeweils unterschiedliche Dienstleistungen aufweisen. Diese Dienste wurden teilweise in das Internet übernommen.

Andere Forschungsprojekte wie das CSNET der NSF (National Science Foundation) verschafften dem Internet in den USA leistungsfähigere Leitungen. Die bislang mit 56 kbps laufenden Hauptleitungen des Internet wurden auf 1,5 Mbps gebracht, eine Pionierleistung zu damaliger Zeit. Gleichzeitig wurden aber durch diese Bemühungen auch Regeln zur Sozialisierung des Netzes aufgestellt, wie z.B. der Zwang zur Freigabe von Rechen- und Speicherleistung an alle Nutzer als Preis für den schnellen Anschluss.

Die Internet-Adressierung

1986 wurde ein Domänen-orientiertes Adressierungskonzept eingeführt. Dies hatte sich schon in großen anderen Netzwerkstrukturen, wie der SNA-Architektur von IBM bewährt. Man adressiert einen Teilnehmer oder einen Dienst damit über einen Rechner (Hosts, Server), an den dieser angeschlossen ist oder an dem der Dienst bereitsteht. Damit spart man gegenüber einer individuellen Adressierung jede Menge.

Kennt man den Host des Teilnehmers nicht, muss man einen Name-Server benutzen. 1987 wurden die Hauptstrecken auf 45 Mbps umgestellt, was die Einführung graphischer Benutzeroberflächen erst ermöglichte, seit 1993 experimentierte man mit ATM und 155 bzw. 622 Mbps. 1995 zog sich die NFS endgültig aus dem Betrieb des Internet zurück, weil man das Netz wirklich nicht mehr als Forschungsnetz bezeichnen konnte: Waren bis 1993/94 mehr als die Hälfte der Internet-Nutzer Studenten, hat sich dies durch die Einführung von WWW und graphischen Benutzeroberflächen dramatisch geändert.

Außerdem ist die Kommerzialisierung trotz aller Hindernisse erheblich vorangeschritten. Der ehemalige Internet-Backbone wurde von AOL (America Online) übernommen. Das Internet ging in die Hand meist kommerzieller Betreiber und der Backbone wird durch ein System von sog. NAPs gebildet (NAP = Network Access Point). Die NAPs und die Leitungen zwischen ihnen werden von den großen Telefongesellschaften und Serviceprovidern wie AOL, MCI oder US-Sprint betrieben. Die NFS-Mittel flossen in das Projekt für einen nationalen Breitbanddienst (Very High Speed Backbone Network Service, VBNS) mit ATM und 622 Mbit/s. Im Jahr 2000 wurden sehr viele Intrnet-Backbone-Strecken auf 2, 4 oder 10 Gbps mit DWDM-Technik hochgerüstet. Die aggregate Gesamtleistung des US-Internet liegt heute bei weit über 50 Terabit/s.

In Europa hinkte die Entwicklung immer noch hinterher, wichtige Netze mit Internet-Anbindung sind EARN, EUnet und der europäische Teil des CSNET, allesamt Netze zur Unterstützung von Wissenschaft und Forschung. Mittlerweile gibt es auch einen europäischen Internet-Backbone EBONE. In Deutschland ist der DFN-Verein (Deutsches Forschungs Netz) ein wichtiger Ansprechpartner, der mit der Telekom das Wissenschaftsnetz WIN mit einem Schwerpunkt auf 2 Mbps-Anschlüsse etabliert hat.

WIN ist ein Experimentierfeld. In 1996 wurden ATM-Strecken mit 34 und 155 Mbit/s aufgebaut und auch im Rahmen der Internet-Nutzung getestet. Daneben haben sich zögerlich auch in Deutschland weitere Anbieter für Internet-Zugänge wie MAZ, ECRC oder IBM etabliert. Schließlich bieten seit 1995 auch die in Deutschland operierenden Online-Dienste wie T-Online und der Mitbewerb Internet-Zugänge an. Die Zugänge sind heute allesamt recht kostengünstig, in der Praxis gibt es aber oft herbe Enttäuschungen hinsichtlich der Wartezeiten und Übertragungsraten.