Eine RZ-Backup-Appliance für unterschiedliche Backup-Programme

Die Lücken im Backup-Schutzwall schließen

| Autor / Redakteur: Stefan Rabben* / Rainer Graefen

Auf einen Blick: Die wichtigsten Ursachen für Systemausfälle in Rechenzentren.
Auf einen Blick: Die wichtigsten Ursachen für Systemausfälle in Rechenzentren. (Dell)

Wenn der IT-GAU eintritt, haben Unternehmen oft keine Gegenmittel. Vielen fehlt ein geeignetes Datensicherungskonzept, um den Ernstfall zu verhindern und Daten beziehungsweise Systeme schnellstmöglich wiederherzustellen. Mit einer individuellen Datensicherungsstrategie lässt sich das große Drama vermeiden.

Lichterloh brennende Rechenzentren oder solche, die von Wassermassen völlig überflutet wurden, kommen in der Realität eher selten vor. Wer bei einem IT-GAU nur an Brände, Überschwemmungen oder gar an ein Erdbeben denkt, liegt meist falsch.

Es sind die auf den ersten Blick harmlosen und unscheinbaren Ursachen, die am häufigsten für IT-Ausfälle verantwortlich sind: defekte Server- und Netzwerkkomponenten, Kabelbruch, Fehler in Applikationen, misslungene Software-Updates, fatale Eingaben durch Benutzer oder Hackerangriffe, bei denen Sicherheitslücken ausgenutzt werden.

RZs funktionieren immer, denken die Anwender

Dem gegenüber stehen die gestiegenen Erwartungen der Nutzer, die sich in den letzten Jahren gravierend und rapide verändert haben. Anwendungen auf mobilen Endgeräten jeder Art haben die Messlatte bezüglich der Verfügbarkeit von Daten und Diensten und dem Bedienkomfort deutlich angehoben.

Die Anwender erwarten, dass sie zu jeder Zeit, von jedem Ort und mit jedem beliebigen Endgerät auf ihre Daten zugreifen können. Für die IT in den Unternehmen bedeutet dies anspruchsvolle und oft schwer einzuhaltende Service-Level-Erwartungen – die meisten IT-Infrastrukturen sind dafür noch nicht ausgelegt.

Mit sich schnell ändernden Anforderungen tut sich die traditionelle IT schwer. Eine der Ursachen dafür sind die manchmal schwerfälligen Prozesse, die sich im Laufe vieler Jahre herausgebildet und verfestigt haben.

Hoher Anpassungsdruck

Dies führt zu einem beachtlichen Anpassungsdruck in den IT-Abteilungen, denn die Benutzer erwarten, dass ihre Vorstellungen Vorrang haben. Im Grunde genommen gehen die Anwender davon aus, dass beschädigte, gelöschte oder verlorengegangene Daten innerhalb von Minuten und nicht erst nach Stunden oder gar Tagen wieder verfügbar sind.

Die IT verfügt aber oft noch nicht über die benötigten Verfahren und technischen Lösungen, um die erwartete Wiederherstellungsgeschwindigkeit zu erzielen. Noch viel weniger hat sie die Möglichkeit, den Mitarbeitern aus den Fachbereichen zu erlauben, die von ihnen benötigten Daten anstatt durch eine aufwendige Anfrage beim Helpdesk über ein Mitarbeiter-Portal nach dem Self-Service-Prinzip zu verwalten.

Die steigenden Erwartungen der Anwender sind nur der eine Faktor für den hohen Anpassungsdruck. Dazu kommen zusätzliche regulatorische Vorgaben durch die EU. Die Einhaltung neuer gesetzlicher Vorschriften im Hinblick auf die Verfügbarkeit und Verwaltung der Daten werden die IT vor weitere Herausforderungen stellen.

Die Änderungsgeschwindigkeit von RZs ist zu niedrig

Existierende Lösungen zur Datensicherung und -wiederherstellung sind diesen neuen Rahmenbedingungen nur selten gewachsen. Die Ursachen dafür lassen sich in drei Punkten zusammenfassen:

  • Heterogene, langjährig gewachsene Landschaften: Vorhandene Architekturen zur Datensicherung bestehen aus einer Mischung verschiedener Produkte, die oft als Inseln agieren und bei denen eine übergreifende Verwaltung fehlt. Dadurch steigen Komplexität und Ineffizienz.
  • Vorhandene Lösungen wurden zu lange nicht mehr angepasst und modernisiert: Was läuft, das sollte man nicht ohne Not ändern – nach diesem Motto verfahren viele Administratoren. Die Innenansicht und die betriebliche Stabilität gelten als Argument, den technischen Wandel und Innovationen bei der Datensicherung hinauszuzögern.
  • Anforderungen aus der digitalen Transformation werden vernachlässigt: Cloud Computing, Mobility und Industrie 4.0 sind als Schlüsselfaktoren für die digitale Transformation in vielen Unternehmen noch nicht angekommen. Das wird sich aber durch den verschärften Wettbewerb in allen Branchen, bei dem andere aktuell schneller sind, vermutlich bald ändern. Bei einem rasanten Datenwachstum kommen Unternehmen nicht mehr umhin, eine durchgängige integrierte Strategie zur Datensicherung und -wiederherstellung zu entwickeln.

Best Practices für die Datensicherung

Um neue Herausforderungen meistern zu können, sollten Unternehmen regelmäßig eine Bestandsaufnahme ihrer Datensicherungsprozesse und -technologien durchführen und anschließend ihre Backup- und Recovery-Prozesse aktualisieren. Aufgrund der Erfahrungen von Dell aus einer Reihe von Projekten haben sich vier Best Practices herauskristallisiert:

  • Applikationen und deren Anforderungen klassifizieren. Nicht alle Anwendungsszenarien in einem Unternehmen haben die gleichen Datensicherungsanforderungen. Wichtige Auswahlkriterien ergeben aus einer Beurteilung der Risiken, denen die Daten in den einzelnen Umgebungen wie Marketing, Vertrieb, Finanzbuchhaltung, Auftragsverwaltung oder Produktion ausgesetzt sind, ergänzt um die Kosten, die ein Ausfall von wenigen Minuten, Stunden oder gar einem ganzen Tag verursacht.
  • Prozesse konsolidieren, standardisieren und weitgehend automatisieren. Ein Überblick über die vorhandenen Anwendungsszenarien sowie Applikationen und eine Vergabe von Prioritäten nach Geschäftsprozessen und der Sensibilität der Daten liefern eine gute Entscheidungsbasis. Dies ist allerdings keine einmalige Aufgabe, sondern in Anbetracht der ständig steigenden Datenmengen eine in regelmäßigen Abständen zu wiederholende Tätigkeit. Das Ergebnis zeigt die Möglichkeiten zur Konsolidierung, Standardisierung und Automation. Nur durch einen höheren Grad an Automation kann die IT die von den Anwendern erwarteten schnelleren Backup- und Recovery-Zeiten erreichen.
  • Verfahren für die Wiederherstellung testen. Das Backup dient einzig dazu, Unternehmen im Notfall in die Lage zu versetzen, ihre Systeme und Daten baldmöglichst wiederherzustellen. Viele Unternehmen versäumen es aber, ihre Recovery-Prozesse zu „proben“. Erst damit lässt sich feststellen, ob alles so abläuft, wie es die Pläne vorsehen. Unternehmen sollten daher Schulungs- und Übungszeiten einplanen, in denen der Ernstfall bei der Wiederherstellung der unterschiedlich wichtigen Anwendungen, Daten und Systeme nachvollzogen wird.
  • Eine Backup Appliance evaluieren. Eine Backup Appliance – auch als Purpose Built Backup Appliances PBBA bezeichnet – ist eine integrierte Lösung, die alle für die Datensicherung benötigte Hardware und Software enthält. Eine solche Appliance, die für unterschiedliche Backup-Software zertifiziert sein sollte, macht Bandsicherungen weitgehend überflüssig. Unternehmen bewahren damit ihre Backup-Daten auf Festplatten auf und können sie im Notfall schneller wiederherstellen. Die Appliance vereinfacht und optimiert die Datensicherung und nutzt dazu Funktionen zur Datendeduplikation und -kompression.

Backup Appliances und insbesondere die Funktionen zur Datendeduplikation und -kompression spielen eine wichtige Rolle in einer umfassenden Lösung für Backup und Recovery.

Ein konsolidiertes Backup/Recovery sollte das Ziel sein

Die Appliances der Dell-DR-Serie beispielsweise erlauben eine quellen- oder zielseitige Deduplikation. Die quellenbasierte Deduplikation erfolgt am Ort der Datenentstehung, bevor die Daten etwa von einer Niederlassung zu einem zentralen Rechenzentrum transferiert werden. Damit wird eine schnellere Replikationsgeschwindigkeit erreicht.

Die zielbasierte Deduplikation kommt in Rechenzentren zum Einsatz, um umfangreiche Deduplikationsaufgaben mit großen Mengen an Datensätzen auszuführen. Unternehmen können mit einem überschaubaren Aufwand vorbeugende Maßnahmen treffen, mit denen sich eine hohe Geschäftskontinuität gewährleisten lässt und die Ausfallzeiten so gering wie möglich bleiben. Zunächst gilt es, die neuralgischen Punkte der IT aufzuspüren, denn nur so lassen sich Lücken schließen.

In der Regel haben IT-Infrastrukturen typische Schwachstellen. Es sind dies die eingesetzten Plattformen und Systeme, die Daten, die hohe Verbreitung mobiler Applikationen und der Standort des Rechenzentrums. Anstatt weiter Insellösungen zu unterhalten, empfiehlt sich die Implementierung einer alle Niederlassungen umfassenden Strategie zur Datensicherung und -wiederherstellung.

* Stefan Rabben ist Director Data Protection | EMEA Central Dell | Dell Software

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